Bayern Kirchen gedenken der Toten im Mittelmeer

Kardinal Marx und EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm. Foto: Felix Hörhager/dpa/Archivbild Foto: dpa

München - Bei einem ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom haben Deutschlands oberste Kirchenmänner der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge gedacht. Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderten am Samstag, dass an den Grenzen zu Europa keine Flüchtlinge mehr sterben dürften. Zuvor hatten Migranten die Namen von Männern, Frauen und Kindern vorgetragen, die bei der Fahrt über das Mittelmeer gestorben sind.

Vier weitere Forderungen richtete Marx im Namen beider Kirchen an die Politik: Dass Flüchtlinge an der Grenze menschenwürdig behandelt würden, in Deutschland ein faires Asylverfahren bekämen, nicht in Länder zurückgeschickt würden, in denen Krieg herrsche und Verfolgung drohe, und dass die Fluchtursachen intensiver bekämpft würden.

In den Herkunftsländern der Flüchtlinge herrschten Gewalt, Willkür, Hunger und Zwangsprostitution, sagte Bedford-Strohm. Es sei die Verzweiflung, die die Menschen auf die Boote treibe. "Weil sie nichts mehr zu verlieren haben." Zudem seien sie Schlepperbanden ausgeliefert.

Nach dem Gottesdienst, den auch der griechisch-orthodoxe Bischof Vasilios von Aristi mitfeierte, sagte Marx, es sei ein Skandal, dass an den Grenzen zu Europa Menschen umkämen. "Es muss gehandelt werden." Bedford-Strohm kritisierte, dass die staatliche Seenotrettung eingestellt worden sei. "Das kann nicht sein." Die Kirchen unterstützten die zivile Seenotrettung.

Mitwirkende trugen im Dom Klage- und Totenlieder sowie Gebete unterschiedlicher Religionen vor. Auf den Stufen vor dem Altar lag ein hölzerner Kahn, der die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer symbolisierte. Bereits am Vormittag hatten Seenotrettungsvereine eine Mahnwache abgehalten.

 

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