Auftritt in Passau Auf an Ratsch mit Stephan Zinner

Schauspieler Stephan Zinner im Talk mit NIEDERBAYERN TV Moderator Andreas Reichelt. Foto: Michael Mone

Er ist in Deggendorf stundenlang im Stau gestanden. Gerade noch rechtzeitig für einen schnellen Soundcheck huscht er herein, doch als er sich dann zum Talk stellt, ist er schon wieder gut gelaunt. Wir sprechen über seine Anfahrt, Privates und gemeinsame Bekannte. Schon nach wenigen Sätzen wird deutlich, was für ein netter Mensch Stephan Zinner ist.

Wenn von Stephan Zinner die Rede ist, geht es meist um seine Rolle als „Simmerl“ in den Eberhofer-Filmen. Sebastian Bezzel erzählte im NIEDERBAYERN TV Talk bereits vom tollen Ensemble der Kino-Hits. Auch Hannes Ringlstetter spricht oft von seinem Freund, den er wie in alten Pausenhof-Zeiten einfach „da Zinna“ nennt. Indizien dafür, dass sich der Schauspieler, Kabarettist und Musiker selbst nicht zu wichtig nimmt.

Wie so oft stellen sich diese Eindrücke als zutreffend heraus. Wer sich mit Stephan Zinner nicht verträgt, ist selbst schuld. Denn er ist am Boden geblieben. Ein Beispiel?

Bluesmusiker aus Leidenschaft

Ich treffe Stephan anlässlich eines Auftritts in Passau im Herbst 2022. Ein Blues-Konzert will er geben. Nun haben Bayern und Bluesmusiker zwar den Süden des eigenen Landes gemein, aber damit sind die Ähnlichkeiten im Grunde bereits aufgebraucht. Nachdem er also mit seinem Kompagnon Peter Pichler Banjo und Co. aufeinander abgestimmt hat, spreche ich ihn auf die eigentümliche Genre-Wahl an. Er erzählt keine intellektuellen Geschichten vom Blues als Wurzel vieler anderer Musikrichtungen und rezitiert keine musikwissenschaftlichen Analysen von großartigen Blues-Legenden.

„Bei der Musik bin ich einfach geblieben“, antwortet er lapidar. „Man hört mal Pop, hat eine Hardrock-Zeit, aber der Blues ist die Musik, auf die ich immer wieder zurückkomme.“ Dann versucht er, seinen Stil zu beschreiben. Cedric Burnside dient ihm hier als Bezugsgröße.

„Ich tue mein Bestes, aber das ist natürlich weit weg: So richtigen Mississippi-Delta-Blues kann man nur spielen, wenn man von dort ist“, ergänzt er bescheiden. „I dua hoid so anispuin.“ Stephan Zinner hat Spaß an der Musik. Es geht ihm nicht darum, damit zu beeindrucken. Dabei gäbe es durchaus Grund, stolz zu sein.

Schauspieler Zinner

In seinen Rollen bei den Eberhofer-Filmen oder den Rosenheim Cops ist er meist Sympathieträger. Doch oftmals ist dies eben nur der Rolle geschuldet. Im wahren Leben sind Schauspieler manchmal anstrengend, egozentrisch geradezu. Und das nicht nur für Journalisten. Doch Stephan Zinner ist da anders.

Ich erzähle ihm von meinem Gespräch mit Sebastian Bezzel, der von seiner Begeisterung für das Eberhofer-Team berichtete. Ob er Sebastian Bezzels Haltung teilt? „Naa, der Sebastian liagt!“, lacht er. „Nein, es ist wirklich eine gute Truppe. Entschuldige, gerade beim Film gibt’s schon ein paar Vögel wo ich sage: ‚Aha!‘ Und die hamma ned. Und deshalb macht es immer Spaß, da hin zu fahren.“ Auch die Produktionsfirma und der Regisseur haben es ihm angetan.

