"Keine Zweifel entstehen lassen"

Staatsregierung gegen Aufweichung des Euro-Stabilitätspakts


Wegen Corona hat die EU den Stabilitätspakt vorübergehend ausgesetzt. Nun überlegt man in Brüssel, ihn generell zu lockern. (Symbolbild)

Wegen Corona hat die EU den Stabilitätspakt vorübergehend ausgesetzt. Nun überlegt man in Brüssel, ihn generell zu lockern. (Symbolbild)

Von mit Material der dpa

Die Staatsregierung macht Front gegen Brüsseler Überlegungen zur Aufweichung des Euro-Stabilitätspakts. Finanzminister Albert Füracker und Europaministerin Melanie Huml äußern sich in Briefen an die EU-Kommission und an Finanzminister Christian Lindner (FDP) besorgt, dass der Anstieg der europäischen Staatsverschuldung sich noch beschleunigen könnte.

Im Zuge der Pandemiebekämpfung sei die bereits zuvor sehr hohe öffentliche Verschuldung im Euroraum auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung angestiegen, heißt es in dem Brief der beiden CSU-Politiker an Lindner. "Ein Zurückfahren der Haushaltsdefizite und ein Abbau der übermäßigen Schuldenlasten sind daher zwingend erforderlich, um keinen Zweifel an der Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte in der Währungsunion entstehen zu lassen."

Der Stabilitätspakt ist wegen der Corona-Krise derzeit ausgesetzt. Die Regeln schreiben den Euro-Staaten eigentlich vor, dass ihre Verschuldung nicht höher als sechzig Prozent der Wirtschaftsleistung sein soll - eine Quote, die viele EU-Staaten überschreiten. EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni plädierte kürzlich dafür, die Schuldentilgung für jedes Land individuell zu regeln. "Die Fortsetzung eines finanzpolitischen Laisser-faire auch nach dieser akuten Notsituation führt uns aber unweigerlich in die nächste Krise", warnen dagegen Füracker und Huml.

Füracker fürchtet Nachteile für Bayerns Wirtschaft

Abgesehen vom Euro ist Füracker auch besorgt, dass EU-Pläne für ein nachhaltiges Finanzwesen zu Kreditklemmen für Mittelstand führen könnten. "Wir müssen verhindern, dass diese für den Freistaat elementar wichtigen Unternehmen spürbare Nachteile erleiden", sagte Füracker. "Einschränkungen bei den Finanzierungsmöglichkeiten und unverhältnismäßige Bürokratie verhindern Investitionen, vernichten Arbeitsplätze und müssen deshalb unbedingt vermieden werden."

"Nachhaltig" in der Finanzbranche bedeutet, dass es Kredite und Investitionen nur noch für klimaverträgliche Zwecke geben soll. Bei den Skeptikern löst das Befürchtungen aus, dass politische Vorgaben für den Finanzsektor mit neuerlichen bürokratischen Dokumentationspflichten verbunden wären und auf die Realwirtschaft negativ durchschlagen würden.