Bayern Unterwegs auf dem SalzAlpenSteig

Beeindruckende Kulisse: Berchtesgaden mit dem Watzmann. Foto: Berchtesgadener Land Tourismus
Beeindruckende Kulisse: Berchtesgaden mit dem Watzmann. Foto: Berchtesgadener Land Tourismus

Vom Chiemsee bis zum Dachsteingebirge: Das Berchtesgadener Land ist vor allem im Sommer immer einen Besuch wert.

Schroffe Kalksteinmassive mit majestätisch weißen Gipfeln, senkrecht abfallende Schluchten mit reißenden Gebirgsbächen, samtgrüne Täler mit fruchtbaren Wiesen in einer malerischen Hügellandschaft - wer einen Tagesausflug oder eine mehrwöchige Weitwanderung auf dem sogenannten SalzAlpenSteig antritt, der sich vom Chiemsee-Alpenland bis zum Dachstein-Salzkammergut erstreckt, der wird von dem Abwechslungsreichtum dieser mit einer einzigartigen Flora und Fauna gesegneten Region beeindruckt sein.

Auf 18 moderaten Einzeletappen mit einer Länge von zehn bis 18 Kilometer können naturverbundene Bergfreunde entlang der schönsten Seen der nördlichen Alpen - dem Chiem-, König- und Hallstätter See - von Bayern über Salzburg bis nach Oberösterreich wandern und auf gut gekennzeichneten Wegen insgesamt 230 Kilometer zurücklegen.

Hirsche und Rehe, Murmeltiere und vereinzelt sogar Steinadler sind im Nationalpark Berchtesgaden noch anzutreffen. Der Mensch hat sich der Artenvielfalt dieser Gegend angepasst, indem er sie nicht ökonomisch auspresst und ausbeutet, sondern im Sinne künftiger Generationen nachhaltig bewirtschaftet.

Die Bewohner dieser Region verstehen sich als Erhalter und Mitgestalter der überlieferten Lebensweise und bemühen sich bewusst um das Fortleben traditioneller Handwerksberufe wie der des Müllers, Imkers oder Bierbrauers.

So verwundert es nicht, dass der gesamte Landstrich von Bad Reichenhall bis nach Berchtesgaden rund um den zweitgrößten Berg Deutschlands, den 2.713 Meter hohen Watzmann, heute als Paradebeispiel für ein global repräsentatives Ökosystem und einen schützenswerten Kulturraum gilt, der von der UNESCO zur einzigen Alpen-Biosphärenregion Deutschlands erhoben wurde.

Unter Bad Reichenhall: ein Tunnellabyrinth, das mit Marmor veredelt wurde

Seinen Namen verdankt der SalzAlpenSteig der Geschichte des "weißen Goldes", die hier überall noch präsent ist. Denn die Salzgewinnung und der Salztransport haben hier über Jahrhunderte hinweg eine entscheidende Rolle gespielt und nicht nur für die Entstehung wichtiger Handelsstraßen, sondern auch für den märchenhaften Aufstieg diverser Städte gesorgt. Da das "weiße Gold" bis in die Neuzeit hinein als einzig verfügbarer Konservierungsstoff galt, besaßen Städte, die eine Salzsole besaßen, ein bedeutendes Monopol, das ihnen zu wirtschaftlicher Prosperität und großem Reichtum verhalf.

So entwickelte sich zum Beispiel Bad Reichenhall dank seiner Solequellen schon im 12. Jahrhundert zu einem "Dubai des Mittelalters", das die Ostalpen und weite Teile Mitteleuropas mit seinen Salzvorkommen belieferte. Bis heute werden täglich 700.000 Liter Sole mithilfe der beiden 15 Tonnen schweren Räder der alten Saline in Bad Reichenhall aus dem Erdreich gepumpt und zu Markensalz verarbeitet oder den ansässigen Bäder- und Kureinrichtungen zugeführt.

120 Meter unter der Stadt ist deshalb ein 3,4 Kilometer langes Tunnellabyrinth entstanden, das der bayerische König Ludwig I. mit Carrara-Marmor veredeln ließ. Immerhin stammten zu seinen Zeiten noch ein Drittel der Staatseinkünfte aus dem Salzverkauf.

Salzförderung und Salzhandel haben die Region nachhaltig geprägt, die Relikte des einst blühenden Industriezweigs sind allgegenwärtig. Man denke etwa an das 160 Meter lange Gradierhaus in Bad Reichenhall, ein gewaltiges Freiluftinhalatorium, über dessen 13 Meter hohe Wände aus übereinander geschichteten Schwarzdornzweigen rund um die Uhr Alpensole rinnt und die Bergluft mit einer heilsamen Meeresbrise anreichert.

