Bayern LKA: Höheres Risiko für Gewalt in der Familie im Jahr 2020

Ein Stofftier liegt vor einer Wand. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild/dpa

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie erhöhten Ausgangsbeschränkungen das Risiko für familiäre Gewalt. Dem Landeskriminalamt zufolge sind die Zahlen zwar nicht insgesamt massiv gestiegen, Auswirkungen gab es aber vor allem bei der psychischen Gewalt.

München (dpa/lby) - Im ersten Jahr der Corona-Pandemie sind in Bayern die Fälle häuslicher Gewalt angestiegen - jedoch nicht deutlich. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht des Landeskriminalamtes (LKA) hervor. Die Befürchtungen, dass Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zu einem deutlichen Anstieg häuslicher Gewalt führen könnten, hätten sich nach polizeilichen Erkenntnissen im Vergleich zum Vorjahr nicht bestätigt. "Die Trendlinien für 2019 und 2020 verlaufen annähernd gleich."

Jedoch hätten Opfer von Partnerschaftsgewalt im Jahr 2020 häufiger von leichten bis schweren körperlichen Übergriffen berichtet, vor allem aber von mehr psychischer Gewalt wie Drohungen, Demütigungen und Psycho-Terror. Der Anteil männlicher Tatverdächtiger sei in den untersuchten Fällen um zehn Prozentpunkte auf 90 Prozent gestiegen. Die Gewaltbereitschaft von Männern in Partnerschaften mit Kindern nahm 2020 im Vergleich zum Vorjahr damit sichtbar zu.

Grundsätzlich sei das Risiko für Gewalt gegen Frauen und Kinder während der pandemiebedingten Ausgangsbeschränkungen gestiegen, teilte das LKA mit und verwies auf eine Dunkelfeldstudie. Gründe dafür seien die unsichere Kinderbetreuung, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und damit einhergehende finanzielle Sorgen sowie der Verlust an außerfamiliären sozialen Kontakten gewesen. Mit Beginn der Lockerungen im Mai 2020 sei die Nachfrage bei Beratungsangeboten um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Eva Lettenbauer, forderte angesichts der Entwicklung einen Runden Tisch mit privaten, zivilgesellschaftlichen und staatlichen Vertretern, um die Prävention vor Gewalt gegen Frauen zu verankern: "Vor Gewalt schützen bedeutet, auch den Boden für Gewalt auszutrocknen: mit Bildung und Präventionsangeboten für die gesamte Gesellschaft." Die Zunahme besonders psychischer Gewalt in der Pandemie zeige, wie wichtig es sei, Schutzräume für Frauen bereitzuhalten. Lettenbauer forderte die Regierung auf, weitere 150 Frauenhausplätze schaffen.

Physische oder psychische Angriffe gegen den Partner oder die Partnerin seien in der Regel keine Einzelfälle, bilanziert die Kriminologische Forschungsgruppe des LKA. Häusliche Gewalt erstrecke sich zumeist über viele Jahre. Dabei seien die in den untersuchten Familien lebenden Kinder (Alter bis 14 Jahre) meist Zeugen der Gewalttaten. Dabei kommen die Forscher zu dem Ergebnis: Je jünger Kinder sind, die indirekt Gewalt erleben, desto gravierender können die physischen und psychischen Folgen für sie sein. Zudem steige für diese Kinder das Risiko, später selbst Opfer oder Täter zu werden.

Einen Fokus legte die LKA-Arbeitsgruppe auch auf den Anteil von Kindern (acht bis 13 Jahre), Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) an Straftaten - als Tatverdächtiger wie auch als Opfer.

Im Jahr 2020 sei mit 19,7 Prozent fast jeder fünfte Tatverdächtige ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender gewesen. Bei Jugendlichen und Heranwachsenden seien die Zahlen seit 2011 konstant rückläufig. Bei Kindern habe es zwar seit 2015 stetig einen leichten Anstieg gegeben, der sich aber 2020 nicht fortgesetzt habe.

Aufseiten der Opfer betrug der Anteil der Kinder, Jugendlichen und heranwachsenden 2020 der Auswertung nach 22 Prozent. Auch diese Zahlen sind seit tendenziell 2011 rückläufig, wobei sie bei Kindern leicht angestiegen seien.

© dpa-infocom, dpa:211229-99-532841/3

 
 
 

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