Australien Australien - der wilde Westen

Purpurrote Felsküste und tiefblaues Meer: der Strand von Cape Levenque. Foto: Wolfgang Wende

Der Westen Australiens ist weit, wild und wunderschön. Du wirst begeistert sein!", erklärt Mark aus Melbourne beim Sundowner am Cable Beach in der Stadt Broome. Er sollte Recht behalten.

In Westaustralien gibt es über hundert Nationalparks und Meeresschutzgebiete und mit dem Bungle Bungle Nationalpark, dem Ningaloo Reef und der Shark Bay beherbergt der Bundesstaat gleich drei UNESCO-Weltkulturerbestätten. Es gibt also viel zu bestaunen und zu entdecken auf einer Fläche siebenmal so groß wie Deutschland.

Die Reise beginnt in Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory, mit seinem ganzjährig schwül-heißem Klima. Die Stadt wirkt steril, mit wenig Charme und sie hat kaum historische Gebäude. Der Grund: An Heiligabend 1974 fegte der Zyklon Tracy mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometer pro Stunde über die Stadt. Er beschädigte und zerstörte 95 Prozent der Gebäude.

Bei der Weiterfahrt von Darwin merkt man erstmals die gewaltige Größe Australiens. Über 900 Kilometer sind es nach Kununurra, der ersten Stadt, nachdem man die Grenze nach Westaustralien passiert hat. Kununurra, der Name stammt aus der Aborigines-Sprache und bedeutet "großes Wasser", wurde 1960 beim Bau des Lake Argyle-Staudamms als Versorgungszentrum gegründet. Lake Argyle ist der größte Stausee Australiens mit einer Fläche, die eineinhalbmal der des Bodensees entspricht. Sein Wasser dient der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen im Nordwesten Australiens. Nicht weit entfernt liegt eine der eindrucksvollsten Landschaften des Kontinents - die Bungle Bungles. Tausende orange-schwarz gestreifte Sandsteindome türmen sich hier auf und erscheinen aus der Luft wie riesige Bienenkörbe. Das Gebiet wurde erst Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts entdeckt und ist nur in der Trockenzeit über eine 52 Kilometer lange, ausgewaschene, felsige Wellblechpiste zu erreichen. Doch die mühevolle Fahrt lohnt sich. Die engen Canyons mit ihren orangeroten Felswänden und die Aussichtspunkte lassen einem den Atem stocken.

Gibb River Road - eines der letzten Abenteuer im Westen Australiens

Die Gibb River Road ist Herausforderung und Abenteuer zugleich. Die ehemalige Viehroute von Wyndham nach Derby, auf der die "stockmen" - so heißen die australischen Cowboys - das Vieh von den Farmen zu den Häfen getrieben haben, ist auf knapp 600 Kilometern eine ungeteerte, ausgewaschene Sand- und Steinpiste. Sie sollte nur mit einem Auto mit Vierradantrieb befahren werden und ist in der Regenzeit komplett gesperrt. Umso schöner ist die Natur in der Kimberley-Region, durch die sie führt. Höhepunkte sind verschiedene Schluchten mit glutroten Felswänden, erfrischenden Pools, unberührte Natur und gastfreundliche Farmen.

Nach so viel Staub und Schlaglöchern ist man froh, wenn man die Küstenstadt Broome am Indischen Ozean erreicht hat. Mit dem Cable Beach hat der Ort einen feinsandigen, kilometerlangen Strand, der allabendlich Treffpunkt für Einheimische und Touristen ist, um einen Sundowner zur untergehenden Sonne zu genießen. Wer will, kann auch einen Ritt mit einer Kamelkarawane entlang des Strandes unternehmen. Noch schöner, weil einsamer und idyllischer gelegen, sind die Strände am Cape Leveque, 200 Kilometer nördlich von Broome. Diese Landzunge mit purpurroter Felsküste und tiefblauem Meer ist allerdings nur über eine anspruchsvolle Sand- und Schotterpiste zu erreichen. Eine Herausforderung für Fahrer und Fahrzeug.

Das Sandfire Roadhouse bietet die einzige Abwechslung auf der monotonen Weiterfahrt nach Süden in Richtung Port Hedland. Die Stadt ist Westaustraliens größter Industriehafen, Hauptumschlagplatz für das abgebaute Eisenerz aus der nahe gelegenen Pilbara-Region und Beispiel dafür, dass in Australien vieles größer und gewaltiger ist. Kilometerlange Güterzüge und riesige Road Trains bringen den rostroten Bodenschatz zu den Containerschiffen mit Zielen in der ganzen Welt.

