Auto oder Haus beschädigt Diese Versicherungen zahlen bei Unwetterschäden

Bei schweren Stürmen kommt es oft zu Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Das Sturmtief Ylenia wütet in Deutschland und sorgt auch in Bayern für viele Einsätze von Polizei und Feuerwehr. Umso ärgerlicher, wenn das Eigentum durch die Wetterkapriolen Schaden nimmt. Was tun, wenn etwa ein Baum aufs Auto gekracht ist? Welche Versicherungen helfen da? Harald Peschken, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater, und der Straubinger Versicherungskaufmann Anton Zitzelsberger geben Auskunft.

(Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich hier um einen nach wie vor aktuellen Beitrag aus unserem Archiv, der zuerst im Februar 2020 erschienen ist)

Ab wann spricht man von einem Sturm beziehungsweise einer Überschwemmung? 

Ein Sturm liegt aus Versicherungssicht ab Windstärke acht vor, das entspricht Windgeschwindigkeiten von mehr als 62 Stundenkilometern, erläutert Anton Zitzelsberger. Bei den Regenmengen hingegen gehe es mehr um eine „Definition des Wortes“. Um eine Überschwemmung handelt es sich, wenn ein Gewässer ausufert; bei einer Überflutung infolge Starkregens ist ausschlaggebend, dass der Großteil eines Grundstückes unter Wasser steht und Wasser ins Gebäude eindringt. Ob das nun viel oder wenig Regen ist, spielt laut Zitzelsberger keine Rolle.

Welche Versicherung ist die richtige für Sturm- und Wasserschäden?

Wenn Unwetter Dächer abdecken oder das Auto unter Wasser setzen, gibt es nicht die eine Versicherung, die alles abdeckt. Es gilt: Verschiedene Versicherungen springen bei jeweils anderen Schäden ein. Standardleistungen beinhalten Hausrat-, Gebäude- und Kaskoversicherung, das seien die „Klassiker“, sagt Zitzelsberger. Harald Peschken zufolge sei es außerdem sinnvoll, den Versicherungsschutz der Gebäudeversicherung um Elementarschäden zu erweitern. Denn: „Der Klimawandel macht sich in den Schadenaufwendungen der Versicherer bemerkbar. Seit Jahren nehmen die Zahlen der Sturm- und Strakregenereignisse zu.“

Was decken Hausrat- und Wohngebäudeversicherung ab?

Die Hausratversicherung ist für Mieter und Eigentümer gedacht und versichert Sturmschäden klassischerweise mit, sagt Peschken – also alles, was im Haus oder in der Wohnung beschädigt werden kann. Folgeschäden sind ebenfalls mitversichert, etwa, wenn das Dach abgedeckt wird. Sichtverkleidungen am Balkon stellen eine Ausnahme dar, wenn Mieter sich diese auf eigene Kosten anschaffen. Sie sind laut Zitzelsberger zwar draußen am Gebäude angebracht, zählen aber trotzdem zum Hausrat. Eine Wohngebäudeversicherung sollten Immobilienbesitzer abschließen. Sie zahlt eine finanzielle Entschädigung für Schäden am Gebäude, zum Beispiel durch Feuer, Sturm, Rohrbruch oder Hagel. Tritt Regenwasser durch ein beschädigtes Dach ein, ist dieser Folgeschaden ebenso abgesichert, sagt Zitzelsberger.

Welche zusätzlichen Versicherungen sind nötig?

Peschken weist darauf hin, dass bei Hochwasser und vollgelaufenen Kellern nach Starkregen der Versicherungsschutz nur greift, wenn die Hausrat- und Gebäudeversicherung um Elementarschäden erweitert wurde. „Diese kann in die bereits bestehende Gebäude- oder Hausratversicherung eingeschlossen werden“, erklärt Zitzelsberger – gleichwohl es Bereiche gebe, die aufgrund ihrer anfälligen Lage einfach „nicht versicherbar“ seien. Zu den inbegriffenen Leistungen der Versicherung gehört das Trockenlegen von Gebäuden, ein Abriss sowie Neubau oder vorübergehender Umzug. Ein Rückstau des Wassers aus der Kanalisation ist nur dann versichert, wenn er auf eine Überflutung zurückzuführen ist und nicht auf einen zu kleinen Kanal, sagt Zitzelsberger.

Wann sind eine Glas- oder Bauleistungsversicherung sinnvoll?

Eine Glasversicherung ist laut Peschken im Grunde nur bei teuren, großen oder aufwendig zu montierenden Verglasungen ratsam. Die Bauleistungsversicherung sei besonders bei Baumaßnahmen wichtig und sinnvoll, da der Versicherungsschutz der Gebäudeversicherung sich auf bezugsfertige Gebäude erstreckt.

Wer zahlt, wenn das Auto nach einem Unwetter in Mitleidenschaft gezogen wurde?

Bei Sturmschäden durch umherfliegende Dachziegel oder einen umstürzenden Baum bieten Kaskoversicherungen Schutz, ebenso bei Schäden durch Überschwemmungen, weiß Peschken und ergänzt: „Die Kaskoversicherung ist eine Zeitwertversicherung. Insbesondere bei Neu- oder Leasingfahrzeugen sollte eine Vereinbarung zur Neuwertentschädigung getroffen werden.“ Gut zu wissen: Fährt ein Autofahrer gegen einen umgefallenen Baum, gilt das als Auffahrunfall und es zahlt nur eine abgeschlossene Vollkaskoversicherung den Schaden. Fällt ein Baum oder Ast aufs Auto, handelt es sich um einen typischen Teilkasko-Schaden, sagt Zitzelsberger.

Was sollten Betroffene nach einem Unwetterereignis tun?

Das oberste Gebot für Geschädigte ist laut Zitzelsberger: Alle Schäden zügig melden. Dokumentationsfotos von Schäden sind wichtig und erleichtern die Schadensregulierung, die von den betreuenden Versicherungskaufleuten übernommen werden können. Auch Hauseigentümer, die nach erstem Anschein glimpflich davongekommen sind, sollten ihr Haus mustern. Selbst verschobene oder gerissene Dachziegel sind Sturmschäden, die auf Kosten der Gebäudeversicherung behoben werden sollten.

Wie unterscheiden sich die Kosten für eine Versicherung in verschiedenen Regionen?

Die Versicherer haben Deutschland in unterschiedliche Zonen für Leitungswasser, Sturm/Hagel und Elementarschäden aufgeteilt, erklärt Peschken. Erstere beide werden anhand der Schadensaufwendungen in einem Gebiet kalkuliert. Bei Elementarschäden geschieht das nach der Datenlage in bestimmten Geoinformationssystemen, die Gefahr durch Wetterereignisse wird daraufhin unterschiedlich eingestuft. „Die Gefährdung kann von Haus zu Haus anders sein.“ Häufig spielt zudem das Gebäudealter eine Rolle. Daher ist es möglich, dass die Versicherungshöhe stark schwankt, obwohl die Häuser nahe beieinander stehen.

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