Oder an das Erlebnisbergwerk Berchtesgaden, wo man sich mittels einer Zugfahrt in den Berg, einer Führung durch das alte Bergwerk und einer Bootsfahrt über einen unterirdischen See auf eine Salzzeitreise begeben kann.

Aber auch auf den gut beschilderten und gesicherten Wanderwegen des SalzAlpenSteigs stößt man immer wieder auf Überbleibsel der früheren Salzproduktion wie Soleleitungen und Brunnhäuser. Denn um das Speisesalz aus der wässerigen Lösung der Sole zu gewinnen, war ein Siedeprozess notwendig, der wiederum auf das Vorhandensein von Brennstoff angewiesen war.

Deshalb konnte die Sole nicht vor Ort in den unterirdischen Salinen verarbeitet werden, sondern wurde ab dem 17. Jahrhundert mithilfe von Kolbendruckpumpen in das Sammelbecken von relativ hoch gelegenen Brunnhäusern befördert.

Von dort wurde das Salzwasser dann - unter Ausnutzung des natürlichen Gefälles - über kilometerlange Rohre aus Fichtenholz, den sogenannten Deicheln, zu den meist an Flüssen gelegenen Brennstätten weitergeleitet, wo es gesiedet und zu Salz verarbeitet werden konnte.

Eine der schönsten Touren führt von Ramsau über den Grünstein zum Königssee

Doch diese vereinzelten Spuren des "weißen Goldes" haben sich nicht wie ein Fremdkörper in das homogene Ganze der Berchtesgadener Gebirgslandschaft eingegraben. Wie verschlafene Erinnerungen an einstige Macht und Größe träumen die verwitterten Brunnhäuser mit ihren moosüberzogen Salinenleitungen heute vor sich hin. Freundlich scheinen sie den Passanten zuzuraunen, den Wegen von einst zu folgen.

Wer diesen Einflüsterungen nachgibt und der Sache auf den Grund gehen will, der sollte sich dazu entschließen, gleich eine der schönsten Touren der gesamten Wanderroute zu begehen: die Wanderung von der Nationalpark-Gemeinde Ramsau aus entlang der alten Soleleitung über den Grünstein zum Königssee.

Fantastischer Rundblick auf den Watzmann und den Hochkönig Schon das 1.800-Seelen-Dorf Ramsau, das vom Alpenverein zum ersten deutschen Bergsteigerdorf gekürt wurde und das solch stilvolle Refugien wie das Berghotel Rehlegg besitzt, lädt dank seiner unverbauten Gebirgskulisse zum Verbleib ein.

Wir aber eisen uns los und lassen uns vom alten Soleleitungsweg entlang der Waldgrenze und an einem schönen Wasserfall vorbei nach Engedey geleiten, von wo wir das Söldenköpfl (1.022 m) umrunden, bis wir nach Überquerung der Ramsauer Ache uns an den Aufstieg nach Hochschönau und von dort auf den Grünstein machen.

Durch den dicht bewaldeten Rücken des Berges erklimmen wir den baumlosen Gipfel des nur 1 306 Meter hohen Grünsteins, um mit einem fantastischen Rundblick belohnt zu werden: Der Watzmann (2 713 m) und der Hochkönig (2.941 m) türmen sich riesenhaft auf der einen Seite zur alpinen Drohkulisse auf, von der Schönau und Berchtesgaden auf der anderen mit ihren anmutigen Hügellandschaften beschwichtigend abzulenken suchen.

Auch das Gebiet um den Obersalzberg mit dem Kehlsteinhaus streift unser Blick, um uns daran zu erinnern, dass das Berchtesgadener Land bis heute unheilvoll mit dem Namen Adolf Hitlers verbunden ist. Martin Bormann hatte das Kehlsteinhaus Hitler zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Es gehörte zu jenem Sperrgebiet um den Obersalzberg, das der Diktator nach seinem Machtantritt 1933 von seinem Privatsekretär Bormann zu seinem zweiten Regierungssitz neben Berlin ausbauen ließ. Heute befindet sich darin eine ganzjährig geöffnete Dokumentationsstätte, in der die Geschichte des Obersalzbergs während der NS-Diktatur vergegenwärtigt wird.

Aber da die Schönheit dieser Region keine Schuld an den von Hitler begangenen Verbrechen trägt, machen wir uns nach einer Minute des Innehaltens an den Abstieg. Im Zickzack geht es - durch ein Felsentor hindurch - über Stock und Stein zum Königssee hinab, dessen smaragdgrünes Wasser uns verheißungsvoll aus der Ferne zuwinkt und für die Strapazen des zügig-steilen Talmarsches entschädigt.

Weitere Informationen:

www.salzalpensteig.com

 

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