Bayern Coronavirus: Zehn Tote in Würzburger Seniorenheim

An einer Tür zu einem Seniorenheim ist ein Schild angebracht, das von Besuchen abrät. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild Foto: dpa

Würzburg (dpa/lby) - Der Kampf gegen das Coronavirus in einer Würzburger Seniorenresidenz wird immer dramatischer. In dem Seniorenheim St. Nikolaus starb am Montag der inzwischen zehnte Patient nach einer Infektion mit dem neuartigen Erreger. Die Einrichtung ist seit Wochen ein Schwerpunkt bei Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Bayern.

Von 149 Heimbewohnern seien 29 weitere positiv getestet worden, sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) am Mittwoch. Er ist auch Vorsitzender des Stiftungsrates des Würzburger Bürgerspitals, zu dem die Einrichtung gehört. Von den 86 Mitarbeitern seien 33 positiv getestet. Angefragte Sanitäter der Bundeswehr stünden nicht als Aushilfen zur Verfügung, sagte Schuchardt.

Im gesamten Freistaat kamen bisher 41 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus ums Leben, wie Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) bei der Pressekonferenz sagte. 7289 Menschen sind bayernweit positiv getestet. Nachdem das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in den vergangenen Tagen geringere Fallzahlen pro Tag gemeldet hatte, stiegen sie am Dienstag wieder an. Am Samstag waren es 1026 Fälle gewesen, 569 am Sonntag und 536 am Montag. Am Dienstag ging die Zahl erneut auf 783 gemeldete Fälle in die Höhe.

Im besonders betroffenen Würzburger Altenheim werden seit Dienstag die gesamte Belegschaft sowie alle Heimbewohner getestet, wie Schuchardt sagte. Besonders bei Demenzkranken sei dies eine besondere Herausforderung. Dennoch habe man sich dazu entschlossen, um die Lage zu beruhigen und Klarheit zu erhalten. Bei den Toten von St. Nikolaus habe es sich allesamt um hochbetagte Patienten gehandelt, die teils erhebliche Erkrankungen aufgewiesen hätten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte das Vorgehen scharf. "Seit zwei Wochen ist klar, dass sich im Pflegeheim Würzburg eine Katastrophe abspielt. Es hat 14 Tage gebraucht, bis Stadt und Land einen Corona-Test für alle im Heim bereitstellen", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. "Jetzt muss Ministerpräsident (Markus) Söder in Würzburg endlich die Zügel in die Hand nehmen." Brysch betonte: "Es gilt, die Versorgung der Pflegebedürftigen und die Unterstützung der Pflegekräfte sicherzustellen. Würzburg darf sich anderswo nicht wiederholen."

Der Leiter des Würzburger Gesundheitsamtes, Johann Löw, wies auf die Problematik der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Tests hin. Der Test bringe zudem keine Sicherheit, weil die Infektion innerhalb der Inkubationszeit auch erst nach dem Abstrich eintreten könne und dann eine falsche Sicherheit suggeriert werde.

Noch keine Entscheidung ist den Angaben nach darüber getroffen worden, ob positiv auf das Coronavirus getestete Heimbewohner künftig anderweitig untergebracht werden sollen. In der Diskussion sei, sie in sukzessive leergezogenen Einrichtungen der Altenpflege unterzubringen. Eine andere Möglichkeit wäre, die negativ Getesteten dorthin zu bringen. Alle Alternativen hätten Schwachstellen.

Größtes Problem für den Umgang mit Bewohnern von Pflegeeinrichtungen wie auch mit Patienten in Krankenhäusern sei der Notstand beim Material, etwa Atemschutzmasken und Schutzkleidung, sagte der ärztliche Leiter des Universitätsklinikums Würzburg, Georg Ertl. "Wir kriegen zurzeit massenhaft Angebote aus China." Es sei für seine Klinik kaum zu prüfen, ob die Angebote seriös seien. Ertl begrüßte den Vorstoß der bayerischen Staatsregierung, die Materialbeschaffung zentral zu koordinieren.

Der Klinikchef sprach sich dafür aus, solange Deutschland noch freie Kapazitäten etwa bei Beatmungsplätzen habe, auch Patienten aus anderen europäischen Ländern aufzunehmen. Dies sei nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern bringe auch Expertise im Umgang mit der völlig neuen und unbekannten Erkrankung.

Ertl wies darauf hin, dass schwere Krankheitsverläufe nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht nur ältere Menschen mit Vorerkrankungen treffen könnten. In Würzburg würden derzeit vier Corona-Patienten auf der Intensivstation betreut, alle seien jünger als 60 Jahre. Am Nachmittag meldete das Würzburger Juliusspital einen Erfolg: Eine 79 Jahre alte Patientin, die seit einer Woche künstlich beatmet worden sei, habe vom Beatmungsgerät genommen werden können und atme nun wieder eigenständig. "So wie es aktuell aussieht, ist sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters über den Berg", sagte der Kardiologe Kilian Distler.

Unterdessen sind auch im Landkreis Fürth Corona-Fälle in Seniorenheimen bekannt geworden. Vier Bewohner aus einer Einrichtung in Roßtal seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort sei auch Pflegepersonal betroffen, teilte der Landkreis am Mittwoch mit. In einer weiteren Einrichtung in Langenzenn sei ein Heimbewohner positiv getestet worden.

 

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