Söderholm zögert Zukunft des deutschen Eishockeys ist ungewiss

Die Frage, ob Toni Söderholm der Trainer der deutschen Eishockeynationalmannschaft bleibt, ist noch offen. Foto: picture alliance/dpa

Im deutschen Eishockey ist nach der großen Olympia-Enttäuschung die Zukunft ungewiss. "Es sind schwere Zeiten für alle", sagte DEB-Chef Franz Reindl nach dem enttäuschenden zehnten Platz der Silbermedaillengewinner von 2018 bei den Winterspielen in Peking dem Sport-Informations-Dienst.

Der unter Druck geratene Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), der zu Hause geblieben war, meinte damit zwar den sportlichen Absturz in China, doch die Einschätzung trifft auf die gesamte Gemengelage zu: Toni Söderholm, der das Nationalteam spielerisch weiterentwickelte, ins WM-Halbfinale und auf Platz fünf in der Weltrangliste führte, hat seinen auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert. Und Reindl, wegen seiner Doppelrolle als ehrenamtlicher Präsident und bezahlter Geschäftsführer einer Tochterfirma und möglichen Interessenskonflikten verbandsintern unter Beschuss und im Visier der Staatsanwaltschaft, stellt sich bei der Mitgliederversammlung im Mai nach acht Jahren im Amt voraussichtlich nicht wieder zur Wahl.

''Nicht in Spielerhand''

"Die Gespräche mit Toni haben jetzt Priorität", sagte Reindl, der seinen Rückzug angedeutet, aber noch nicht bestätigt hat: "Ich bin neugierig auf seine Analyse." Der Finne, der Ende 2018 die Nachfolge des Silberschmieds Marco Sturm antrat, liebäugelt nach einer Hospitanz in der NHL mit einem Wechsel ins Klub-Eishockey, sorgt sich auch um die künftige Aufstellung des Verbandes. Die Finanzen sollen ebenfalls ein wichtige Rolle spielen.

Erste Gespräche vor Olympia seien "gut und zielführend" gewesen, meinte Reindl: "Ich stehe 100-prozentig hinter ihm." Auch die Spieler würden ihren Trainer gerne behalten. "Es ist klar, dass wir uns alle wünschen, dass Toni weitermacht", sagte Kapitän Moritz Müller, "aber das ist nicht in Spielerhand." Auch Sturm machte sich für einen Verbleib stark. "Er tut der Mannschaft gut", sagte er dem SID. Söderholm habe "einen super Job gemacht. Er hat das weitergeführt und auch besser gemacht, was wir vor vielen Jahren begonnen haben".

''Nicht unser Turnier''

Sportdirektor Christian Künast reagierte dagegen auf die Trainerfrage allergisch. "Die absolut falsche Frage zum falschen Zeitpunkt", entgegnete der ehemalige Nationaltorhüter, der intern und extern durchaus kritisch gesehen wird. Seine Olympia-Analyse erschöpfte sich in der Aussage: "Es war einfach nicht unser Turnier."

Der 50-Jährige ist seit einem Jahr Nachfolger von Stefan Schaidnagel, der die Trainerausbildung und die Nachwuchsarbeit reformierte. Der Sportwissenschaftler wählte den Oberliga-Trainer Söderholm als Sturm-Erbe aus, schob den damaligen U20-Trainer Künast zu den Frauen ab - und musste dann unter dubiosen Umständen gehen.

Vor Zerfall gerettet

Reindl, der 2014 den fast bankrotten DEB übernahm und wieder auf solide Füße stellte, die Profiliga DEL zurück in den Verband holte und ein langfristiges sportliches Konzept aufstellte, steht juristisch unter Druck, weil er zeitweise indirekt durch Gelder des Vermarkters Infront bezahlt worden sein soll. In der kommenden Woche sollen die Ergebnisse der Untersuchung der Kölner Kanzlei Verte vorliegen. Der Fall Reindl beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft: Hendrik Ansink, Chef des hessischen Verbandes, hatte Anzeige erstattet.

 
 
 

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