Regensburg Der Prozesstag vom 1. Oktober im Ticker

, aktualisiert am 13.06.2019 - 15:00 Uhr

Montag, 1. Oktober:

13.05 Uhr: Die Befragung ist beendet. Für heute ist die Verhandlung beendet. 

12.30 Uhr: Eine halbe Stunde Pause. Danach werden die Staatsanwältinnen noch ein paar Fragen an den Zeugen Keller stellen.

12.10 Uhr: Keller weiß nicht, was Volker Tretzel 2005 bewogen hat, dem Jahn zu spenden. Als er 2013 Geschäftsführer des Jahn wurde, sei Tretzel gesetzt gewesen. Nach der Inhaftierung habe Tretzel in den Jahn nicht mehr investieren wollen. Im Mai 2017 verkaufte Tretzel die Anteile an den Münchner Unternehmer Philipp Schober. Der Jahn habe sich dagegen gewehrt. Erfreulicherweise konnte Tretzel sein Rücktrittsrecht ausüben und kaufte den wesentlichen Teil der Anteile zurück. Der SSV Jahn konnte diese Anteile zurückkaufen. Der Verein habe sich das Geld geliehen. Schober hätte 3,25 Millionen Euro für die Anteile zahlen sollen.

11.55 Uhr: Er sei davon ausgegangen, sagt Keller, dass die Kapitalerhöhung mit Tretzel ausgemacht wäre. Er selbst sei damals, als der Jahn vor dem Abstieg stand, in einer angespannten Situation gewesen. Der Jahn sei mit dem umstrittenen Trainer Christian Brand in die Regionalliga gestartet. Es habe erfolgreich begonnen, dann kamen die Niederlagen. Das Verhältnis zwischen dem Trainer und den Gremien sei zerrüttet gewesen. Manchen sei er nicht mehr vermittelbar gewesen. Der Trainer sei freigestellt worden. Das wurde öffentlich bekannt. Er sollte aber noch zwei Spiele machen. Tretzel sei darüber nicht informiert worden. Das habe ihn verärgert. Auch, dass der Jahn nach außen nicht mit einer Stimme gesprochen habe. Es stand im Raum, dass Tretzel seine versprochene Kapitalerhöhung zurücknehmen werde. Deshalb hätten auch andere Personen auf ihn eingewirkt.

11.35 Uhr: Im September 2014 war der Jahn in der dritten Liga, abgeschlagen Letzter. Der Abstieg drohte. Das Stadionprojekt war in vollem Gang. Ein kritischer Zeitpunkt, sagt Keller. Auch angesichts des finanziellen Defizits. Auch Volker Tretzel sei wieder als Sponsor im Gespräch gewesen, sagt Keller. Aber mit einem deutlich niedrigeren Volumen als vier Millionen Euro. Er habe dann niedrig siebenstellig gezeichnet, und dazu gesagt, das müsse reichen, um nicht abzusteigen. Es sei eine Kapitalerhöhung von vier Millionen Euro im Gespräch gewesen. Damit hätte auch die Weiterentwicklung des Jahn gestärkt werden sollen. Wer diese Summe ins Spiel brachte, daran kann sich Keller nicht mehr erinnern.

11.30 Uhr: Geschäftsführer Keller sagt, Tretzel habe nicht erfreut darauf reagiert, wenn er wieder finanziell helfen sollte. Die Gespräche habe nicht immer er selbst geführt. Für eine LED Bande hat Volker Tretzel 300.000 Euro investiert, die der Jahn bezahlen musste. Es wird deutlich, dass Keller oft ein leeres Konto zu verwalten hatte. Er habe von Gesprächen zwischen Wolbergs und Tretzel gewusst, aber die Annahme, dass ein Zusammenhang mit der Vergabe von Baugrund bestehe, sei "komplett an den Haaren herbeigezogen". Mit niemandem habe er darüber gesprochen. Profifußball funktioniere nur, wenn die Politik und die Gesellschaft das wollen. Es sei weitsichtig gewesen, das neue Stadion zu bauen. Der weiche Standortfaktor Fußball bringe viel für die Gesellschaft. In Wolfsburg sei der Standort auf Profifußball ausgerichtet worden, um den Standort attraktiv zu gestalten. Profifußball sei eine enormer Werbefaktor für eine Stadt. Die Politik müsse deshalb ein Interesse haben, Sponsoren zu vermitteln. Wir brauchen Türöffner. Das habe ich auch intensiv genutzt.

