Auslandsblog Eintrag 13: Zum Schutz der Meere (30. November 2018)

Julia Fritzsche (20) studiert Global Sustainability in Holland. Vor Kurzem durfte sie mithelfen, die bisher größte Konferenz des Earth System Governance Projects in Utrecht zu organisieren. Hier erzählt sie, wie diese ablief und was sie dort erlebte.

Der erste Teil meines zweiten Bachelorjahrs an der Universität Utrecht ist rum. Meine freie Woche habe ich dieses Mal anders verbracht als sonst. Vom 5. bis 8. November fand unter der Leitung von Frank Biermann und Agni Kalfagianni in Utrecht die jährliche Konferenz des Earth System Governance Projects statt, das größte sozialwissenschaftliche Research-Network im Bereich Governance und Global Environmental Change. Ich durfte als Student-Volunteer mithelfen und dabei sein.

Was ist Earth System Governance? Es ist eine Reaktion auf die neue Sichtweise, die Erde als integriertes und verflochtenes System zu betrachten, das von Menschen und anderen Faktoren verändert wird. Earth System Governance beschäftigt sich nicht mit dem Management der Erde, sondern vielmehr mit den menschlichen Auswirkungen auf die Prozesse unseres Planeten und wie man unsere heutigen Gesellschaften lenken kann, um eine langfristige Stabilität der Erdsysteme zu garantieren.

Schon seit April war ich mit den Vorbereitungen für die Konferenz beschäftigt. So war ich unter anderem verantwortlich für das Organisieren des Konferenz-Dinners. Das beinhaltete, geeignete Räumlichkeiten und ein Menü für 450 internationale Wissenschaftler zu finden. Wir entschieden uns für das Eisenbahn-Museum und somit fand das Dinner zwischen alten, holländischen Lokomotiven statt – ein außergewöhnlicher Abend mit vegetarischen und veganen, lokalen und saisonalen Spezialitäten. Zusammen mit einer Kommilitonin leitete ich den Abend mit einem Pub-Quiz ein.

Interviews mit Wissenschaftlern

Des Weiteren durfte ich mich als Mitglied des Interview-Teams mit bekannten Persönlichkeiten und jungen Wissenschaftlern aus aller Welt unterhalten, wie zum Beispiel Professor Oran Young (zu dessen Ehren der jährlich verliehene Preis für herausragende, wegbereitende Forschung für junge Wissenschaftler benannt ist) oder auch John Dryzek (dessen Konzepte und Ideen ich bereits für meine Kurse gelesen habe). Die Interviews sind online auf der Facebook-Seite des Earth System Governance Projects verfügbar.

Die Dozenten mal locker erleben

Ein Highlight war für mich auch die Research Fellows Party, bei der ich die Möglichkeit hatte, nicht nur ein paar meiner Dozenten in einer etwas lockeren Stimmung zu erleben. Ich konnte auch einige interessante Präsentationen und Diskussionsrunden besuchen zu Themen wie Ocean Governance oder Low Carbon Financing.

Ocean Governance beschäftigt sich mit der Politik für unsere Meere. Wären die Ozeane eine eigene, nationale Ökonomie, so wären sie die siebt-größte der Welt. Zudem sind sie der wichtigste Regulierer und Stabilisator unseres Klimasystems. Korallenriffe leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels, Populationen unter Überfischung und Plastikverschmutzung. Es ist also höchste Zeit, internationale Gesetze und Verträge auszubauen, um unsere Meere zu schützen.

Bei der Debatte über Low Carbon Financing diskutierten ein Vertreter und Ökonom des WWF, eine Vertreterin des unabhängigen Bankennetzwerks „Global Alliance for Banking on Values“ und zwei Wissenschaftler über die notwendigen Veränderungen des Bankensektors. So müssen Banken dringend transparenter, zukunftsorientierter, sozialer und grüner werden. Denn Geld lenkt die Welt und Innovation.

Ein Leitfaden für die Forschung

Die Konferenz endete mit einer neuen Leitung und einem neuen Leitfaden für die zehn kommenden Jahre Forschung im Bereich Earth System Governance. Denn es gibt noch viel zu tun, um Herausforderungen wie Wasserknappheit, Bevölkerungswachstum, Meeresverschmutzung und Klimawandel zu meistern oder zumindest abzuschwächen. Insgesamt war es eine einzigartige und unvergessliche Erfahrung, bei der ich einen anderen Bereich des Universitätslebens kennenlernen konnte.

 
 

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