Bayern Bayern will Wasserstoff-Technologie ausbauen

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (r.) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger geben eine Pressekonferenz im Energie Campus Nürnberg. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa

Nürnberg (dpa/lby) - Mit einem neu gegründeten Wasserstoff-Zentrum und einem "Wasserstoffbündnis" mit der Wirtschaft will Bayern die klimaschonende Technologie voranbringen. Ziel sei es, Wasserstoff aus der wissenschaftlichen Forschung in eine breite Praxisanwendung zu überführen, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag auf dem Energie Campus Nürnberg, in dem das Zentrum angesiedelt ist. Wasserstoff werde eine tragende Rolle bei der Bewältigung der Energie- und Mobilitätswende spielen.

In dem Wasserstoffbündnis schlossen sich das Helmholtz-Institut für erneuerbare Energien Erlangen-Nürnberg und mehr als ein Dutzend Unternehmen aus der Automobil- und der Energiebranche zusammen, darunter Audi, BMW, die Lkw- und Bussparte von MAN, Bosch, Schaeffler, Siemens, Linde und der Energieversorger Bayernwerk. Es ist offen für weitere Partner.

Für das "H2.B Zentrum Wasserstoff Bayern" stellt der Freistaat laut Söder zunächst eine Anschubfinanzierung von zehn Millionen Euro zur Verfügung. Zunächst werden den Angaben zufolge vier Mitarbeiter beschäftigt. Die fachliche Führung übernehmen zwei Professoren der Erlanger Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU), die Volkswirtin Veronika Grimm und der Chemiker Peter Wasserscheid, der zugleich Direktor des Helmholtz-Instituts ist.

Söder nannte die Gründung des Zentrums einen "Zukunftssprung für eine saubere Technologie mit unermesslichem Potenzial" und ein "Leuchtturmprojekt". Bayern solle zum führenden Standort bei der industriellen Fertigung der Wasserstoffschlüsseltechnologien wie Speichermedien und Brennstoffzellen werden. "Wasserstoff ist eine große Chance, um in Zukunft Kohlendioxid massiv zu reduzieren und um einen Exportschlager für bayerische High-Tech-Produkte zu entwickeln", sagte Söder.

Mit dem Geld will Bayern auch den Bau von Wasserstofftankstellen fördern. Bis 2023 soll es davon 100 im Freistaat geben, wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) erklärte. "Wir wollen, dass in den nächsten Jahren Wasserstoffautos in Bayern vom Band rollen und nicht in Asien", gab er als Ziel aus. Insbesondere für bisher mit Diesel angetriebene Lkws, Busse, Züge und Schiffe könne ein wasserstoffbasierter Antrieb die Lösung sein, um im Jahr 2030 die Klimaziele der EU zu erfüllen.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) betonte, im Raum Erlangen-Nürnberg arbeiteten hochkarätige und ausgewiesene Experten zum Thema Wasserstoff. Insbesondere die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sei ein entscheidender Akteur für eine zukunftsträchtige bayerische Wasserstoffstrategie.

Der Wirtschaftsreferent Nürnbergs Michael Fraas sagte, die Bündelung der Wasserstoff-Kompetenzen Bayerns in der Metropolregion sei für den Automobilzulieferer-Standort von erheblicher Bedeutung. Jeder zehnte Beschäftigte der deutschen Automobilindustrie arbeite hier.

Wasserstoff kann aus Wasser mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen und in Brennstoffzellen genutzt werden. Dabei werden das klimaschädliche Kohlendioxid und andere Schadstoffe komplett vermieden. Allerdings konnte der sehr reaktionsfreudige Stoff bisher nur bei hohem Druck oder tiefen Temperaturen gelagert werden. Inzwischen kann Wasserstoff nach Meinung von Experten aber zum Beispiel gebunden an einen Trägerstoff wie herkömmlicher Treibstoff transportiert und gelagert werden.

Der Energie Campus Nürnberg ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut zur Schaffung von Technologien für eine nachhaltige Versorgung mit erneuerbaren Energien.

 

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