Bayern Fast geschafft: Hochwasser-Scheitelwelle rollt an

In Straubing stand die Donau am Donnerstagvormittag bei einem Pegel von 5 Meter 30. Foto: Stefan Karl

Die nachlassenden Regenfälle haben in Ostbayern für Entspannung bei der Hochwasserlage gesorgt. Am Donnerstag und Freitag soll es in Bayern trocken bleiben. Das wirkt sich auch auf die Wasserstände der Flüsse aus. Der Bahnverkehr läuft nach Sperrungen wieder an. Dennoch bleiben die bisher aufgebauten Hochwasserschutzwände und die Gerätschaften weiter in Stellung.

Die Wasserstände der Donau werden nach Stoermers Angaben von Neuburg flussabwärts steigen. Grund sei die Flutwelle, die der Fluss mit sich führe und langsamer als bei anderen Flüssen ablaufe. Sie erreiche am Donnerstagabend Deggendorf, am Freitagmittag Passau. Die Fachleute vom Hochwassernachrichtendienst gehen davon aus, dass die Welle nicht zu größeren Überflutungen führen wird. Trotzdem wurden etwa am Kloster Weltenburg in Kelheim Hochwasserschutzwände aufgebaut.

Am Kloster Weltenburg laufen die Pumpen

"Alles in allem haben wir die Lage im Griff", erklärte Feuerwehr-Kommandant Bernhard Kleiner im Gespräch mit idowa. Der mobile Hochwasserschutz, der am Dienstagabend aufgebaut worden war, soll noch bis zum späten Freitagabend stehen bleiben. "Wir hatten über Nacht auch die Einsatzkräfte im Kloster vor Ort, die die Lage im Blick hatten und die Pumpen überwacht haben." Insgesamt vier Pumpen werden bei Hochwasser in den Kellern des Klosters aufgestellt, um zu verhindern, dass die Keller volllaufen.

Diese Pumpen laufen weiterhin. Die Scheitelwelle des Hochwassers wird im Lauf des Donnerstags erwartet, erklärt Kleiner. Am Donnerstagvormittag lag der Pegel auf der Donau bei 5 Meter 92: "Es steigt immer noch leicht, aber gegen Abend sollte die Scheitelwelle durch sein."

Der Abbau des mobilen Hochwasserschutzes ist für den Freitag geplant, "weil das Kloster natürlich möglichst schnell zum normalen Tourismus-Betrieb zurückkehren möchte." Auch hätten die Experten vom Wasserwirtschaftsamt nach der Scheitelwelle einen schnellen Abfall der Pegel angekündigt.

Entspannte Lage in Straubing und Umgebung

Hochwasserbedingte Einsätze sind im Zuständigkeitsbereich der ILS Straubing in der Nacht auf Donnerstag nicht aufgelaufen. Der Pegel der Donau bei Straubing stand am Donnerstagvormittag bei 5 Metern 30 - das entspricht Meldestufe 2. Einige landwirtschaftliche Flächen entlang der Donau wurden überflutet, ebenso kleinere Wege entlang der Donau wie die Promenade entlang des Herzogschlosses. Bis zum Abend könnte die Donau laut Prognose auf etwa 5 Meter 50 steigen.

Wegen des hohen Donau-Wasserstandes wurde der Betrieb der Fähre zwischen Mariaposching und Stephansposching am Mittwoch eingestellt. Nach Angaben des Landratsamtes sollte das Schiff auch am Donnerstag nicht fahren.

Das Ende des Dauerregens führe dazu, dass die Hochwasserwellen in den Flüssen ablaufen können, erklärte Joachim Stoermer vom Hochwassernachrichtendienst Bayern. Die Wasserstände von Flüssen wie Iller, Lech, Ammer und Loisach sinken. Das mancherorts über die Ufer getretene Flusswasser geht nach und nach zurück.

Auswirkungen auf die Tierwelt

Der viele Regen setzte auch der Tierwelt in Bayern zu. Nester von Vögeln, die am Boden brüten, seien überschwemmt worden, sagte Verena Auernhammer vom Landesbund für Vogelschutz. In den Wiesen um den Altmühlsee in Mittelfranken gebe es Nester, in denen das Wasser zehn Zentimeter hoch stehe. "Da geht mit Brüten nichts mehr", sagte Auernhammer. Die Gefahr sei nun, dass die Eier auskühlen - und die Brut letztlich stirbt. Wie groß der Schaden wirklich ist, werde nun untersucht. Betroffen seien zum Beispiel der Große Brachvogel, die Uferschnepfe und die Lerche, aber auch Arten, die etwa an Uferstreifen brüten.

Der anhaltende Dauerregen bereitete Autofahren an vielen Orten des Freistaats Probleme. Auf nasser Fahrbahn kam ein Mann mit seinem Wagen von der Autobahn 8 bei Elchingen (Landkreis Neu-Ulm) ab und überschlug sich mehrfach. Ein Hubschrauber brachte den schwer verletzten 28-Jährigen am Dienstag in ein Krankenhaus. Wegen Aquaplanings verlor eine 67-Jährige auf der A9 bei Gefrees (Landkreis Bayreuth) die Kontrolle über ihr Auto und schleuderte gegen eine Betonwand. Ihre Beifahrerin und sie wurden verletzt. Nahe Kulmbach rutschte nach einem kräftigen Regenschauer Schlamm, Holz und Geröll auf die Bundesstraße 289. Die Fahrbahn blieb für Aufräumarbeiten bis in den Dienstagabend gesperrt.

Die Deutsche Bahn hob alle Sperrungen in Bayern auf, die wegen der Unwetter der vergangenen Tage nötig waren. Bis Mittwochnachmittag könne es noch Verspätungen und einzelne Zugausfälle geben, sagte ein Sprecher in München. Dann sollten alle Züge wieder nach Plan fahren. Privatbahnen könnten auch alle Strecken der Deutschen Bahn wieder nutzen.

Einen möglichen Tornado beobachteten Menschen am Dienstag in Oberfranken. In sozialen Medien wurden Fotos geteilt, die aus Wirsberg im Landkreis Kulmbach stammen sollen. Smieskol vom DWD bezeichnete das Phänomen auf den Fotos als sogenannte Funnelcloud (Trichterwolke). "Im Nachhinein ist das in Anbetracht der Wettermodelle nicht von der Hand zu weisen", sagte der Fachmann. Sollte die Funnelcloud auch den Boden berührt haben, könne es ein schwacher Tornado gewesen sein.

Während es in den vergangenen Tagen nahezu im gesamten Freistaat regnete, schneite es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Der Schnee türmte sich laut DWD am Mittwochmorgen auf sechs Meter. Vor 20 Jahren, am 23. Mai 1999, sei zuletzt die Sechs-Meter-Marke gebrochen worden.

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