Blauer Himmel, rotes Sandgestein: Australien wie im Bilderbuch Von Port Hedland lohnt ein Abstecher ins Inland zum zweitgrößten Nationalpark Westaustraliens, dem Karijini National Park. Auf Wanderungen durch die gewaltigen Schluchten kann man hier Australien wie im Bilderbuch erleben: blauer Himmel mit weißen Wolken, rotes Sandgestein und dazu im Kontrast mächtige Eukalyptusbäume mit ihrer hellen Rinde und grünen Blättern. Malerisch gelegene Wasserfälle mit herrlich erfrischenden Pools laden nach einer schweißtreibenden Wanderung immer wieder zum Baden ein.

Nach einer Tagesfahrt in Richtung Südwesten erreicht man wieder die Küste mit dem Cape Range National Park, einem weiteren landschaftlichen Juwel. Das Ningaloo Reef liegt nur wenige hundert Meter vor der Küste und reicht mancherorts sogar bis an einige Strände heran. Allein schon beim Schnorcheln kann man die Unterwasserwelt des Riffs mit ihren bunten Fischen und farbigen Korallen bestaunen. Und dazu bietet die Küste traumhafte, feinsandige und fast menschenleere Buchten. Kein Wunder, dass viele Einheimische das Cape Range als Paradies auf Erden bezeichnen.

Eine weitere Tagesetappe weiter südlich gelangt man zur nicht minder eindrucksvollen Shark Bay. Genauso wie der Cape Range National Park ist die Shark Bay ein UNESCO-Weltkulturerbe mit einzigartigen Natursensationen. Eines der Wunderwerke der Natur ist der Shell Beach mit unzähligen kleinen, blendend weißen Muschelteilen, insgesamt 40 Kilometer lang und mit Dünen, die bis zu zehn Meter hoch sind. Die Stromatolithen ganz in der Nähe sehen aus wie kleine Felsen, sind jedoch die ältesten Lebewesen unserer Erde, die hier in der Shark Bay aufgrund des extrem salzhaltigen Meerwassers besonders gut gedeihen. Und dann ist da natürlich noch Monkey Mia - Tourismusmagnet seit den 1960er Jahren, weil täglich mehrere Delfine in die seichte Bucht kommen, um sich von Menschen mit Fischen füttern zu lassen. Nirgendwo sonst kommt man freilebenden Delfinen so nahe.

Das nächste Ziel, der Kalbarri National Park, ist eine Schluchtenlandschaft, die der Murchison River durch das rote Sandgestein an der Küste geschaffen hat. Hier kann man Anfang September den australischen Frühling von seiner schönsten Seite mit farbenprächtigen Blumen erleben.

Geheimtipps für Ausflüge: "The Pinnacles" und "Wave Rock"

Wie aus einer anderen Welt wirkt der Nambung National Park, besser bekannt als "The Pinnacles" mit Hunderten von Kalksteinfelsen inmitten von leuchtend gelbem Wüstensand. Für Fotografen ist er ein Eldorado mit zahllosen Motiven, besonders in den Morgen- oder Abendstunden. Nach Perth sind es von hier aus nur noch etwa 250 Kilometer.

Doch bevor man die Hauptstadt Westaustraliens erreicht, ist ein Abstecher zum gewaltigen "Wave Rock" in der Nähe des kleinen Ortes Hyden ein unbedingtes Muss. Der "Wave Rock" ist eine 110 Meter lange und 15 Meter hohe Welle, die scheinbar kurz vor dem Überschlag zu Stein erstarrt ist. Sie ist bereits in der Frühzeit der Erdgeschichte entstanden. Der zweite Umweg lohnt, denn anders als der Ayers Rock in Zentralaustralien ist der "Wave Rock" eher ein Geheimtipp und bei weitem nicht so überlaufen.

Perth, die abgelegenste Metropole Australiens erreicht man vom "Wave Rock" in etwa fünf Stunden Fahrzeit. Die Stadt präsentiert sich als modern, sauber und aufgeräumt mit interessanter Skyline, modernen Hochhäusern, aber auch dazwischen verborgenen Gebäuden aus der Kolonialzeit. Besonders sehenswert ist der London Court, eine Einkaufspassage mit teuren Geschäften erbaut im Tudor Stil von 1937.

Zum Abschluss lohnt ein Besuch des King's Park. Im dortigen botanischen Garten kann man noch einmal die Vielfalt der Blumen im Wilden Westen Australiens bestaunen und man genießt den wohl schönsten Ausblick auf die weite Bucht des Swan River und auf die Stadtsilhouette von Perth.

 

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