Auf Entdeckungstour rund um Nürnberg Vom Treideln bis zur Tropfsteinhöhle

Die Burg Hohenstein gilt als Geheimtipp. Foto: Axel Scheibe

Fast stoisch setzt er einen Huf vor den anderen. Aus der Ruhe bringt Hias, so der Name des schweren Kaltblüters, so schnell nichts. Ihm ist kaum anzusehen, was er da leistet.

Immerhin bringt es der rund 100 Jahre alte Holzkahn Elfriede, den Hias zieht, mit einigen Dutzend bestens gelaunter Passagiere auf einige Tonnen Gewicht. Zum Treideln braucht es gerade solche Pferde.

Waren es bis in die 1950er-Jahre hinein eher Waren, die von ihnen auf dem Kanal befördert wurden, sind diese kurzen Treidelfahrten heute Gaudi für Gäste. Da fließt manch Bier durch durstige Kehlen, manche Brezel wird verdrückt und zur mitreißenden Musik manch Lied angestimmt. All das stört Hias ebenso wenig, wie seinen "menschlichen Begleiter" Thomas Marx. Knapp zwei Kilometer lang ist die Strecke auf dem alten Ludwig-Donau-Main-Kanal, die eine Reise in die Vergangenheit erlaubt. Gestartet wird am Biergarten "Zum Ludwigskanal", wo die Reise nach rund einer Stunde voller Spaß endet. Wo kann man heute sonst noch auf Treidel-Spuren unterwegs sein? Ein guter Grund für viele, doch einmal im Nürnberger Land vorbei zu schauen. Das heißt dann, die bekannte Bier-, Würstchen- und Lebkuchenstadt in Richtung Osten zu verlassen...

Der gleichnamige Landkreis hat auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometern viel zu bieten. Den besten Überblick über die Mittelgebirge der Fränkischen Alp hat man vom höchsten "Gipfel" der Region (634 Meter), von der Burg Hohenstein. Heute ist die Burg aus der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts ein kleines Schmuckstück und wohl noch ein Geheimtipp.

Wallenstein-Festspiele finden regelmäßig statt

Überraschend auch, was sich im wahrsten Sinne des Wortes alle drei Jahre in Altdorf abspielt. Das hübsche, kleine Städtchen hatte einst eine eigene Universität. Davon ist zwar nicht viel geblieben, doch ein Name hält diese Zeit lebendig: Albrecht von Wallenstein. Der große Kriegsherr aus dem 17. Jahrhundert hat in Altdorf die Universität besucht. Zwar nur ein Semester lang, dann ist er wegen "unbotmäßigen" Verhaltens geflogen, doch ist das für die Altdorfer allemal ein guter Grund für ihre regelmäßigen Wallenstein-Festspiele. An fünf Wochenenden können Schaulustige zwei sehr unterschiedliche Theaterstücke sehen. Hunderte Mitwirkende lassen diese Zeit lebendig werden. Keine professionellen Schauspieler, nein Laien, perfekt geführt von einem professionellen Regisseur sorgen für Hochspannung im romantischen Innenhof der ehemaligen Uni. Und nicht nur dass, an den Festspielwochenenden versetzt das mittelalterliche Lagerleben im Ortskern die ganze Altstadt zurück in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Rund 1.000 Darsteller sorgen für das entsprechende Feeling. Das nächste Mal übrigens 2021. Nicht ganz Alltägliches erwartet Interessierte auch im kleinen Dörfchen Oberrieden. Etwas versteckt in einer Seitenstraße laden Glas-Stadl und Glas-Garten von Elgin und Bernd Kriegisch zu einem farbenfrohen Rundgang zu kleinen und größeren gläsernen Kunstwerken ein. Glas-Fusing nennt sich die ganz spezielle Veredlungskunst, die fantastische Ergebnisse produziert.

Weniger für Kinder geeignet dürfte dagegen die alte Tradition des Kommunbrauens sein, die in Neuhaus nicht zuletzt von den "Hombienen" Kristina Arz und Kerstin Döhring gepflegt wird. Ihre Gaststätte in Neuhaus ist eine von nur noch zweien im Ort, die diese Tradition am Leben erhalten und im vierzehntägigen Wechsel ihr eigenes Kommunbier ausschenken. Ein gutes Bier, ein kleiner Snack dazu und viel Gemütlichkeit, so lässt sich die Genussregion Franken bestens genießen. In diesem Zusammenhang hat Neuhaus im nördlichen Zipfel des Nürnberger Landes gleich noch etwas zu bieten. In der Maximiliansgrotte, einer sehenswerten Tropfsteinhöhle, reift seit einigen Jahren der Rottenkäse. Eine Spezialität, die nicht nur durch den ungewöhnlichen Reifeort den Versuch lohnt. Heiko Lohner vom Gasthof Grottendorf kümmert sich mit Begeisterung um diese Käsevariante, die es auch nur in seinem Gasthof zur Brotzeit gibt. Die Höhle selbst, unweit des Gasthofes, ist stündlich zur Führung durch das Untertagesreich geöffnet.

Um Schmackhaftes auf dem Teller geht es im Nürnberger Land natürlich ständig. Vegetarier kommen dabei nicht zu kurz, doch hiesige Essenstraditionen betonen letztlich doch anderes. So gehört ein leckeres Schäufele - flache Schweineschulter - unbedingt dazu. Ausgangspunkt für eine Werbeidee, die sich seit einigen Jahren ganz auf Waldemar Bogner konzentriert. Als Schäufelekönig präsentiert er die Region auf Großveranstaltungen und Messen in nah und fern.

Auch als Urlauber kann man viel dafür tun, dass sich die typische, aber halt nicht gerade kalorienarme fränkische Küche nicht gar zu sehr auf die Hüften legt. Hunderte Kilometer bestens ausgeschilderter Wanderwege stehen bereit. Darunter der Frankenalp Panoramaweg, der in Etappen zu Tagestouren einlädt oder auch der Fränkische Dünenweg. Und, das muss sein, auch Wallenstein ist eine der Touren gewidmet.

Nicht zu vergessen: Auch Technikinteressierte kommen zu ihrem Recht. In der Stadt Lauf, die ohne Zweifel zu den attraktivsten in der Region gehört und deshalb durchaus auch zu einem Einkaufsbummel einlädt, gibt es ein Industriemuseum, das für die gesamte Familie zum Erlebnis werden kann.

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