Bayern Landtagspräsidentin: Missbrauchsskandal unabhängig aufklären

Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags, spricht. Foto: Matthias Balk/dpa/dpa

Die Welle der Empörung nach dem Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München-Freising reißt nicht ab. Bayerns Landtagspräsidentin Aigner erwartet externe Aufklärung - nach einem klaren Grundsatz.

Die bayerische Landtagspräsidentin, Ilse Aigner, hat eine unabhängige Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im katholischen Erzbistum München und Freising gefordert. "Ich stelle mir die grundsätzliche Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, dass die Kirche intern die Aufklärung selbst bewerkstelligen kann", sagte Aigner der Deutschen Presse-Agentur.

"Das muss unabhängig aufgeklärt werden. In aller Deutlichkeit", betonte die CSU-Politikerin. "Dazu gehört natürlich auch ein Einblick in die Archive für die Strafverfolgungsbehörden des Staates."

Auch zu den Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch sieht Aigner Gesprächsbedarf: "Bei Mord gibt es keine Verjährungsfristen. Zu Recht. Und ich glaube, dass man sich auch hier über diese Frage unterhalten muss."

Ein vom Erzbistum selbst in Auftrag gegebenes Gutachten einer Anwaltskanzlei war zu dem Ergebnis gekommen, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren. Die Gutachter gehen von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern aus sowie einer deutlich größeren Dunkelziffer. Dem Bundesjustizministerium zufolge gibt es nach den Enthüllungen nun mehrere Dutzend Ermittlungsverfahren der Münchner Staatsanwaltschaft.

"Ich bin zutiefst erschüttert", sagte Aigner zum Ausmaß der Taten. "Es zieht die Glaubwürdigkeit der Kirche enorm in Zweifel, wenn solche Fälle nicht aufgeklärt werden und wenn durch Vertuschung erkennbar der Täterschutz vor dem Opferschutz steht."

Aigner erwartet Entschuldigung

Vom emeritierten Papst Benedikt erwartet Aigner eine Entschuldigung. Dass einige Gemeinden seiner Heimat die Ehrenbürgerwürde für ihn überprüfen wollen, könne sie verstehen. "So leid mir das persönlich tut", sagte Aigner "Wir alle waren damals hoch erfreut und stolz, als Benedikt unser Papst wurde. Jetzt ist die Situation tragisch - ich vermisse von ihm klare Worte, er sollte sich entschuldigen." Benedikt hatte eingeräumt, in einem wesentlichen Punkt des Gutachtens eine Falschaussage gemacht zu haben.

Die bisherigen Reaktionen der Verantwortlichen seien generell "noch sehr verhalten", bedauerte die Landtagspräsidentin. "Wahrscheinlich haben sich viele erhofft, dass das jetzt auch schnelle Konsequenzen mit sich bringt."

Die CSU-Politikerin fordert deshalb mehr Tempo beim kirchlichen Reformprozess des synodalen Wegs. "Das ist schädlich, dass dieser Weg so lang dauert: Die Hütte brennt, und das Feuerwehrauto bleibt stecken und kann nicht löschen."

Von den Bischöfen erwartet die Chefin des größten CSU-Bezirksverbands Oberbayern mehr Reformbereitschaft. "Ich bin der festen Überzeugung: Wenn Deutschland zügig notwendige Reformen anstößt, wird sich auch Rom auf Dauer nicht verschließen können." Aigner sagte aber auch: "Ich habe mit allen bayerischen Bischöfen gesprochen und sehr unterschiedliche Sichtweisen erlebt: von sehr großer Aufgeschlossenheit für Reformen bis hin zum Abschotten in der eigenen Welt."

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