Auslandsblog Eintrag 18: Shut the front door! - 4. Juli 2017

Term 2, Woche neun, Donnerstag. Ein Lehrer macht die Schüler darauf aufmerksam, dass sie nur noch diese Woche Zeit haben, um ihre Rede vorzubereiten. Auch ich sitze in seinem Unterricht und arbeite gerade zusammen mit einem Schüler an dessen Rede.

Da fällt es mir auf.

Woche neun. Wir sind schon in der neunten Woche dieses Terms. Die Zeit rennt! Das bedeutet, ich arbeite, mit dieser Woche noch eine weitere Woche, bis die Ferien beginnen. Meine Schulferien dauern zwei Wochen. Nach diesen zwei Wochen sind es noch genau drei Tage in Neuseeland bis mein Rückflug über Australien nach Deutschland ansteht. Erschreckend, wie schnell das geht. Die Zeit tickt und mir fällt auf, dass ich noch einige Dinge erledigen möchte, bevor mein Jahr in Neuseeland vorbei geht. Ich schreibe mir eine To-do Liste, um sicher zu gehen, nichts zu vergessen.

To-Do-Liste:

Schaf scheren

Traktor fahren

Laufen mit einem Husky √

Kiwi sehen

Tanz choreografieren und Schülern lernen √

Yoga unterrichten √

Netball im Team spielen √

noch einmal surfen gehen

Fiji

Melbourne

Sydney

Lake Sumner

alle Freunde noch einmal besuchen

Während ich alle Punkte durchgehe, wo, wann, wie und mit wem ich was mache, wird mir immer mehr klar, dass meine wunderschöne Zeit in Neuseeland langsam abläuft und es wohl die letzten Wochen sind, in denen ich Menschen, die ein wichtiger Teil meines Lebens geworden sind, nicht mehr so schnell wieder sehen werde. So schnell werde ich nicht mehr in einer englischsprachigen Schule mit Schuluniform, Maori-Unterricht, Netball und Rugby, als Learning Supporter arbeiten. So schnell wird mich niemand mehr mit „Kia ora!“ begrüßen oder am morgen das „Whakatauki“ gemeinsam aufsagen. Ich halte den Schul-Newsletter in der Hand und sehe in dessen Kalender am 26. Juli eingetragen: "Nils and Elisa, depart New Zealand". Der 26. Juli - Das ist in genau drei Wochen und 6 Tagen. Die Zeit rennt an mir vorbei und ich habe gemischte Gefühle. Einerseits freue ich mich auf Deutschland, andererseits möchte ich aber mein Leben in Neuseeland auch nicht aufgeben.

Nach meinem Netball-Training am Montag sammle ich die Springseile ein, um die Turnhalle aufzusperren und den Sicherheitscode auszuschalten während ich die Springseile nach dem Netball-Training aufräumen will. Just in dem Moment schaut mein Coach mich verwirrt an.

„Du hast einen Schlüssel für die Schule? Aber du weißt schon dass du nicht ohne die Alarmanlage auszuschalten reinkommst“

„Ja, alles gut, ich weiß den Code.“

„Wie, du weißt den Code?“

„Naja, ich bin Staff, ich arbeite hier.“

„Du bist Staff? Wie alt bist du denn?“

„20. Ich bin German Volunteer und arbeite als Learning Supporter. Deshalb ist diesen Samstag auch mein letztes Spiel weil ich nach den Ferien am Mittwoch ja schon auf dem Heimweg nach Deutschland bin.“ „Wirklich jetzt? Ich dachte, du bist ein Schüler von hier.“

So schnell wird man vom deutschen Volunteer zum neuseeländischen Schüler. Ich hätte ehrlich gesagt nichts dagegen, in Neuseeland zu wohnen, bin aber sehr froh darüber, kein Schüler mehr zu sein und nicht mehr mit Überraschungsexamen getestet zu werden. Am Mittwoch fragt mich ein Schüler, wie es mit damit geht zu wissen, dass ich sehr bald Abschied vom Hurunui College und meinem Leben in Neuseeland nehmen werde. Ich erkläre ihm, dass es heute noch nicht der Tag des großen Abschieds gekommen ist und ich noch eine kleine Zeit da bleiben werde. Er bemerkt, dass er einen wunden Punkt getroffen hat und wir konzentrieren und weiter auf das Unterrichtsfach. Abschied nehmen und zurück auf die andere Seite der Welt zu fliegen, fällt mir nicht leicht. Ich versuche, die Zeit im Hier und Jetzt zu genießen und so gut es geht meinen baldigen Abschied auszublenden. Natürlich freue ich mich auf meine Freunde und Familie zu Hause und vorallem auch, meinen Opa wieder zu sehen, der auch nicht mehr gerade jünger wird, trotzdem weiß ich auch, dass sich Vieles und auch ich selber mich in einem Jahr verändert habe und bin gespannt auf die Herausforderung, ob alle Puzzleteile wieder zusammen passen werden.

Doch im Augenblick bin ich noch hier in Neuseeland und genieße die Ruhe vor dem Sturm.

Elisa, aus Hawarden (Neuseeland)!

 
 

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