Bayern Siemens hebt nach Gewinnsprung zum zweiten Mal Prognose an

Das Schriftzug-Logo des deutschen Industriekonzerns Siemens. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild/dpa

Es läuft gut für den neuen Siemens-Chef Roland Busch: Nach einem starken Quartal konnte er schon zum zweiten Mal die Prognose für das laufende Geschäftsjahr anheben. Doch es lauern bereits Belastungen.

München - Dank anziehender Geschäfte kommt Siemens mit kräftigem Schwung aus der Corona-Krise. Nach einem deutlichen Gewinnsprung von 0,7 Milliarden auf 2,4 Milliarden Euro im zweiten Geschäftsquartal erhöht der Konzern bereits zum zweiten Mal seine Prognose, wie er am Freitag mitteilte. Insbesondere das Geschäft mit der Automobilindustrie und dem Maschinenbau sowie die Softwareaktivitäten liefen im Betrachtungszeitraum von Januar bis März demnach gut, zudem gab es eine starke Nachfrage aus China.

Zum Gewinnsprung trug allerdings auch der Verkauf des Getriebeherstellers Flender bei. Den positiven Effekt beziffert Siemens auf rund 900 Millionen Euro vor Steuern. Das sei mehr als erwartet, sagte Konzernchef Roland Busch. Doch auch ohne diesen Effekt hätte sich ein sehr deutliches Plus ergeben.

"Die Industrie erholt sich weiter", sagte Busch, der von einem "herausragenden Quartal" sprach. Und auch im zweiten Halbjahr rechnet er mit einem positiven Momentum für sein Unternehmen. Daher erhöht Siemens seine Prognose deutlich: Am Ende des Geschäftsjahres soll nun ein Gewinn von 5,7 bis 6,2 Milliarden Euro stehen, das sind etwa 700 Millionen mehr als zuletzt angepeilt. Auch der Umsatz soll schneller wachsen.

Noch nicht berücksichtigt sind in der neuen Prognose aber Belastungen aus der Varian-Übernahme durch die Tochter Siemens Healthineers. Diese seien noch nicht genau genug zu beziffern, sagte Finanzchef Ralf P. Thomas. Siemens rechnet mit einem Effekt von etwa 300 bis 500 Millionen Euro nach Steuern.

Deutlich zugelegt hat im ersten Quartal auch der Umsatz, der um 6 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro stieg. Zudem profitierte Siemens noch von niedrigeren Reise- und Marketingkosten während der Corona-Pandemie. Dieser Effekt werde aber zurückgehen, hieß es. Zumindest konzernintern will Siemens auch nach Corona weiter bei Reisen sparen. Beim Kunden werde man aber zum persönlichen Kontakt zurückkehren, sagte Finanzchef Thomas.

Konzernchef Busch, der im Laufe des zweiten Geschäftsquartals auch nominell die Zügel bei Siemens übernommen hat, ist damit auf Kurs für ein starkes erstes Jahr: "Ich freue mich sehr, dass wir in all unseren Geschäften exzellente Ergebnisse liefern und profitabel wachsen", sagte er - "trotz anhaltender Unsicherheiten".

Zu diesen Unsicherheiten gehören auch Probleme bei der Versorgung mit Materialien und Teilen, die die Industrie derzeit weltweit belasten. Siemens sieht sich dabei bisher aber nur gering betroffen. Man arbeite "hart daran, die Risiken weiter zu verringern, die sich aus der Verknappung elektronischer Bauteile und Preissteigerungen in einigen Bereichen ergeben", sagte Busch.

Derzeit sieht der Siemens-Chef unter anderem bei Stahl, Kunststoffen und Frachtkapazitäten eine angespannte Situation. "Daher könnten sich in den kommenden Monaten in einzelnen Fällen Einschränkungen in der Produktion und verlängerte Lieferzeiten ergeben." Er sei aber zuversichtlich, dass die Lieferketten nicht abreißen.

Positive Effekte erwartet Busch dagegen durch die weltweiten staatlichen Wachstumsprogramme gegen die Folgen der Corona-Krise. Diese würden sich voraussichtlich aber nicht mehr im laufenden Geschäftsjahr, das im September endet, bemerkbar machen.

© dpa-infocom, dpa:210507-99-501950/3

 

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