Atomkonflikt Atomabkommen mit Iran: USA-Angebot weckt Hoffnung

US-Präsident Joe Biden erklärt sich bereit, mit den Iranern über das Atomabkommen zu sprechen. Foto: Evan Vucci/AP/dpa/dpa

Kann das Aus für das Atomabkommen mit dem Iran doch noch abgewendet werden? Nach Ankündigungen der neuen US-Regierung keimt Hoffnung. Der Iran stellt allerdings Bedingungen.

Bei den Bemühungen zur Rettung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran (JCPOA) gibt es erstmals seit langem wieder etwas Hoffnung.

'Nachdem sich die neue US-Regierung öffentlich zu Gesprächen bereiterklärt hatte, schloss am Freitag auch der Iran ein Treffen nicht aus. Ein Sprecher des Außenministeriums forderte allerdings, dass die USA zuvor die während der Amtszeit von Präsident Donald Trump eingeführten Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft wieder aufheben müssten.

Die Bundesregierung begrüßte die Ankündigungen aus den USA. "Das sind ganz ausdrücklich sehr, sehr gute Nachrichten, die vielleicht einen Weg zurück zeigen zum JCPOA", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. "Da ist Bewegung drin. (...) Wir würden uns wünschen, dass jetzt auch aus Teheran ganz konkrete Signale kommen, wo man sagt, wir setzen uns jetzt an einen Tisch und wir wollen konstruktiv für dieses Nuklearabkommen arbeiten."

Das internationale Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe hatte zuletzt vor dem Aus gestanden, weil die USA unter Trump einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen waren und Sanktionen wieder eingeführt hatten. Der Iran reagierte darauf, indem er - nach einer einjährigen Wartezeit - mehr und mehr Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht mehr einhielt. So begann er mit einer höheren Urananreicherung sowie der Produktion von Uranmetall. Außerdem arbeitet er nun mit schnelleren Zentrifugen und lagert weitaus mehr Uran als erlaubt.

Die Regierung in Teheran rechtfertigte die Schritte damit, dass ihr für die Einschränkung ihres Atomprogrammes eine Aufhebung der wirtschaftlichen Isolierung versprochen worden war. Weil die USA auch Unternehmen aus der EU und anderen Staaten mit Sanktionen bedrohen, machen aber kaum noch ausländische Unternehmen mit dem Iran Geschäfte.

Trump wollte den Iran mit maximalem Druck dazu zwingen, ein neues Atomabkommen mit schärferen Auflagen auszuhandeln. Außerdem sollte dieses neue Abkommen auch auf das Raketenprogramm des Landes ausgeweitet werden. Die Führung in Teheran lehnte dies alles ab.

Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus deutet sich nun ein Kurswechsel der USA an. Die USA würden eine mögliche Einladung des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell zu einem Treffen mit Vertretern des Irans und der übrigen sechs Abkommensstaaten annehmen, um gemeinsam nach einer diplomatischen Lösung zu suchen, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington am Donnerstag. Als Zeichen des guten Willens nahm die Regierung von Joe Biden auch eine Forderung der Vorgängerregierung an den UN-Sicherheitsrat nach Wiedereinsetzen der internationalen Sanktionen gegen den Iran zurück.

Ob das der Regierung in Teheran Iran reicht, blieb zunächst allerdings unklar. Der Iran werde nicht auf "Gesten" reagieren, sondern auf konkrete Taten, erklärte Außenamtssprecher Said Chatibsadeh am Freitag. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte auf Twitter den englischen Hashtag "#CommitActMeet" gepostet. Auf der persischen Seite des Außenministeriums bei Instagram wurde der Hashtag erklärt: Wenn die USA ihren Verpflichtungen nachgehen sollten und in der Praxis die Sanktionen aufheben würden, wäre der Iran zu einem Treffen bereit.

Beobachter in Teheran sind der Ansicht, dass der Iran ungeachtet der geäußerten Vorbedingungen eine Einladung der EU zu einem Treffen mit den fünf UN-Vetomächte plus Deutschland annehmen würde. Dafür spricht auch ein Telefonat des Präsidenten Hassan Ruhani mit EU-Ratspräsident Charles Michel am Mittwoch. "Der EU-Außenbeauftragte (Josep Borrell) sollte erneut die Rolle des Koordinators übernehmen und die notwendigen Schritte zur Rettung des Wiener Abkommens machen", sagte Ruhani in dem Gespräch mit Michel. Ein Sprecher Borrells machte am Freitag klar, dass die EU bereit sei, zu einem Treffen einzuladen.

Israel bekräftigte unterdessen seine Ablehnung des Atomabkommens. "Die Position Israels zum Atomabkommen hat sich nicht verändert", erklärte das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Israel gehe davon aus, dass eine Rückkehr zum alten Abkommen dem Iran den Weg zu einem Nukleararsenal bereite. Israel sieht sich vom Iran existenziell bedroht. Netanjahu wirft Teheran vor, trotz des Atomabkommens heimlich weiter den Bau von Nuklearwaffen angestrebt zu haben.

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