11 Uhr: Der Geschäftsführer des SSV Jahn sagt jetzt aus. Der Jahn sei immer auf Kapital von außen angewiesen gewesen. Der Hauptsponsor war Volker Tretzel. Erst 2016 habe der Jahn kein Fremdkapital mehr gebraucht. Tretzel habe ihn immer darauf hingewiesen, sagt Keller, dass er den Jahn allein nicht finanzieren könne. Er solle weitere Sponsoren suchen. Treffen mit Tretzel hätten alle sechs bis acht Wochen stattgefunden. Nicht auf Initiative von Tretzel. Dieser habe sich nie in das operative Geschäft eingemischt. Tretzel habe zu ihm gesagt, er habe mit dem Standort Regensburg viel Geld verdient, er wolle der Stadt etwas zurückgeben. Zum Schluss habe Tretzel Anteile im Wert von rund 7,2 Millionen Euro gehabt. Insgesamt hat der Jahn ein Stammkapital von rund 8.400.000 Euro.

10.15 Uhr: Die Staatsanwaltschaft wird später zur Telefonüberwachung Stellung nehmen. Jetzt ist kurz Pause. Der Zeuge im Komplex SSV Jahn, Geschäftsführer Christian Keller, muss warten.

10 Uhr: Die Richterin stellt fest, dass alle vier Anwälte die Verwertung der Telefonmitschnitte als nicht rechtmäßig sehen.

9.30 Uhr: Anwalt Witting (Wolbergs) sagt, er habe bereits im Oktober 2017 die Telefonüberwachung kritisiert. Die Staatsanwaltschaft habe damals gesagt, alles sei korrekt verlaufen. Er zitiert eine Whats App Nachricht der Lebensgefährtin von Wolbergs, Gespräche mit seiner Familie, ein Telefonat mit Wolbergs' Lebensgefährtin und eine Nachricht der Anwältin. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit sei zu vermissen. Zu jedem Telekommunikationsereignis seien zudem Standortdaten erfasst worden. Auf 9.510 Seiten seien sämtliche Kommunikationsdaten erfasst worden, die ausschließlich der Standorterkennung dienten. Das sei als grob rechtswidrig einzuschätzen, weil das nicht vom Ziel der Maßnahme gedeckt sei.

9.25 Uhr: Heute sind die Besucherstühle größtenteils besetzt. Rechtsanwalt Haberl spricht immer noch über Telefonmitschnitte. Der Grundrechtseingriff ist so erheblich, sagt er, dass die Unverwertbarkeit der Mitschnitte unausweichlich ist. Jetzt spricht sich auch der Anwalt von Norbert Hartl, Tim Fischer, gegen die Verwertung der Telefonmitschnitte aus. Auch bei der Herrn Hartl seien Gespräche aufgenommen worden, die privaten Inhalt hatten oder Anwaltsgespräche betreffen. Diese hätten nicht aufgenommen werden dürfen, oder gelöscht werden müssen. Es werden eigene Gesundheitszustände, Arztbesuche und deren Diagnose genannt. Der Staatsanwaltschaft sei es nicht gelungen, Gespräche aus dem Kernbereich nicht zu löschen. Das sei rechtswidrig. Die Gespräche seien deshalb nicht verwendbar.

9 Uhr: Die vorsitzende Richterin Elke Escher eröffnet die Verhandlung. Alle Angeklagten und Anwälte sind anwesend. Rechtsanwalt Dr. Gunther Haberl des Angeklagten Franz W. spricht über Telefonmitschnitte. Es gebe Gespräche, bei denen zweifelhaft sei, ob sie zum Kernbereich (privat oder Anwaltsgespräche) gehören. Die Staatsanwältin habe von der Löschung abgeraten. Haberl liest jetzt Telefonmitschnitte und SMS-Nachrichten vor, die nicht hätten aufgezeichnet werden dürfen. Kontakte zwischen Franz W. und seinem Verteidiger seien exakt aufgezeichnet worden. Auch private Gespräche über eine schwere Erkrankung des Vaters könne in der Form eines Life-Tickers verfolgt werden.

 

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