Auslandsblog Eintrag 15: Giants, Easter and hitchhiking - 13. Mai 2017

Nach einem erfolgreichen und lustigen Term 1 mit der, für mich, hauptsächlich 11. und 12. Klasse, nähern sich mir die Osterferien. Ich habe vor, all die Orte auf der Nordinsel zu besuchen, die ich auf meinem 1. Roadtrip durch die Nordinsel noch nicht gesehen habe und dabei den ein oder anderen einzigartigen Moment aufzuschnappen.

Eine gute Freundin bringt mich am Samstag morgen von Christchurch aus zum Flughafen und ich nehme den frühsten Flug – ab nach Wellington. Ich besichtige dort eine Ausstellung namens „Gallipoli:The Scale of our war“ über den ANZAC-Day mit seinen riesigen gruselig real ausschauenden Skulpturen von riesigen Menschen. Diese Skulpturen wurden von Richard Taylor (die ein oder anderen kennen ihn von Herr der Ringe) und dem Weta Workshop erstellt und designed. Manche Riesen kommen so echt rüber, dass ich dann doch ein bisschen schneller laufe, um nicht zu lange alleine mit ihnen in einem Raum zu sein.

Die beeindruckende Ausstellung über die Maori lass ich mir natürlich ebenfalls nicht entgehen und anschließend treffe ich eine Freundin aus Wellington, mit der ich in einem Schweizer Eiscafe vorzüglich frühstücken gehe.

Wir nehmen zusammen den Bus nach Napier und besuchen Freunde, die ihren Freiwilligendienst in Hohepa Hawkes Bay verbringen. Dort pusten wir Ostereier aus, bemalen sie und genießen ein Osterfrühstück zusammen. Ausserdem wird mir die Gegend im Hawkes Bay gezeigt, wobei ich genieße, durch ihre Augen alles sehen zu können. Es ist schön, Bekanntschaften in einigen Locations von Neuseeland zu haben und so, nur um sie zu besuchen, schon reisen zu müssen. Am Montag gehe ich mit einer Freundin in der Art-Deco-Stadt Napier bummeln, esse Riesendonuts und habe mit ihr tiefgründige Gespräche über die Vergänglichkeit, Wertschätzung und die schönen kleinen Momente im Leben.

Ich muss gestehen, ich konnte die ganze Nacht fast auf Montag nicht schlafen, weil ich so aufgeregt bin, denn jetzt werde ich gleich zum ersten Mal hitchhiken. Ich weiss, dass das als Mädchen ganz alleine sehr gefährlich sein kann. Mir wurde auch gesagt, dass es naiv ist. Trotzdem weiß ich dass ich es ausprobieren will. Und wenn, dann in Neuseeland. Für alle Fälle fährt mich eine Freundin zum Highway, der nach Taupo führt und wir verabreden, dass sie im Auto so lange wartet, bis ich mitgenommen werde beziehungsweise auch mitgenommen werden will. Wir beschließen, dass sie sich das Kennzeichen merken soll und verabreden ein Codewort , so dass sie sofort eingreifen kann, wenn etwas schief laufen würde. So stehe ich nun da mit meinem Rucksack an einer kleinen Bucht, von der der Highway von Napier nach Taupo führt. Da ich noch nie ausprobiert habe zu hitchhiken, strecke ich vorsichtig meinen Arm aus und frage sie unsicher, ob ich jetzt einfach so meinen Daumen hochhalten soll.

Überraschenderweise, hält genau in dem Moment ein kleiner roter Toyota zehn Meter hinter mir, der mich sofort gesehen hat. Ich verstehe nicht sofort, dass dieses Auto für mich angehalten hat. Sie deutet in die Richtung des roten, kleinen Autos und ich überlege für den ersten Augenblick, ob die Fahrer dieses Fahrzeugs gehalten haben, weil sie Hilfe mit ihrem Auto brauchen. Erst als der Beifahrer aussteigt und mich in einem Kiwi-Akzent fragt, ob ich mitfahren will und ob er mir beim Taschen tragen helfen kann, verstehe ich. Er hat für mich gehalten. Ich merke, dass ich mich einigermaßen sicher fühle, tausche noch ein letztes Mal einen Blick mit meiner Freundin aus und nach einem Daumen hoch steige ich zu den zwei Jungs ins Auto ein.

Es stellt sich heraus, dass beide auf dem Weg nach Auckland sind und durch Taupo durch fahren. Sie sind Sportlehrer und Manager in einer Bank und so ungefähr um die 26 Jahre alt. Der Lehrer ist verheiratet und seine Frau ist mit dem zweiten Kind schwanger. Deshalb haben wir im Auto ein Gespräch darüber, wann man seinen Kindern am besten Namen aussuchen sollte. Etwa schon vor der Geburt oder direkt danach? Sie sind sehr zuvorkommend und ich fühle mich gut, trotzdem habe ich Deo und Taschenmesser immer in greifbarer Nähe. Man weiss ja nie. Ich werde bis in die Innenstadt von Taupo gefahren. Wir wünschen uns gegenseitig eine gute Reise. Als ich aussteige, muss ich grinsen. Ich bin gerade zum ersten Mal in meinem Leben gehitchhiked und es ist alles gut gegangen! Trotzdem rate ich, immer auf sein Bauchgefühl zu hören und nur dann einzusteigen, wenn man sich gut fühlt.

In Taupo traf ich daraufhin eine Freundin aus Tauranga, mit der ich mich zum bevorstehenden Tongariro Alpine Crossing verabredet habe...

 
 

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