Bayern Heim in Augsburg geschlossen: Qualitätsoffensive

Klaus Holetschek, bayerischer Gesundheitsminister (CSU). Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild/dpa

Nach monatelanger Kritik ist ein umstrittenes Pflegeheim in Augsburg nun geschlossen. Der Gesundheitsminister will Lehren aus dem Fall ziehen - und kündigt eine Offensive zur Verbesserung der Qualität in der Pflege an.

München (dpa/lby) - Nach der Schließung eines Pflegeheimes in Augsburg - unter anderem wegen Mängeln in der Betreuung - startet Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) eine Offensive zur Verbesserung des Schutzes der Bewohnerinnen und Bewohner solcher Einrichtungen. "Die Menschen in Bayern müssen darauf vertrauen können, dass die Pflege und Betreuung in allen bayerischen Pflegeheimen gut und angemessen gewährleistet wird", betonte Holetschek in München. "Die jüngsten Vorwürfe gegenüber einem Pflegeheim in Augsburg zeigen aber, dass wir uns die Strukturen und Kontrollen genau ansehen und handeln müssen."

Die Stadt Augsburg hatte am Samstag bekanntgegeben, dass wegen schwerer Mängel in die Schlagzeilen geratene Pflegeheim Ebnerstraße geschlossen zu haben. Alle 86 Bewohnerinnen und Bewohner seien verlegt, Fachkräfte seien nicht mehr vor Ort. "Die Schließung des Hauses ist endgültig und wurde der Heimleitung von der Heimaufsicht mitgeteilt", teilte die Stadtverwaltung mit. "Damit ist in dieser Einrichtung und unter dieser Leitung keine Pflegetätigkeit mehr möglich", erklärte Gesundheitsreferent Reiner Erben.

Zuletzt hatte es in der Einrichtung ein größeres Corona-Ausbruchsgeschehen gegeben. Mehr als die Hälfte der Bewohner und der Pflegekräfte waren positiv getestet worden. In dem Pflegeheim waren seit längerer Zeit Pflegemängel aufgetreten. Die Einrichtung hatte nach Darstellung der Stadt Augsburg seit Anfang vergangenen Jahres unter engmaschiger Beobachtung gestanden.

Holetschek kündigte an, es solle für die Zukunft unter anderem eine "Pflege-SOS-Anlaufstelle" für das Melden von Missständen geschaffen werden. Bei Mängeln soll es schnelle Sofortmaßnahmen geben. Noch in diesem Frühjahr solle ein Expertengespräch zur Qualität der Pflege stattfinden. Ein externes Expertengutachten soll die Strukturen in der bayerischen Pflege beleuchten und gegebenenfalls Schwachstellen identifizieren.

Wenn sich Vorwürfe bestätigten, müsse das klare Konsequenzen haben. Im Augsburger Fall habe sich die örtliche Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) daher mit dem Ministerium, der Regierung von Schwaben und dem Medizinischen Dienst Bayern sowie der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern über notwendige Maßnahmen beraten. Am kommenden Dienstag werde das Ministerium dem Gesundheitsausschuss des Landtags zu den Vorgängen in Augsburg berichten.

© dpa-infocom, dpa:220220-99-213034/3

 
 
 

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