Regensburg Bayern-Ei-Prozess: Waren es die Spaghetti Carbonara?

Die Verhandlung vor dem Landgericht Regensburg im Bayern-Ei-Prozess konnte am Dienstag erst mit Verspätung beginnen. Der Grund: der Zeuge war zunächst versehentlich nach Straubing gefahren. (Symbolbild) Foto: dpa

Stammten die Eier, die bei mehr als 180 Menschen eine Salmonellen-Infektion ausgelöst haben sollen, tatsächlich von der Firma Bayern-Ei? Haben diese Eier den Tod eines 94-Jährigen verschuldet? Der Nachweis ist schwierig, wie Expertenaussagen deutlich machen.

Mit der Aussage einer Mikrobiologin aus Wien ist der Prozess um die niederbayerische Firma Bayern-Ei fortgesetzt worden. In dem Salmonellen-Skandal im Jahr 2014 sollen laut Anklage mehr als 180 Menschen aus Deutschland, Österreich und Frankreich erkrankt sein, 40 der Fälle werden vor Gericht verhandelt. Ein 94-jähriger Österreicher soll nach dem Verzehr von Bayern-Ei-Ware gestorben sein. Die Expertin gab Auskunft über mikrobiologische Untersuchungen und welche Rückschlüsse daraus gezogen werden können.

Zwischen Herbst 2013 und Sommer 2014 sei in Österreich ein bestimmter, seltener Salmonellen-Typus gehäuft aufgetreten. Die Erkrankten waren hauptsächlich Bewohner dreier Pflegeheime sowie Bezieher von Essen auf Rädern eines Sozialdienstes. Fachleute prüften daraufhin die Speisepläne an bestimmten Stichtagen. So seien an einem Tag Eieromelette, Spaghetti Carbonara, Putenrolle mit Semmelknödeln und Schokomousse zur Auswahl gestanden. Demnach war das Risiko einer Salmonellen-Infektion bei Personen, die Spaghetti Carbonara gegessen hatten, größer als bei den anderen. Die Soße sei mit Eidotter zubereitet worden.

Derlei Untersuchungen hätten jedoch viel mit Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten zu tun. Ein Beweis wäre, wenn in einer Speise der Erreger gefunden würde, was aber oft nicht möglich sei, weil die Speisen nicht mehr vorhanden seien. Zudem, so sagte die Medizinerin: "Kreuzkontaminationen kann man weder nachweisen noch ausschließen."

Der Ex-Geschäftsführer der Firma Bayern-Ei muss sich seit Ende September unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge, gewerbsmäßigen Betrugs sowie lebensmittel- und tierschutzrechtlicher Verstöße verantworten. Er weist die Vorwürfe zurück. Die Legehennen-Anlage in Aiterhofen ist inzwischen abgerissen worden. Die Ermittler werfen dem Geschäftsmann vor, im Jahr 2014 die Auslieferung von Eiern mit der Kennzeichnung Güteklasse A veranlasst zu haben, obwohl in den Produktionsstätten Salmonellen nachgewiesen worden waren.

Strittig ist in dem Prozess insbesondere die Frage, ob die Infektion und somit der Tod des Seniors - der Essen auf Rädern bezogen hatte - tatsächlich auf salmonellenbelastete Eier der Firma Bayern-Ei zurückzuführen ist. Verkompliziert wird diese Frage dadurch, dass der Mann zweimal nacheinander mit einer Salmonellen-Infektion in ein Krankenhaus kam und offen war, ob die zweite Infektion des Mannes auf die erste kurz zuvor zurückzuführen ist oder ob es sich um eine Neuinfektion handelte. Dann könnte zwar die erste Infektion durch die Bayern-Ei-Eier im Essen auf Rädern ausgelöst worden sein, die zweite Infektion - nach der der Senior starb - eine andere Ursache haben.

Der Verhandlungstag hatte mit Verspätung begonnen - weil der am Morgen geladene Zeuge versehentlich nach Straubing gefahren war. In Aiterhofen nahe der niederbayerischen Stadt hatte die Firma Bayern-Ei ihren Sitz. Der aus dem Schwarzwald kommende Zeuge arbeitet als Unternehmensberater in der Lebensmittelbranche und war als Risikomanager für Bayern-Ei tätig. Seine Aufgabe sei unter anderem das Erstellen einer Risikomatrix gewesen, in der mögliche Risiken und der Umgang mit diesen erarbeitet wurden, sagte er. Von den Krankheitsfällen habe er damals nichts gewusst, sagte der Mann.

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