Gerade zu Sebastian Bezzel und Lisa Maria Potthoff pflegt er ein gutes Arbeitsklima. „Die sind halt nett und gut. Das ist eine Kombination, wie in fast jedem Job: Wenn Du merkst, des basst a so, und dann kann der oder die auch noch was, das ist dann ein sehr gutes Arbeiten.“

Stephan Zinner lobt sich nicht selbst, sondern spricht gut über andere. Ein eher selten gewordener Charakterzug.

Ob er nun auf der Theaterbühne steht, für TV oder Kino dreht oder als Musiker auf der Bühne steht, Stephan Zinner liebt die Abwechslung. „Ich empfinde es als großen Luxus, dass ich mal wechseln kann“, sagt er. „Das macht schon Spaß!“ Schön, wenn Diversität mal unpolitisch und frei von konfliktträchtigen Anhaftungen daherkommt.

Spaßvogel durch und durch

„Mei Spezi“, so beschreibt Stephan Zinner sein Verhältnis zum Kollegen Hannes Ringlstetter. Ihre gemeinsamen Bühnenauftritte leben nicht nur von der Musikalität beider. Eher ist es die Idee von zwei Freunden, die einen netten Abend haben und dabei viel lachen, die das Publikum begeistert. „Mit dem Hannes auf der Bühne, das funktioniert super!“

Dabei geht es dem Künstler nicht nur darum, mit Humor sein Geld zu verdienen. Auch stehen nicht seine Auszeichnungen für die Kaberattprogramme im Vordergrund, mit denen er bereits geehrt wurde. Gerade in etwas härteren Zeiten dürfe man den Humor nicht verlieren. „Es gibt Situationen, wo das nicht mehr geht“, ergänzt er. „Aber bis dahin, sollte man versuchen, dem Ganzen mit Optimismus und Humor gegenüberzutreten.“

Dabei sieht er sowohl im Kabarett als auch in der Schauspielerei einen gesellschaftlichen Nutzen. „Es ist ein gewisser Auftrag, dass die Kolleginnen und Kollegen rumfahren und Kaberatt spielen, Musik machen, Theater machen, mal einen Fernsehfilm machen. Damit man da eine gewisse andere Welt auch noch hat. Und die ist nicht banal, sondern die ist wichtig.“

Stephan Zinner erzählt weiter von einem Nacht-Dreh, der ihm noch in den Gliedern steckt. Zusammen mit dem „Original-SEK“ habe er gedreht. In solchen Situationen muss sich das Fernsehteam nach dem Zeitplan der Polizeibeamten richten. „Die haben ja auch wichtige Sachen zu tun“, lacht er.

Familienmensch durch und durch

Fast nebenbei ist er mit einem Kollegen zusammen auf literarischer Tour und begeistert seine Zuhörer mit Wirtshaus-Geschichten. Mit seinen zahllosen Begabungen und Interessen kommt er viel herum. Dennoch hängt sein Herz an seiner Frau und den drei Kindern. Beruf und Familie miteinander zu vereinen, ist aber auch für ihn eine Herausforderung.

„Die haben schon ein gewisses Alter erreicht. 13, 17, 22. Dann geht das schon. Es gab natürlich Phasen, die waren furchtbar“, lacht er. Die Erziehung seines Nachwuchses sei von verschiedenen Phasen geprägt gewesen. „Da sagst auch mal: ‚Ich fahre gern auf Tour!‘“, schmunzelt er. „Das gehört aber auch dazu. Das muss man miteinander hinbekommen. Dafür hat man ja eine Ehe und eine Familie.“

Stephan Zinner ist sehr umtriebig. „Einen Monat in Bibione am Strand zu liegen, das wäre schwierig. Das ist nicht meins.“ Sobald er zur Ruhe kommt, fängt er schon wieder an, Songs zu schreiben. Oder er wird für das nächste Programm aktiv. Von dem Universalkünstler wird es also noch viel zu sehen und zu hören geben. 

Dieser Artikel stammt aus dem NIEDERBAYERN TV Magazin, Ausgabe 14.

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