Auslandsblog Eintrag 16: Ja zum Zug, Nein zum Fliegen (26. Juli 2019)

Trotz der zunehmenden Wahrnehmung des Klimawandels als etwas Reelles und Dramatisches, steigt die Zahl der Fluggäste in Deutschland diesen Sommer wieder. Dabei ist das Fliegen das klimaschädlichste Transportmittel. Billige Flugpreise, teure und verspätete Züge der Deutschen Bahn sowie die steigende Reiselust auch in ferne Länder sind die wahrscheinlichsten Gründe für das sich nicht verändernde Verhalten der Urlauber. Und das, obwohl mit einem weiteren rekordbrechenden Hitzesommer und Ernteausfällen wegen ungewöhnlicher Trockenheit der Klimawandel an die Tür klopft und langsam zeigt, dass unser nicht nachhaltiges Verhalten, Konsumieren, Wirtschaften und Politik so nicht weitergehen können.

So gerne ich auch das türkisblaue Meer der Karibik oder Südostasiens erkundet hätte, habe ich mich für eine Zugreise durch Zentraleuropa entschieden – vier Länder in zwei Wochen. Sie führte mich vom mystischen Prag über das östliche Budapest, von Zagreb bis an die türkisblaue Mittelmeerküste Kroatiens, über das niedliche Ljubljana bis hin zu den in den Bergen Sloweniens gelegenen Bled. Ja, eines der größten Vorzüge Europas ist nun mal die Einigkeit in Vielfalt, die es einem ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit mehrere Länder, Kulturen, Sprachen und Landschaften zu bereisen und das ganz ohne Fliegen und Reisepass mit nur einem Zugticket – Interrail. Meine zwei Highlights der Reise möchte ich im Folgenden kurz vorstellen.

Budapest – das Istanbul der EU

Getrennt von der Donau erstrecken sich die beiden Stadtteile Buda und Pest im Flusstal, das von in der Ferne zu erkennenden Bergen des ungarischen Mittelgebirges eingerahmt wird. Jung und Alt, Touristen und Einheimische sowie neue Gebäude und Alte aus der Kaiserzeit tummeln sich entlang des Flusses. Auf der Buda-Seite befindet sich der alte Sitz Kaiser Franz Josephs (heute befindet sich hier u.a. das Historische Museum), sowie Ausgrabungen aus der Römerzeit, Basiliken mit bunt-gemusterten Dächern und ein Panorama-Ausblick auf den Fluss und Pest-Stadtteil. Dieser ist bekannt für Spaß und Leben und bietet neben Europas zweitgrößten und eindrucksvollen Parlaments weitere Kirchen, Parks, Denkmäler sowie verschiedenste Restaurants, Bars und Kneipen. Highlights sind, die von den Römern bereits entdeckten natürlichen heißen Quellen, wovon man in zahlreichen Spa- und Thermalbädern genießen kann sowie das Nachtleben in den Ruinenbars und das vegane Gulasch. Kurzum: Jeder kommt hier auf seinen Geschmack. Ich habe das Herumschlendern an einem lauen Sommerabend im bunten Treiben der Stadt sehr genossen. Die gemusterten Gebäudedächer sowie die Sprache Ungarisch, deren Wurzeln aus dem fernen Osten stammen, vermitteln einem den Eindruck und Flair des Orients.

Vodice – die Karibik Europas

Ein kleines ehemaliges Fischerdorf ungefähr auf der Mitte der Küste hat wohl das schönste und sauberste Wasser Kroatiens, da die Küste von den zahlreichen Inseln geschützt wird, wie uns ein Einheimischer erklärt. Nur eine zweistündige Bootsfahrt vom zweitgrößten Nationalpark Krka mit eindrucksvollen Wasserfällen ist man hier entfernt. Zahlreiche Möglichkeiten des Wassersports (Boot mieten, Kajaken, Segeln, etc.) und Badestrände bieten eine erholsame Auszeit von dem Massentourismus in Split und Dubrovnik. Man schlendert hier abends neben deutschen und kroatischen Familien an der Promenade und genießt den Ausblick auf den kleinen Hafen und das sanfte Mittelmeer. Aufgrund von Delfintouren und glasklarem, türkisfarbenem Wasser, durch das man Seeigel und Muscheln auf dem Grund entdecken kann, taufe ich diesen zauberhaften Ort Karibik Europas. Definitiv eine Reise wert, ohne dabei in ein Flugzeug steigen zu müssen.

Wir können nicht mehr länger leugnen, dass unser konsumorientiertes Verhalten die Ursache des Klimawandels ist. Deshalb ist es höchste Zeit die eigenen Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. Ja zum Zug und nein zum Fliegen!

 

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