Bayern Münchner Theaterensembles gegen Schließungen

München (dpa/lby) - Die künstlerischen Ensembles der großen Theater in München protestieren in einem offenen Brief gegen eine coronabedingte Schließung ihrer Häuser. "Kulturelle Veranstaltungen zu untersagen, halten wir für falsch. Sie ignorieren damit die Maßnahmen, die die bayerischen Theater seit Monaten einhalten, um einen Zuschauerbetrieb zu ermöglichen. Wir wollen spielen. Wir müssen spielen!", heißt es in dem Schreiben an die Staatsregierung und die Stadt München vom Mittwoch. Zuschauerräume seien durch Belüftung und Hygienekonzepte zudem sicherer, als viele andere Orte.

"Wir haben ein Recht auf Kunsträume. Auf die gesellschaftliche Lage kreativ zu reagieren und Denkanstöße anzubieten, ist unsere Kunst. Eine Kunst, die in diesen Zeiten Halt geben kann und muss", schreiben die Ensembles unter anderem an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). "Lassen Sie uns die Menschen in diesen schweren Zeiten weiterhin mit einem vielfältigen Kulturangebot versorgen - und sei es nur für die Dauer eines Abends." Die Theater hätten außerdem bewiesen, dass sie mit der derzeitigen Lage professionell und künstlerisch wertvoll umgehen könnten.

Der Münchner Opernintendant Nikolaus Bachler hält Theaterschließungen für ein falsches Signal. Für ihn sei das "die schlechteste Nachricht, die man sich vorstellen kann" und auch das Ensemble wolle weiter spielen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München. "Gerade in so schwierigen Zeiten sehnen sich viele Menschen geradezu nach Kunst, nach Musik, nach Literatur. Ich bin überzeugt, dass wir Kunstschaffende dazu beitragen können, die psychischen Auswirkungen der Pandemie zu bekämpfen!"

Bachler hofft, dass die Theater im Fall eines Lockdowns zumindest weiter proben können. "Alles andere käme einem Berufsverbot gleich." Künstlerisch sei ein Lockdown wohl zu verkraften, "wenn wir auch einen steinigen Weg vor uns haben werden". Die Krise sei immer auch eine Chance. Problematisch sei allerdings, dass dann die Einnahmen weiter wegbrechen. "Die Institutionen stehen weitgehend im Regen."

Unterzeichnet ist der Brief von den Ensembles des Residenztheaters, des Gärtnerplatztheaters, des Münchner Volkstheaters, der Münchner Kammerspiele und der Schauburg. Auch das Ensemble und die Solisten der Bayerischen Staatsoper beteiligen sich an dem Aufruf. Am Freitag hatten sich bereits die Intendanten zu Wort gemeldet und gegen die Obergrenze von 50 Zuschauern in bayerischen Corona-Hotspots protestiert.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse: