Die dritte Periode meines ersten Bachelorjahres ist geschafft und damit sind tatsächlich schon dreiviertel des Jahres um. Ich fühle mich hier in Utrecht immer noch super wohl und bin jetzt endgültig in meinem neuem Leben als Studentin angekommen und zuhause. Diesen Artikel möchte ich aber mal nicht meinem Studium, sondern meinen Komitees und deren Engagement widmen.

Ich engagiere mich mittlerweile in drei verschiedenen Komitees neben der Uni. Das mag vielleicht stressig klingen, aber ich liebe es neben dem ganzen Theoretischen auch etwas Praktisches zu tun und damit die Welt ein ganz kleines Stückchen besser zu machen.

Mit dem Sustainability Komitee meiner Studienvereinigung organisiere ich demnächst eine Zero Plastic Week in der wir versuchen werden alle ohne jegliche Plastikverpackungen und -produkte zu leben und andere zu motivieren dasselbe zu tun. Nebenbei veranstalten wir allerlei Aktivitäten für andere Mitglieder rund ums Thema Plastikkonsum. Höhepunkt dabei wird eine Kanalfahrt durch die Grachten Utrechts sein, bei der wir so viel Müll wie möglich fischen werden. Die Grachten sind nämlich voll mit Plastiktüten, Bierdosen und weiterem, genauso wie die Weltmeere. Dort befindet sich inzwischen mehr Mikroplastik, also von Sonne und Co. zerkleinerte Plastikteilchen mit einem Durchmesser von unter 5mm, als Fische. Jährlich kommt ein Zehntel unseres weltweiten Plastiks dazu, das entspricht 700 Milliarden Plastikflaschen. Kein Wunder also, dass circa eine Million Seevögel und 100 000 Meeressäuger davon sterben. Bioplastik, also Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen, ist keine Lösung, da wir die dafür benötigte Ackerfläche viel dringender für unser tägliches Essen brauchen. Es gibt also nur eine Lösung: Wo es geht Plastik vermeiden! Das gilt übrigens auch für allen anderen Müll. Selbst die Papierherstellungs benötigt unglaublich viel Wasser und Energie und verursacht auch einiges an C02. Doch wie vermeide ich Müll, wenn heutzutage fast alles verpackt ist? Ja, das ist leider so, aber Lebensmittel ohne Plastikverpackung kann man zum Beispiel auf dem Markt kaufen. Weitere Tipps gibt es auf zahlreichen Internetseiten und von Bloggern unter dem Stichwort ‚Zero Waste‘.

Mit meinen Kollegeinnen meines dritten Komitees habe ich rund um das Thema Nachhaltigkeit Workshops designt. Bald ist es soweit: Wir werden eine Gruppe Angestellter an der Uni informieren, wie man durch kleine aber wirksame Veränderungen im Alltag seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern kann. Wie soll das gehen? Zu aller erst den Konsum von tierischen Produkten einschränken. Wären aller Menschen dieser Welt Vegetarier, gäbe es bis 2050 rund sieben Millionen weniger Tote pro Jahr, zwei Drittel weniger Treibhausgase aus der Lebensmittelproduktion und etwa 1,5 Billiarden US-Dollar würde man sparen. Dann kommt natürlich gleich der Transport: Auto oder doch lieber öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad? Wie wäre es mit einem Stromanbieter, der auf grüne Energie setzt? Und in was investieren eigentlich unsere Banken? Als ich hörte das die ING, die größte holländische Bank, größtenteils in Ölpipelines investiert anstatt in die Zukunft, habe ich meine Bank sofort gewechselt.

Ein erfolgreicher Abend mit den Jugendvertretern der jeweiligen Länder für Europa, an dem wir mit in den Niederlanden lebenden Geflüchteten ins Gespräch gingen, liegt auch gerade erst hinter mir. Diesen organisierte ich mit meinem Komitee Arbeitsgruppe Europa vom Niederländischen Nationalen Jugendring. Dort bin ich als erste Nicht-Niederländerin erst seit kurzem, aber mit großer Begeisterung tätig. An dem Abend erzählten die Migranten von ihrer Flucht, aber vor allem von den Herausforderungen im neuen Land. So ist zum Beispiel der Arbeitsmarkt ganz anders als bei ihnen und auch der Fakt, dass man erst mal lange nicht arbeiten darf oder keine Arbeit findet, weil Europäer Vorrang haben (in Deutschland kann das bis zu 15 Monate dauern) fördert nicht gerade die Integration und das Erlernen der Sprache. Solch ein Austausch müsste viel öfter stattfinden, finden wir.

Worauf also noch warten? Wie könnte ich schließlich meinen Enkeln in die Augen sehen und sagen, dass ich wusste was passiert, aber nicht das Größtmöglichste getan habe?