Auslandsblog Eintrag 8: "Ich mache mir große Sorgen" - Rassismus gegenüber Asiaten (29. April 2021)

Als sich vor kurzer Zeit ein Radiomoderator von Bayern 3 rassistisch über die südkoreanische Band BTS äußerte, ging das sogar hier in England durch die Medien. Auch in Südkorea machte es Schlagzeilen und bestürzte die Bürger des Landes. Es ging auch nicht an meiner ersten Mitbewohnerin hier in London, Park Sun Ho, vorbei, die mittlerweile wieder zurück in ihrem Heimatland Südkorea ist. Sie erzählt mir von den Reaktionen: „Diese Worte zu hören, hat mich traurig gemacht.“, sagt sie. „Es war in den Nachrichten und hat einige Leute ziemlich enttäuscht.“

Ein Boom für die Wirtschaft

Allgemein ist der Erfolg von K-Pop (koreanische Popmusik) für Südkorea sehr wichtig. Die wirtschaftliche Situation hat sich verbessert und der Tourismus boomt – abgesehen von Corona. Das bekannteste Beispiel für K-Pop ist wahrscheinlich Psys „Gangnam Style“, das 2012 fast überall zu hören war. Sun ho hält es für ein Wunder, dass die Musik in einer fremden Sprache einen solchen Welterfolg feiern kann. „England hat Harry Potter und die Queen. Wir haben BTS“, sagt sie. Sun Ho ist so, wie viele in ihrer Heimat, sehr stolz darauf.

Die Band BTS hatte 2013 ihr Debüt und besteht aus sieben Mitgliedern: RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jungkook. „Idols“, so nennt man K-Pop-Bandmitglieder beziehungsweise Soloartisten, trainieren lange und hart, bis sie schließlich mit ihrer Musik in die Öffentlichkeit gehen können. Und häufig zahlt sich das aus. Zu BTS gehört eine riesige Community, genannt „Army“, die nicht nur die Band unterstützt, sondern sich auch für wohltätige Zwecke einsetzt. So spendete BTS vergangenen Sommer zum Beispiel eine Million US-Dollar an die „Black Lives Matter“-Bewegung und die „Army“ verdoppelte den Betrag innerhalb von weniger als 24 Stunden.

Wenn man sich die Songtexte der Band genauer ansieht und sich die Zeit nimmt, sie zu übersetzen, wird der ein oder andere vielleicht überrascht sein. In ihren Songs geht es unter anderem um Selbstliebe, Depressionen und Zuflucht. Sie bringen Hoffnung und Trost. „Butterfly“ handelt zum Beispiel von einem suizidgefährdeten Menschen und „Blue and Grey“ von einem Burn-out. Der Titelsong „Life goes on“ des aktuellen Albums „BE“ ist eine Antwort auf die Pandemie und die Auswirkungen des Lockdowns.

Konstruktive Kritik ist okay

Dass die Musik nicht jedermanns Sache ist, ist okay. Auch konstruktive Kritik geht in Ordnung, denn davon lebt Kunst schließlich. Aber die Äußerungen des Radiomoderatoren Matthias Matuschik waren keine Kritik, sondern bloße Beschimpfungen. Er verglich die Band unter anderem mit einem Virus, gegen das es eine Impfung geben muss und benutzte Schimpfwörter. Zudem meinte er, BTS solle 20 Jahre Urlaub in Nordkorea machen. In seiner Entschuldigung behauptet er, er sei wütend gewesen, dass die Band seinen Lieblingssong „Fix You“ von Coldplay gecovert hat. Auch wenn er sich der rassistischen Bedeutung eventuell nicht bewusst war, ist seine Reaktion dennoch kindisch und unreif. Wer sich so nicht unter Kontrolle hat, sollte meiner Meinung nach nicht in den Live-Medien arbeiten.

„Es ist nicht fair“

Seit Covid-19 häufen sich zudem rassistische Anschläge auf Asiaten. Erst vor Kurzem wurde in einem Nachbardorf von Brighton ein Professor aus China beim Joggen überfallen und zusammengeschlagen. Einer Nation die Schuld für etwas geben und diese dann an Individuen auslassen, ist unverzeihlich. Sun Ho erzählt, dass die südkoreanischen Medien täglich von den Anschlägen in den westlichen Ländern berichten. Das macht Angst vor der Zukunft: „Ich sehe die Nachrichten und mache mir große Sorgen. Vor der Pandemie bin ich oft und gerne allein gereist, jetzt bin ich mir damit ziemlich unsicher. Es ist nicht fair. Ich habe doch nichts gemacht!“

Rassismus gegenüber Asiaten ist allerdings nicht neu. Er beginnt bei simplen Worten, die lustig gemeint sein sollen, in Wahrheit jedoch eine Nation und Kultur angreifen und verletzend sind. Wir sollten heutzutage wissen, dass das nicht in Ordnung ist. Wir haben alle etwas zu lernen, und am besten funktioniert das, wenn man den Betroffenen zuhört und über seine Worte nachdenkt. Ich bin dankbar für meine Freundschaft mit Park Sun Ho und hoffe, dass ich sie bald wiedersehen kann.

 
 
 

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