Auslandsblog Eintrag 2: Start in den Alltag (29. Oktober 2018)

Ich bin nun schon lang genug in Volda, einer kleinen Stadt am Fjord, um mich hier eingelebt zu haben und hier eine Art Alltag entwickelt zu haben. Und das, obwohl mein Stundenplan mich nur zwei Mal die Woche für jeweils einen halben Tag in die Hochschule schickt, was für mich zu Beginn sehr ungewohnt, aber natürlich auch schön war.

Meine Kurse hier sind nämlich Photo for Media und Visual Communication, also zwei sehr praktische Kurse. Meine Abgaben sind Woche für Woche Fotos zu verschiedenen Kriterien, die uns für die Arbeit als Pressefotografen vorbereiten sollen, und design-bezogene Aufgaben wie z.B. das Entwerfen von Postern und das Erlernen von verschiedenen gestalterischen Elementen. Beide Kurse machen mir viel Spaß und sind eine tolle Ergänzung zu meinem sehr wissenschaftlichen Studium in Augsburg. Für Medienstudenten bietet diese kleine Stadt wirklich erstaunliche Möglichkeiten und es ist kein Wunder, dass sich so viele frühere Erasmus-Studenten dafür entscheiden, für einen Master hierher zurückzukommen. Das liegt allerdings auch an den Menschen hier und der generellen Freundlichkeit, mit denen sowohl die Einheimischen als auch die anderen „Internationals“ sich hier begegnen.

Nach meiner Ankunft am Flughafen wurden ich und die anderen frisch Angekommenen von drei freiwilligen Mitarbeitern des internationalen Clubs in Volda, Pangaia, abgeholt und trotz der späten Stunde – unser Flug hatte Verspätung und wir waren erst nach Mitternacht gelandet – noch in ein Paar Details über unser Wohnheim eingewiesen. Dabei standen am nächsten Tag um 6 Uhr schon die nächsten „Abholungen“ an, wenn wieder jemand mit dem Nachtbus aus Oslo ankam.

Diese Hilfsbereitschaft in den ersten stressigen Wochen des Semesters und die Organisation von Trips und Veranstaltungen ist nicht in jeder Stadt so selbstverständlich, wenn es überhaupt so etwas wie einen internationalen Club gibt. So wurden zum Beispiel gleich zu Beginn ein Trip zum Gletscher Briskdalsbreen und eine Fahrt nach Aalesund, zur Registrierung bei der Polizei, organisiert und es werden jede Woche Yoga-Stunden angeboten, weil zufällig einer der Pangaia-Mitarbeiter in seiner Heimat Indien eine Yogalehrer-Ausbildung gemacht hat. Mitte November wird außerdem ein Hütten-Wochenende in einem Nationalpark im Inland für alle Internationals organisiert, das für uns komplett gratis ist. Zudem gibt es immer wieder „Ländernächte“, bei denen die Studierenden aus dem jeweiligen Land Spezialitäten kochen und ihre Heimat vorstellen.

Das bietet eine schöne Möglichkeit, von seinen Freunden mehr über die jeweiligen Länder zu erfahren, was über Stereotype hinausgeht. Trotz der beschränkten Ausgeh-Möglichkeiten bei nur einem wirklichen Club in der Stadt wird uns hier also nicht langweilig, auch wenn die Aktivitäten hier etwas anders sind, als wir, hauptsächlich in großen Städten Studierende, es gewöhnt sind.

Da die meisten von uns „Internationals“ in zwei nebeneinanderliegenden Wohnheimen im Ortskern untergebracht sind, haben wir uns alle schnell kennengelernt und unternehmen viel zusammen. Bald hatten sich ein wöchentlicher Brunch, regelmäßige Filmabende im Kinoraum der Uni und natürlich gemeinsame Wanderungen an den schönen Tagen etabliert.

In Volda bekommt man als Austauschstudent eine Unterkunft garantiert, was auch einen echten Luxus darstellt. Gerade in Norwegen ist es aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten sowieso sehr schwer, eine erschwingliche Unterkunft zu finden, ohne ein entsprechendes „norwegisches“ Gehalt zu beziehen. Dazu kommt, dass die meisten WGs und Wohnungen natürlich bevorzugt an längerfristig bleibende, meist norwegische, Studierende vergeben werden. In Städten wie Oslo stelle ich mir die Wohnungssuche ohne garantierte Unterkunft also sehr schwer vor und bin sehr froh, hier ein Zimmer zugeteilt bekommen zu haben, das normalpreisig ist – mit Blick auf den Fjord inklusive.

 

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