Auslandsblog Eintrag 6: Ein Jahresrückblick - 4. September 2017

Es ist August geworden. Mein Au-pair-Jahr neigt sich nun endgültig dem Ende. Denn nach meinem Sommerurlaub bleiben mir noch zwei Wochen bei meiner Gastfamilie, um das neue Au-pair einzuarbeiten. Damit beende ich meine Zeit in Den Haag.

Was bleibt zum Abschluss zu sagen? Zu viel. So viel habe ich erlebt, so viel gesehen, neue Freundschaften geschlossen, neue Eindrücke gewonnen, unendlich viel Erfahrung gesammelt. Dieses Jahr als Au-pair in den Niederlanden war für mich nicht nur ein Jahr in meinem Leben, es war ein komplettes Leben in einem Jahr.

Ob ich sehr traurig bin? Traurig ja, denn es wird mir als unvergessliche Zeit in Erinnerung bleiben, in der ich so viele tolle Momente mit meiner Gastfamilie erlebte und mit meinen Freundinnen so viel von den Niederlanden sah, in der ich Holländisch lernte und in der ich beschlossen habe in den Niederlanden zu bleiben und dort zu studieren. Aber genauso gab es natürlich Momente in denen ich mir gewünscht habe, die Zeit könnte schneller vergehen und an denen ich lieber zuhause bei meiner Familie gewesen wäre.

Welche Tipps würde ich geben? Ich würde mich immer wieder für die Niederlande und Den Haag entscheiden! In keinem anderen Land kommt man so gut mit dem Fahrrad herum wie hier, da alles so nah beieinander liegt und es ein unglaublich modernes Fahrrad-Verkehrsnetz mit gut ausgebauten Wegen und eigenen Ampeln gibt. Jung und Alt nutzen dieses billige und umweltfreundliche Transportmittel und zwar aus purem Spaß. Eine Anekdote hierzu: Am Anfang war ich das rasante Tempo auf den Radwegen noch nicht gewöhnt und wurde des öfteren mit lautem Klingeln von Opas und Omas in hohem Alter überholt. Und sie hatten kein E-Bike, meistens fuhren sie auch noch mit plattem Reifen! Jeder Deutsche kann über dieses geschäftige Treiben auf den breiten Radwegen nur staunen. Die Autofahrer sind aufgrund der vielen Radler gezwungen vorsichtig und vorausschauend zu fahren. Hier haben nicht die Autos, sondern fast überall im Straßenverkehr die Radfahrer das Sagen.

Es ist kein Problem, abends spontan noch schnell ins Kino zu gehen, denn man braucht sich bloß auf den Sattel zu schwingen und schon ist man unterwegs. So war ich innerhalb weniger Minuten bei meinen Freundinnen, auch die nächsten Städte waren dank gut ausgebautem Zugnetz nicht weit weg. So hatte ich die Möglichkeit immer spontan und kurzfristig etwas zu unternehmen, auch wenn ich nur zwei Stunden Zeit hatte.

Zudem sind die Holländer locker, offen und spontan. Man trifft sich bei jedem Wetter draußen an Plätzen mit Bars und Cafés und sitzt auch bei kühlem Wetter dann unter Wärmelampen.

Für uns Deutsche klingt Holländisch witzig, ja niedlich – in Wirklichkeit ist es direkt und deutlich. Ich konnte die Sprache jedenfalls leicht lernen und manche Begriffe finde ich oft treffender als das entsprechende deutsche Synonym.

Ein breites Kulturangebot lockt selbst die ganz Kleinen in wahre Erlebnismuseen, in denen man zum Beispiel spielerisch mit Ipad die Eigenarten und die künstlerische Genialität Piet Mondriaans kennenlernt oder einem durch Modelle und Simulationen die Auswirkungen des Klimawandels gezeigt werden.

Der weite, offene und breite Strand in Den Haag ist einmalig und garantiert tolles Urlaubsfeeling. Während man an seinem Cocktail in einer der vielen, extra für den Sommer aufgebauten Strandlokale nippt und seinen Blick über das Meer schweifen lässt, vergisst man die Großstadt im Rücken. Dies alles war für mich die perfekte Kombination für ein gelungenes Auslandsjahr.

Ich würde mich auch immer wieder für einen Auslandsaufenthalt als Au-pair entscheiden, denn man hat die einzigartige Möglichkeit, die Bräuche und Sprache eines Landes direkt mitzuerleben, ist das ganze Jahr liebevoll versorgt, verdient sein Taschengeld, um sich das Herumreisen zu finanzieren und sammelt zugleich noch viel Auslandserfahrung.

Wieso? Weil man viel im Umgang mit Kindern lernt. Das ist ideal, wenn man beruflich etwas in die Richtung machen möchte. Aber man wird auch um einiges selbstständiger, da man plötzlich vieles selbst regeln und organisieren muss.

Trotzdem rate ich jedem, der sich nicht wohl bei seiner Gastfamilie fühlt, den Schritt zu wagen und dies anzusprechen. Wenn das nicht hilft, sollte man umgehend Initiative ergreifen und sich um einen Familienwechsel kümmern. Sonst kann das Jahr schnell zum Horror-Erlebnis werden und das wäre zu schade. Ich selbst habe dies auch getan und so zu meiner für mich perfekten Gastfamilie gefunden. Dort hat mir Holland dann so gut gefallen, dass ich mich entschieden habe hier zu studieren.

Ab September beginnt daher für mich ein weiteres Kapitel in den Niederlanden, genauer gesagt in Utrecht (gesprochen: Ütrecht, da die Holländer das „u“ wie ein „ü“ aussprechen), der Studentenstadt Hollands mit über 60 000 Studenten. Ich habe mich für den zukunftsorientierten, internationalen und englischsprachigen Studiengang „Global Sustainability Science“ entschieden, da ich unbedingt lernen möchte, Lösungsansätze für eine grünere, nachhaltigere und gerechtere Welt zu finden. Die Universität dort gilt als die beste der Niederlande und das Forschungsinstitut im Bereich Nachhaltigkeit gehört zur Weltspitze. Kurzum bin ich wahnsinnig gespannt auf die neue Stadt und mein Studium, das es so in Deutschland leider noch nicht gibt. Ich werde also weiter aus den kleinen, aber sehr feinen Niederlanden für Freischreiben berichten.

 
 

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