Bayern Flutpolder-Bau: Umweltminister will Betroffene treffen

Bauarbeiten am Flutpolder Sand-Entau. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa

Starkregen und Hochwasser sorgen immer öfter für massive Zerstörungen und kosten Menschenleben. Flutpolder entlang der Donau zwischen Schwaben und Niederbayern sollen den Hochwasserschutz deutlich verbessern. Der Umweltminister will sich vor Ort ein Bild machen.

München/Regensburg (dpa/lby) - In der Diskussion über den Bau von Flutpoldern entlang der Donau in der Oberpfalz zeichnen sich die nächsten Schritte ab. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) besucht voraussichtlich im März vier Betroffene, deren Anwesen innerhalb der geplanten Polderflächen liegen. Das kündigte der Minister am Mittwoch bei einem Gespräch mit Kommunalpolitikern sowie Vertretern von Behörden und Interessengemeinschaft an.

Flutpolder sind Rückhaltebecken, die im Fall eines drohenden Hochwassers geflutet werden und so erhebliche Wassermassen aus den Flüssen nehmen. Somit können in flussabwärts liegenden Regionen Überschwemmungen verhindert oder abgemildert werden.

Josef Feuchtgruber vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg sagte, es seien glücklicherweise wenige Anwesen direkt betroffen, diese dafür umso mehr: Zwei müssten für den Polderbau wohl "entsiedelt" werden.

Glauber unterstrich laut seinem Sprecher bei dem Gespräch zudem, dass der mögliche Flutpolder-Standort Eltheim vom Tisch sei. Statt der beiden Standorte Eltheim und Wörthhof soll es nach seinen Worten die gemeinsame Variante Wörthhof-groß geben. "Ich setze darauf, jetzt gemeinsam mit der Region den geplanten Standort Wörthhof-groß zu realisieren. Von dem verbesserten Schutz werden auch die Menschen in der Region profitieren."

Das Kabinett hatte im Sommer 2021 den Bau der umstrittenen Flutpolder zum Hochwasserschutz an der Donau beschlossen. Eine Studie des Landesamtes für Umwelt (LfU) hatte zuvor die Wirksamkeit von Poldern an den Standorten Eltheim und Wörthhof im Landkreis Regensburg sowie Bertoldsheim im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bestätigt und als alternativlos beim Hochwasserschutz eingeschätzt.

Mit sieben weiteren Standorten für gesteuerte Flutpolder soll an der Donau eine Polderkette entstehen, die bei extremen Hochwassern den Angaben nach rund 120 000 Menschen besser schützen würde. Nach dem Gespräch mit den Anliegern könnte das Raumordnungsverfahren für den Polderbau eingeleitet werden, so der Ministeriumssprecher. Baubeginn in Wörthhof könnte frühestens 2031 sein, in Bertoldsheim 2032. Bei dem Projekt sollen Transparenz und Bürgerbeteiligung weiterhin eine große Rolle spielen.

Der geplante Bau hatte im vergangenen Jahr für teilweise hitzige Auseinandersetzungen gesorgt. Gegner der Baumaßnahmen - darunter Kommunalpolitiker und Anwohner - fürchten unter anderem negative Auswirkungen für Wälder und Felder. Glauber sicherte schon damals Landwirten, deren Äcker und Wiesen im Bereich der Polder liegen, eine 100-prozentige Entschädigung für Ernteausfälle zu, falls die Polder geflutet werden. Zudem sollen sie eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Prozent ihres Grundstückswertes bekommen.

Glauber teilte mit, für Katastrophen-Hochwasser spiele die geplante Polderkette eine herausragende Rolle. Die gesteuerten Flutpolder seien in Zeiten des Klimawandels eine Lebensversicherung für die Menschen und die Wirtschaft entlang der Donau. "Es gilt das Solidarprinzip von Schwaben bis nach Niederbayern."

Gerade Niederbayern sei seit vielen Jahren ein Schwerpunkt für den Bau von Hochwasserschutzmaßnahmen, sagte ein Ministeriumssprecher. Ein Beispiel hierfür ist aktuell der Bau des Polders Sand-Entau bei Straubing. Dabei handele es sich zwar nicht um einen gesteuerten Polder, der gezielt geflutet werden kann, sondern um einen natürlichen Rückhalteraum. Aber auch dieser soll donauabwärts liegende Regionen im Hochwasserfall schützen.

In den kommenden zehn Jahren will der Freistaat laut Glauber weitere zwei Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investieren.

© dpa-infocom, dpa:220216-99-155821/3

 
 
 

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