Bayern Go High Tream, der Bauwagen-Cro aus Büchelkühn

, aktualisiert am 24.07.2022 - 17:30 Uhr
Tream ist am 23. Juli in Cham aufgetreten. Foto: Johannes Bscheid

Tream nennt sich selbst „Deutschlands erster Schlagerrapper“, seine Songs wie "Lebenslang", "Erstens ich bin besoffen" oder "Hinters Bierzelt" werden auf Spotify Millionen-fach gestreamt. "3er BMW" ist die bayerische Tiktok-Hymne schlechthin. Am Samstag, 23. Juli, ist er im MIA Nightclub in Cham aufgetreten. Das Konzert war laut dem Veranstalter "eine der erfolgreichsten Veranstaltungen in unserem Club. Selten haben wir einen derart großen Hype um ein Event erlebt."

Tream schreibt, singt und produziert selbst, hängt in Berlin mit Hit-Producern wie Miksu & Macloud oder HBz ab. Kein Wunder, dass er keine Zeit für ein Interview hat. Aber das soll uns nicht davon abhalten, unseren Lesern zu erklären, was es mit dem Hype um Timo Grabinger, 23, aus Büchelkühn (Landkreis Schwandorf) auf sich hat.

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Die meisten kennen Tream wohl von Tiktok oder Instagram - oder haben seine Songs vielleicht bei einem Weißbier-Besäufnis aus dem Makita-Radio im Bauwagen gehört. In Grabingers Songs geht’s nämlich meistens um’s Saufen. Manchmal auch um die lieben Frauen, meistens aber um’s Bier. Das ist schade, denn eigentlich hätte er mehr drauf. Aber dazu später.

Weißbier-Hooks und geklaute Synthie-Lines

Nachdem uns Facebook und Instagram das Stammtischwitz-Triumvirat Addnfahrer, Bobbe und Fonsi Doppelhammer gebracht haben, geht jetzt also dank Tiktok der nächste Bayer high. Aber was kann er denn nun, unser Bauwagen-Cro der Herzen?

Grabinger verheiratet Weißbier-Hooks und Synthie-Lines, ungeniert geklaut aus 80er Hits, zu einer Dorfparty-Hymne nach der nächsten. Mal rumpeln Goa-Beats zwischenrein wie ein altersschwacher Traktor, mal nuschelt er bairisch ins Mikro wie Falco ins Ohr seiner Jeanny.

Treams Songs sind der Soundtrack zum besoffen Mofa fahren, zum etwas zu feucht hinterm Bierzelt knutschen und zum Dosenbier durch den Trichter ziehen, um es anschließend wieder auf dem Feldweg zu verteilen.

Ein Gespür für Ohrwürmer und Song-Arrangement hat Tream zweifelsohne: Diese Songs bleiben im Kopf, ob man nun will oder nicht.

Wegen Copyright-Strikes bleiben manche halt nur nicht lange auf den Streaming-Plattformen.

Aber "fuck it", singt er, "ich mach' paar Tausend auf Spotify, obwohl die Scheiße nur geklaut ist" - über einem Beat, den man auch schon mal irgendwo gehört hat.

Zwischen Tream-Mania und Partyhit-Tretmühle

Eher unfreiwillig geriet zuletzt unser Reporter auf der Landshuter Dult in jenen ekstatischen Abriss, welcher Treams Auftritt in der Festhalle Schmidt war. Sein Fazit: So viele glückliche Gesichter sieht man selten. Und: Jessas, man wird alt.

Man hört, dass dort auch 15-jährige Mädchen nach 22 Uhr im Zelt gewesen sein sollen, um ihrem Idol zu huldigen. Sittenverfall! Skandal! Timo Grabinger, der fünfte Beatle aus Büchelkühn? Wer weiß. Tream-Mania? Auf jeden Fall.

Die Mania setzt ihm mittlerweile zu, wie er in Instagram-Storys erzählt. Der Hype, das Weißbier, jeden Tag produzieren, zuletzt fast jede Woche ein neuer Song. Wie weit lässt er sich auf das Partyhit-Business ein?

Im Onetz-Podcast erzählt er vom Meeting mit HBz in Berlin. Wenn man mit den Großen spielen will, schreibt ein professionelles Autoren-Team an den Songtexten mit, das vom oberpfälzischen Feldweg, dem natürlichen Habitat des Tream-Fans, keine Ahnung hat. Preissn eben.

Da habe er gleich gesagt, erzählt Grabinger: Nein, danke, das mach' ich schon selbst. "Ich will das unterschreiben können, was ich singe."

Tream, das ist ein Familien-Business

Mehr Tream-Mania wie in Landshut? „Ich brauch das eigentlich gar nicht, dass die Leute meinen Namen schreien oder ausflippen.“ Ein paar Mal werde er seine Musik noch live präsentieren, aber mehr auch nicht.

Geerdet wirkt er nämlich durchaus, der Hoteliers-Sohn. Seine Koch-Lehre hat er zu Ende gemacht, sogar ein Image-Video für seine Schule gedreht. Die Anfragen von Universal und Sony habe er an seinen Vater Reinhard abgedrückt, weil er darauf nicht viel gebe. Seine Stiefmutter managt die E-Mails, sein kleiner Bruder dreht seine Musikvideos.

Vom Papa hat der Wirtsbua wohl auch einen gehörigen Teil seines Talents - immerhin sang der schon bei der Band "Weißblaue Freiheit" und spielt Akkordeon. Zu ihm, erzählt Tream im Podcast, habe er eine „sehr, sehr starke Beziehung".

Das Diffus-Magazin schreibt zwar über seine Texte: „Was inhaltliches Niveau angeht, versucht man hier nicht mal die Messlatte zu erreichen, sondern stolpert in angesoffener Limbo-Manier darunter hindurch.“

Und ja, lustig machen kann man sich über Tream natürlich leicht. Wenn er sich, auf einer erhobenen Bulldog-Schaufel stehend, ein Weißbier übers Haupt schüttet. Oder wenn im Musikvideo zu "Erstens ich bin besoffen" zwei Kumpels mit dreckigen Socken ein Pärchen beim Geschlechtsakt simulieren müssen, weil wohl keine Frauen zum Dreh gekommen sind. Grabinger ist's egal.

Dass Timo Grabinger aber mehr kann als nur Gröhl-Hits und Weißbier-Werbung, merkt man etwa bei "Fankerl", einem Lagerfeuer-Lied mit Papa Reinhard am Akkordeon, oder "Vül z'oft", beides auf Bairisch. Die Fans feiern's und kommentieren etwa: "ohne scheiß, mach mehr mit Dialekt, das steht dir noch mehr, nix verstellt, alles real".

Dass Tream real bleibt, darüber braucht man sich wohl keine Sorgen machen.

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