Auslandsblog Eintrag 18: Zeit für Solidarität (30. März 2020)

Ein verregneter Samstagmittag im März. Vor dem Hauptbahnhof Utrecht Centraal, dem windigsten Platz in der ganzen Stadt, haben sich einige Menschen und Gruppierungen versammelt. Es ist wieder ein Aufschrei gegen die Trägheit der Politik. Was Greta, Fridays for Future und Aktionen von Extinction Rebellion mit all ihrem Einsatz bisher nicht geschafft haben, erreicht ein kleiner, unsichtbarer Virus: Covid19. Er zeigt uns hautnah, wie verletzlich wir Menschen als Teil der Natur sind und wie falsch wir unsere Prioritäten setzen. Hier meine ich die niedrigen Löhne von Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern, das Sparen am Gesundheitssystem, nur damit Krankenhäuser auch profitorientiert arbeiten, und die global vernetzten Handelsketten, die uns abhängig von Medikamenten aus Indien und China müssen.

Andere Prioritäten setzen

Was wir daraus lernen sollten? Wir müssen endlich andere Prioritäten als ständiges Wirtschaftswachstum setzen, das uns nicht nur unsere Existenz, sondern die der Welt, wie wir sie kennen, kosten wird. Die Veränderung unserer jetzigen, nicht nachhaltigen Gesellschaft und Wirtschaft muss an oberster Stelle stehen. Denn uns läuft die Zeit davon, auch wenn Corona uns vielleicht etwas Zeit zum Nachdenken gibt.

Als gutes Beispiel vorangehen

Wenn die Industrieländer nicht mit gutem Degrowth-Beispiel und einer neuen Definition von gutem Leben für alle vorangeht und ein Zeichen setzt, können wir Entwicklungsländer nie überzeugen, ihre Armut nicht durch Öl zu beseitigen. Machen wir so weiter wie bisher – dazu gehören auch die aktuellen Ziele der Staaten und das Klimapaket – so steht uns laut dem Weltklimarat IPCC ein globaler Temperaturanstieg von 3,5 bis 5,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts bevor. In einigen Regionen kann der Temperaturanstieg sogar auf 7 Grad hinauslaufen. Das führt zu Katastrophen, die viele Simulationen und Youtube-Videos zeigen. Klar ist, dass wir, die jungen Generationen, diese mit Sicherheit zu spüren bekommen.

Wenn ich eins besonders am Neoliberalismus verachte, ist es die Konzentration auf den Einzelnen. Wir als Menschen sind soziale Wesen und für unser Wohlergehen angewiesen auf unser soziales Umfeld. Dies merken wir in einer Zeiten der Isolation ganz deutlich. Wenn wir als so fortgeschrittene, westliche Gesellschaften eins besonders vom zum Teil noch sehr einfachen Leben in Entwicklungsländern und von den Naturvölkern lernen können, ist es deren Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung.

Zu helfen, gibt uns ein gutes Gefühl. Und Hilfe zu bekommen, natürlich auch. Ich schöpfe meine Hoffnung aus anderen engagierten Menschen. Also setz dich ein für die Transformation zu einer wirklich nachhaltigen Gesellschaft! Unterstütze Parteien und Bewegungen, die die Veränderung wirklich vorantreiben wollen und nicht nur alles beim Alten belassen. Reise nach der Corona-Krise lieber mit dem Zug in unsere schönen Nachbarländer anstelle mit dem Flugzeug in die Tropen. Bevorzuge nachhaltige Produkte beim Einkaufen. Und rede vor allem mit, wenn es darum geht, wie du dir die Welt in der Zukunft vorstellst.

Die Antwort auf alle Probleme

Wir müssen aus der Coronakrise lernen, dass Solidarität und Gemeinwohl nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, sondern auch für alle Weltbürgerinnen und -bürger unser Handeln bestimmen müssen. Sie sind die Antwort auf alle komplexen Probleme. Wir brauchen keine neuen Ölbohrungen, keine Ausbeutung, kein Wohlstand auf Kosten anderer Menschen der Entwicklungsländer sowie der Natur und der Umwelt. Was wir brauchen, ist ein Umdenken.

 

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