Bayern Auch Turmuhren gehen mit der Zeit: Kaum Umstellung per Hand

Wenn man von der Arbeit heimkommt und es schon dunkel ist, merkt man: Es war wieder Zeitumstellung. Selbst Hand anlegen muss man bei vielen Geräten aber nicht mehr. Und auch für Turmuhr-Experten ist es dank moderner Technik bequemer geworden.

Coburg/Regensburg (dpa/lby) - Bei modernen Geräten muss man am Sonntag, wenn die Zeit um eine Stunde zurückgestellt wird, nicht mehr aktiv werden - und auch die allermeisten Turmuhren in Schulen, Rathäusern oder Kirchen vollziehen die Zeitumstellung heutzutage vollautomatisch. Nur noch geschätzt zwei Prozent seien mechanische Großuhren, die man meistens noch mit der Hand umstellen müsse, sagte Sören Draack, Geschäftsführer der Regensburger Turmuhrenfabrik Georg Rauscher.

"Am Sonntag gehe ich davon aus, dass alles automatisch funktioniert", sagte auch Stefan Stahl, Obermeister der Uhrmacherinnung Oberfranken und als Turmuhrexperte zuständig für viele Großuhren in der Region.

Als in den 1980er-Jahren in Deutschland die Sommerzeit eingeführt wurde, gab es auch für Turmuhren schon die Technik für automatische Umstellungen. Vor allem in den 1990er-Jahren seien viele Turmuhren umgerüstet worden, sagte Stahl. Auch seitdem sei die Technik noch mal deutlich moderner geworden, oft ließen sich die Großuhren heute per Touchdisplay steuern.

Früher habe man noch öfter aktiv werden müssen, sagte Stahl. "Aber das haben wir nicht nachts gemacht." Man sei am Sonntagmorgen losgefahren und habe die Uhren umgestellt: per Hand, an einer Welle innen im Turm. Eine Stunde den Zeiger festzuhalten, hätte zu lange gedauert, ihn rückwärts zu drehen, hätte das Schlagwerk beschädigt. Daher stellte man die Uhr vor.

Auch funkgesteuerte Uhren werden heutzutage um 11 Stunden vorgestellt - oder um 23 Stunden, wenn das Glockengeläut mit über die Uhr gesteuert wird. Ansonsten würde es um Mitternacht Mittag schlagen und abends zur Frühmesse geläutet werden.

Laut Sören Draack sind heutzutage rund 70 Prozent der Uhren in den Türmen funkgesteuert. Dazu kämen viele Hybridmodelle - sogenannte Pendelhauptuhren - bei denen eine kleinere Uhr in der Sakristei die große oben im Turm ansteuert. Der Regensburger Betrieb baut in der vierten Generation Turmuhren und hat diese schon bis nach Libyen, Saudi Arabien oder Tonga geliefert.

Am Sonntag werde er möglichst früh aufstehen, sich ins Auto setzen und nachschauen, ob die Turmuhren im Raum Regensburg umgestellt hätten, sagte Draack. "Wir haben wenige Störungen. Aber wenn was ist, sprinte ich auch mal in die Sakristei." Technische Defekte rührten meist daher, dass jemand die Antenne der Funkuhren verdreht habe. Diese empfangen das Signal von einem Sender bei Aschaffenburg, der wiederum die Zeit der Atomuhr in Braunschweig weitergibt.

Eine kleine Erinnerung an frühere Aufgaben gibt es bei der diesjährigen Zeitumstellung aber für beide Turmuhrexperten: Draack stellt eine mechanische Schauuhr im Regensburger Donau-Einkaufszentrum um, Stahl ein Modell im Schaufenster seines Geschäfts in Coburg.

© dpa-infocom, dpa:211028-99-775489/2

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading