Ausgebremst im ersten Quartal Corona-Krise trifft deutsche Wirtschaft hart

Ein Bauarbeiter auf einer Baustelle in Niedersachsen. Im Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Foto: Christophe Gateau/dpa/dpa

Geschlossene Grenzen und Geschäfte, Stillstand der Produktion. Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft global mehr oder weniger lahmgelegt. Das bekommt auch Europas größte Volkswirtschaft zu spüren.

Frankfurt/Berlin - Die Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft Ökonomen zufolge im ersten Quartal ausgebremst. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben seit Mitte März in Teilen zum Erliegen.

Wie stark das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist, gibt das Statistische Bundesamt heute anhand vorläufiger Daten bekannt. Ökonomen rechnen mit einem Rückgang zwischen 1,8 und 2,5 Prozent.

Im Euroraum war die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal nach ersten Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat um 3,8 Prozent geschrumpft. Es war der stärkste Rückgang im gemeinsamen Währungsraum seit Beginn der Erhebungen 1995.

Die Talsohle ist nach Einschätzung von Volkswirten aber noch nicht erreicht. Der Rückgang im zweiten Quartal, als die Corona-Maßnahmen stärker durchschlugen, dürfte heftiger ausfallen. "Der Tiefpunkt der Krise dürfte mit dem April jetzt zwar hinter uns liegen, der Anstieg wird sich aber nur allmählich vollziehen, und von Normalität kann noch für längere Zeit keine Rede sein", sagte jüngst Stefan Kooths, Konjunkturchef am Institut für Weltwirtschaft. Volkswirte der Deutschen Bank rechnen mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal um 14 Prozent. Ökonomen der Förderbank KfW sagten Europas größter Volkswirtschaft "einen langen Weg aus dem Corona-Tal" voraus.

Im Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach 2020 um 6,3 Prozent schrumpfen, auch wenn es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen sollte. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 sank das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent. Die weltweite Corona-Krise mit unterbrochenen Lieferketten belastet den deutschen Export, aber auch den privaten Konsum.

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Kurzarbeit drückt auf die Stimmung der Verbraucher. Das Konsumklima sank nach Angaben der Nürnberger Marktforscher GfK jüngst auf einen historischen Tiefstand. Die Corona-Pandemie könnte die Kauflaune der Menschen noch längere Zeit beeinflussen: Jeder Dritte glaubt einer GfK-Befragung zufolge, dass sich seine finanzielle Situation in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird.

In der Vergangenheit hatte vor allem die Kauflaune der Verbraucher Europas größte Volkswirtschaft am Laufen gehalten. Der Außenhandel hatte bereits 2019, belastet von internationalen Handelskonflikten und der Abkühlung der Weltkonjunktur, an Tempo verloren.

 

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