Bauernproteste Handelsverband: Die Macht liegt beim Verbraucher

Eine konzentrierte Marktmacht weniger großer Einzelhandelsketten ist für Ohlmann kein Argument. Die vier größten Einzelunternehmen Aldi, Lidl, Edeka und Rewe stünden in größter Konkurrenz zueinander. Deswegen diktierten sie auch keine Preise. „Wir haben den härtesten Preiswettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel auf der ganzen Welt.“ Aufgrund dieses Konkurrenzdrucks sei der Spielraum begrenzt, freiwillig mehr an den Erzeuger zu entrichten, ohne ins Hintertreffen zu geraten. Der Handelsverband könne die Probleme der Bauern gut nachvollziehen, betont Ohlmann. Die Handelsunternehmen hätten aber kaum direkte Vertragsbeziehungen mit den Bauern, sondern mit den verarbeitenden Betrieben, etwa mit Molkereien. Mit diesen müssten die Bauern ihre Anliegen klären. „Ich wehre mich dagegen, dass der Handel zum Sündenbock gemacht wird und Alleinverantwortlicher für die Probleme der Bauern ist.“

Dass der Einzelhandel in Bayern Lebensmittel verramscht, will Ohlmann so nicht stehenlassen. Er führt Zahlen des Armutsberichts der Bundesregierung an, wonach 13 Millionen Menschen in Deutschland in Armut oder an der Armutsgrenze leben würden. „Die werden Ihnen nicht sagen, dass die Lebensmittel zu billig sind.“ Es könne auch nicht sein, dass der Staat über die Preisfestsetzung entscheidet. „Die Preise sind Ausdruck von Angebot und Nachfrage.“ Hier werde oftmals das Dilemma zwischen Worten und Taten deutlich. „Die Deutschen sind ein bisschen naiv: Sie wollen supergutes Fleisch von super-glücklichen Tieren und Bauern, denen es wirtschaftlich supergut geht zu super-günstigen Preisen“, fasst Ohlmann zusammen.

Faire Produkte kommen nicht aus der Nische

Wenn der Kunde ein hochpreisigeres Produkt kaufe, sei der Handel auch bereit, etwa dem Bauern als Erzeuger mehr Geld zu entrichten. Denn merkt der Händler, dass die Leute mehr für regionale Produkte bezahlen, werde das honoriert. Schließlich seien auch die Margen des Handels bei teureren Produkten höher als bei Niedrigpreisigen. Das Problem: Faire Produkte fristen zuweilen ein Nischendasein, auch wenn der Konsum-Trend eindeutig zum Regionalen gehe. Von zu vielen Labels über Tierwohl, ökologische Erzeugung und Regionalität ist Ohlmann allerdings nicht begeistert: Man müsse aufpassen, dass man den Verbraucher nicht mit zu vielen Siegeln verwirre.

Zum Thema Labels bei Tierprodukten lesen Sie auch: Alle glücklich? Verbraucherzentrale kritisiert Fleisch-Siegel

Seit etwa einem Jahr hat der BBV seinen Mitgliedern ein erstes Rüstzeug gegen vermeintliche Abzock-Preise an die Hand gegeben: Über eine App namens „Bares“ können Bauern die aktuellen Verkaufspreise, die sie etwa für Kartoffeln, Soja, Raps, Weizen und andere Agrarprodukte erzielen, ihren Kollegen melden, damit die anderen Landwirte entscheiden können, wann der beste Zeitpunkt ist, seine Ware anzubieten – immer, wenn die Preiskurve einen Ausschlag nach oben macht. „Angesichts der teilweise immer wieder großen Preisspannen innerhalb eines Produktes ist der Nutzen für den einzelnen Landwirt durchaus groß. Je flächendeckender die Basis an Preismeldern ist, desto höher wird auch die Preistransparenz“, erklärt BBV-Sprecher Markus Drexler.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading