Idowa-Adventskalender (24) Bülent Sönmez war Hebamme wider Willen

Bülent Sönmez (52) ist der Mann, der bei der Geburt der kleinen Lejla auf der Äußeren Münchener Straße dabei war. Foto: cm

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Zuerst wundert sich Bülent Sönmez (52) über das Auto, das ihm förmlich an der Stoßstange klebt. Er ärgert sich. Er fährt auf der B11 Richtung Landshut. Als das Auto an der Kreuzung Äußere Münchener Straße knapp hinter ihm zum Stehen kommt, sieht er im Spiegel, wie der Fahrer wild mit den Armen wedelt. Will ihn der Raser etwa bedrohen?

Sönmez schaut genauer hin und erkennt: Er wird nicht bedroht, er wird um Hilfe gerufen. Der Name des Fahrers ist Mario Čupić. Seine Frau hat gerade im Fußraum ihres Autos Tochter Lejla zur Welt gebracht. Sönmez ist der unbekannte Helfer, den Čupić gesucht hat, um sich bei ihm zu bedanken. Redakteurin Carmen Merckenschlager hat die Geschichte der außergewöhnlichen Geburt und der Suche nach der "Hebamme wider Willen" erzählt.

Nach dem Artikel unserer Mediengruppe meldete sich ein Leser in der Redaktion: Sein Nachbar sei es gewesen, der geholfen habe, das Kind und die Mutter zu versorgen. "‚Bülent, du wirst gesucht!', hat mein Nachbar zu mir gesagt, nachdem er den Artikel gelesen hatte", erzählt Sönmez, "da hab' ich erstmal geschaut. Dann wusste ich schon, um was es geht."

Sönmez ist am 14. Juli sozusagen Hebamme wider Willen geworden, obwohl er betont: "Als ich dazukam, war das Kind schon auf der Welt. Überall war Blut, das Kind lag im Fußraum, die Nabelschnur war noch dran. Aber auf die Welt kam es ganz von selbst."

Sönmez kann erst nicht glauben, was er sieht, bleibt dennoch ruhig, wählt den Notruf. "Ich war jahrelang Ersthelfer in meiner Arbeit. Ich habe gelernt, cool zu bleiben", sagt der 52-Jährige. Nachdem er den Notruf abgesetzt hat, stellt er noch ein Warndreieck auf. Dann redet er beruhigend auf den Vater ein, der ziemlich durcheinander zu sein scheint. "Mutter und Kind waren vital, mir schien so weit alles in Ordnung. Ich habe versucht, sie einfach zu beruhigen", sagt Sönmez und erinnert sich weiter: "Die Mutter war schon ziemlich durch mit den Nerven, ich glaube, sie konnte gar nicht glauben, was gerade passiert war."

Ein Kurzvideo zur Erinnerung für die Familie

Weil Bülent Sönmez in seiner Freizeit als Hobbyfilmer arbeitet, macht er von Čupić und dessen Frau ein kurzes Video. Sönmez: "Als Erinnerung für die Familie. Das passiert ja doch nicht alle Tage."

Als die Sanitäter eintreffen, macht sich Sönmez wieder auf den Nachhauseweg. "Ich habe ihnen noch alles Gute gewünscht. Ich konnte ja nichts mehr tun, deshalb bin ich gefahren", erinnert sich der Landshuter, der selbst zwei Kinder hat. Kontaktdaten werden nicht ausgetauscht.

Zu Hause sagt er zu seiner Frau: "Rate mal, was mir passiert ist." Er erzählt die Geschichte seiner Familie und einem Nachbarn. Ein paar Tage nach dem Vorfall hat Sönmez Klassentreffen. "Das war natürlich die Story des Abends. Manche wollten mir gar nicht glauben. Sowas kennt man sonst ja nur aus Filmen", so der 52-Jährige.

Wiederum ein paar Tage später kommt sein Nachbar zu ihm und erzählt von dem Artikel in der Zeitung und dass die Familie nun den Mann sucht, der bei der Sturzgeburt dabei war. Über unsere Mediengruppe kommt schließlich der Kontakt zustande.

Getroffen haben sich Familie Čupić und Bülent Sönmez noch nicht. Aber telefoniert haben sie schon miteinander. Am Montag ruft Mario Čupić bei Sönmez an und bedankt sich überschwänglich bei ihm. "Wir werden sicher mal einen Kaffee trinken", sagt Sönmez, der sich über den Anruf freut und glücklich ist, dass Mutter und Tochter wohlauf sind.

Warum er geholfen hat, obwohl er sich zuvor noch über den vermeintlichen Raser geärgert hat? "Ich habe gesehen, dass sie Hilfe brauchen. Da helfe ich", sagt Sönmez. Dann lacht er und meint: "Da habe ich eben mal Hebamme gespielt."

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