Baden-Württemberg Gemeinde verbannt Heilige Drei Könige aus Krippe

Das Ulmer Münster leuchtet in der Nacht. Foto: Stefan Puchner/dpa/Archivbild

Die evangelische Münstergemeinde in Ulm wird die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen. Die drei Figuren, darunter der Melchior mit schwarzer Hautfarbe, sollen in diesem Jahr nicht gezeigt werden, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Die Gemeinde reagiere damit auch auf die andauernde Rassismus-Debatte in Deutschland.

"Die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen", sagte Gohl. Dies könne und wolle die Gemeinde so nicht stehen lassen. Stattdessen soll in diesem Jahr die Weihnachtsgeschichte nach Lukas erzählt werden, in der die Heiligen Drei Könige nicht vorkommen.

Mit der Entscheidung möchte die Gemeinde auch einer möglichen Debatte während der Feiertage vorgreifen. Das diesjährige Weihnachten solle nicht von einer Debatte um die Krippenfiguren bestimmt werden. Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit der Figur des Melchior wolle die Gemeinde "in aller Ruhe" im neuen Jahr treffen, so Gohl. Die "Südwest Presse" hatte zuerst darüber berichtet.

Landesbischof: Stehenlassen und erklären

Der württembergische Landesbischof stärkte der Münstergemeinde in Ulm am Mittwoch den Rücken. "Der Weg, den man jetzt in Ulm versucht zu gehen, ist richtig", sagte Frank Otfried July am Mittwoch in Stuttgart der dpa. "Es ist wichtig, eine Entscheidung gut zu beraten und auf dem Weg dorthin die dafür nötige Ruhe in der Gemeinde zu gewinnen."

July sprach sich dafür aus, die Figuren mit einem erklärenden Kommentar zu versehen. "So etwas abzuhängen oder wegzustellen oder in einem Museum zu verstecken, halte ich für den schlechteren Weg", sagte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. "Es ist unsinnig, Dinge im Nachhinein unserer gegenwärtigen Überzeugung anzupassen. Man muss sie erklären und in eine heutige, kritische Bewertung stellen."

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