Artenschutz leicht gemacht Per Mausklick zur Blüh- oder Bienenpatenschaft

Thomas Arnold (links) und Edmund Wurm wollen den Blühflächen und dem Artenschutz mit einer Internetplattform auf die Sprünge helfen. Foto: privat

Geht es nach so manchem Landwirt in Ostbayern, dann soll es in diesem Jahr grünen und blühen auf seinem Feld wie schon lange nicht mehr. Viele sind auf der Suche nach Blühpaten für landwirtschaftliche Flächen und wollen so in Sachen Artenschutz in Vorleistung gehen. Mit einer Vermittlungsplattform möchten Edmund Wurm und Thomas Arnold aus dem Landkreis Straubing-Bogen nun für zwei Dinge sorgen: dass sich Paten und Landwirte schneller finden, und dass das Ganze wirklich nachhaltig ist.

Die Idee, eine landwirtschaftliche Fläche mithilfe von Patenschaften in ein blühendes Bienenparadies zu verwandeln, hat in den vergangenen Wochen eingeschlagen wie eine Bombe. Ein Landwirt im Landkreis Straubing-Bogen hat damit angefangen, viele andere ziehen nach. Das wiederum hat Wurm auf eine ganz eigene Idee gebracht. Zu deren Umsetzung hat er sich seinen Schwager Thomas Arnold an die Seite geholt - einen Fachmann in Sachen Marketing.

Die Grundidee: Wurm ist selber Nebenerwerbslandwirt und hat von Kollegen mitbekommen, dass das mit den Blühpatenschaften nicht so leicht ist, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört. Landwirt und Pate müssen erst einmal zueinanderfinden. Außerdem ist der bürokratische Aufwand nicht gerade wenig. Und genau da setzen Wurm und Arnold mit ihrem Konzept an: Möchte ein Landwirt eine Fläche für eine Blühpatenschaft anbieten, dann muss er sich nur auf der Plattform anmelden. Den Rest übernehmen dann die beiden.

Freiwillig etwas für den Artenschutz tun

"Wir wollen jedem, dem ein generationsgerechter Umgang mit unserer Natur wichtig ist, die Möglichkeit bieten, sich aktiv für die Verbesserung unserer Lebensräume zu engagieren", erklären Arnold und Wurm. Dabei setzen sie vor allem auf eins: Freiwilligkeit. Durch Blühpatenschaften sorgen Landwirte und Bürger Hand in Hand dafür, dass Landwirtschaft in Zukunft ökologischer und die Artenvielfalt erhalten wird, ohne dass zusätzliche Gesetze, Vorschriften oder Subventionen notwendig werden.

So funktioniert es: Wurm und Arnold suchen mithilfe der Plattform Paten für die Blühflächen. Sobald sie eine Fläche komplett vermittelt haben, zahlen sie dem Landwirt eine Entschädigung in Höhe von 2.000 Euro (brutto) pro Hektar und Anbaujahr.

Kein Pflanzenschutzmittel, kein nitrathaltiger Dünger

Im Gegenzug verpflichtet sich der Landwirt unter anderem dazu, dass er bis zum 1. April des Vertragsjahres auf seine Kosten eine Blühfläche anlegt und während des Anbaujahres die Fläche nicht landwirtschaftlich bearbeitet wird. Es dürften kein Pflanzenschutzmittel und kein nitrathaltiger Dünger ausgebracht werden und jeden Monat muss der Landwirt ein aktuelles Foto der Blühfläche bereitstellen. Am Feldrand ist ein Hinweisschild "Bienen-Pate-Bayern" gut sichtbar aufzustellen, das der Landwirt zur Verfügung gestellt bekommt.

Wer Blühpate werden möchte, kann das ab einem Betrag von 28 Euro im Jahr für 100 Quadratmeter. Dafür bekommt er eine Patenschaftsurkunde und den Standort "seiner" Blühfläche mitgeteilt, damit er die vor Ort auch anschauen kann. Wem das zu aufwendig ist, der kann einfach auf die Blühpatenschafts-Homepage gehen. Dort werden monatlich Bilder der Blühflächen veröffentlicht. Übrigens: Die Blühpatenschaften können auch verschenkt werden.

So soll es nachhaltig werden: Damit der Einsatz für den Artenschutz nicht nach einem Jahr mit der letzten Wildblume verblüht, setzen Arnold und Wurm auf drei Dinge:

Langfristigkeit: Für ihr Projekt bevorzugen die beiden vor allem Flächen, die nicht nur ein Jahr, sondern länger für Blühpatenschaften zur Verfügung gestellt werden. "Wir freuen uns natürlich über jeden, und jeder darf sich bei uns melden. Aber wenn wir ehrlich sind, dann ist mit einem Jahr für den Artenschutz nicht viel gewonnen", sagt Wurm. Gerade haben die beiden einen Landwirt gewinnen können, der ein Grundstück für fünf Jahre zur Verfügung stellt. "So was ist natürlich klasse", sagt Wurm.

Lage der Flächen: Was ebenfalls zur Nachhaltigkeit beitragen soll, ist die Lage der Flächen. Grundstücke, die sich in sogenannten "roten Gebieten" befinden, also in Gebieten, in denen die Nitratbelastung des Grundwassers durch Düngung extrem hoch ist, werden laut Wurm und Arnold bei der Vergabe von Blühpatenschaften bevorzugt. "Damit wird nicht nur die Artenvielfalt gefördert, sondern auch die Grundwasserqualität verbessert." Optimal geeignet seien außerdem kleine, unwirtschaftliche Flächen, weil die länger als Blühflächen zur Verfügung gestellt werden können.

Imker: Die neu geschaffenen Blühflächen werden Imkern kostenlos als Standorte für ihre Bienen zur Verfügung gestellt. Außerdem besteht die Möglichkeit, Patenschaften für Bienenvölker zu übernehmen. Will ein Imker das nutzen, kann er sich ebenfalls auf der Plattform melden. Das Gleiche gilt für potenzielle Bienenpaten. Eine Bienenpatenschaft kostet 58 Euro pro Volk und Jahr, 50 Euro davon gehen an den Imker. Die Paten erhalten neben einer Urkunde und einem namentlichen Vermerk auf dem Bienenstock auch ein Glas Honig pro Jahr vom "eigenen" Bienenvolk.

Weitere Infos gibt es auf der
Patenschafts-Plattform unter
www.bienen-pate-bayern.de

 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos