Auslandsblog Eintrag 2: Praktikum im Paradies (7. Januar 2019)

Seit etwa drei Wochen lebe ich jetzt in Guadalajara, einer wunderschönen mexikanischen Stadt im Kolonialstil und acht Stunden Fahrt von Mexiko Stadt entfernt. Nach dem Auslandssemester in Tijuana mache ich hier jetzt mein Praktikum in einer Reiseagentur, die sich auf Öko- und Abenteuertourismus spezialisiert hat. Abenteuertourismus lässt sich ja noch recht leicht verstehen, aber Ökotourismus? Bis vor ein paar Jahren konnte ich mir unter diesem Begriff noch nicht viel vorstellen, deshalb hier eine kurze Erklärung: Das Ziel von Ökotourismus ist, den Touristen die Vielfalt der Natur und der Kultur eines Landes nahe zu bringen und dabei auf Probleme und Gefahren aufmerksam zu machen, die die Naturlandschaften und das kulturelle Erbe gefährden. So sollen die Touristen lernen, zum Beispiel den Regenwald nicht nur als eine schöne und faszinierende Umgebung wahrzunehmen, sondern auch, wodurch er bedroht wird und wie man ihn schützen kann. Da mir der Umweltschutz sehr wichtig ist, das Reisen aber gleichzeitig eine meiner großen Leidenschaften ist, war ich sofort von der Idee eines Praktikums in diesem Bereich begeistert.

Immer was los in Guadalajara

Die Stadt Guadalajara habe ich schon während meiner ersten Tage im Büro ins Herz geschlossen: Viele Plätze mit kolonialer Architektur, auf denen immer was los ist, leckeres Essen aus aller Welt, bei dem auch Vegetarier und Veganer auf ihre Kosten kommen, viele Bars und kleine Cafés, Parks und Mandarinenbäume an jeder Ecke. Die WG, in der ich lebe, ist einerseits gemütlich, andererseits sind meine Mitbewohner aber auch allzeit bereit für Partys oder Ausflüge in die nahegelegenen Berge. Ich habe echt Glück! Auch die Aufgaben, die ich während meiner ersten Tage im Büro erledigen durfte, waren interessant und haben Spaß gemacht. Nach ein paar Tagen Büroarbeit und Kollegen-Kennenlernen stand auch schon die erste Reise an, die ich gemeinsam mit meinen beiden Chefs als Tourguide begleiten durfte. Das ist der Teil des Praktikums, auf den ich mich schon am meisten gefreut habe: Arbeiten, den Touristen die Natur und Kultur Mexikos nahebringen und gleichzeitig selbst noch mehr von diesem atemberaubenden Land kennenlernen.

Das Abenteuer beginnt

Am zweiten Weihnachtsfeiertag stand ich also um halb vier Uhr morgens voller Aufregung auf, um 16 Stunden Busfahrt nach Chiapas, einem Bundesstaat im Süden Mexikos an der Grenze zu Guatemala, anzutreten. Über eine Woche lang begleiteten meine beiden Chefs und ich eine 29-köpfige Reisegruppe, deren Mitglieder alle zur selben Familie gehörten. Wir schliefen in Hütten im Dschungel in Vallescondido, machten Rafting, besuchten beeindruckende Wasserfälle, Canyons und faszinierende Mayatempel. Mein Chef weiß als erfahrener Tourguide natürlich jede Menge über die Geschichte und Kultur der Maya und über das Leben in Chiapas, sodass ich mein Wissen über diese Themen noch einmal erweitern und vertiefen konnte. Doch natürlich war ich nicht zum Urlaub machen hier, sondern war vor allem für die Sicherheit der Touristen und den reibungslosen Ablauf der Tour zuständig. Deswegen habe ich auch einige Sicherheitseinweisungen bekommen, wurde mit unserer Sicherheitsausrüstung vertraut gemacht und musste jederzeit ein Auge darauf haben, dass niemand verloren geht oder in eine gefährliche Situation gerät. Auch wenn etwas mehr als die Hälfte der Gruppe Erwachsene waren, fühlte ich mich manchmal trotzdem wie eine Kindergärtnerin. Schließlich gelangten wir nach San Cristobál de las Casas, einem sogenannten "pueblo magico". Und magisch ist diese kleine Stadt wirklich, voller Geschichte und Kultur. Es war ein ganz besonderes Gefühl, durch die Straßen San Cristobáls zu flanieren und gleichzeitig war es schön, nach Tagen voller Action etwas abschalten zu können. Über die Geschichte von San Cristobál und Chiapas durfte ich unserer Reisegruppe dann zum ersten Mal selbst einen Vortrag halten - und das komplett auf Spanisch. Ich war ganz schön nervös, wie immer, wenn ich vor vielen Leuten sprechen muss, aber es hat sich gelohnt, sich an den Vortrag ranzutrauen: Am Ende bekam ich Applaus und Komplimente für mein Spanisch und ich merkte mal wieder, dass ich vor und während Vorträgen eigentlich gar nicht immer so aufgeregt sein muss.

Mit den Teilnehmern unserer Reisegruppe verstand ich mich auch richtig gut, weswegen ich traurig war, als wir uns nach etwas mehr als einer Woche gemeinsamer Reise voller unvergesslicher Erlebnisse und Eindrücke verabschieden mussten. Aber gleichzeitig bin ich schon voller Vorfreude darauf, zu welchen unglaublichen Orten Mexikos mich mein Praktikum noch führen wird. Andererseits bin ich auch froh, jetzt erstmal wieder ein paar Wochen in Guadalajara zu sein, die Stadt noch besser kennenzulernen, neue Freunde zu finden und es etwas ruhiger als die letzten Wochen, in denen ich von Tijuana nach Guadalajara gezogen bin und mein Praktikum begonnen habe, angehen zu lassen.

 

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