Architekturforscher aus Dingolfing Das Coronavirus ist ein bauliches Problem

Wie müssen Wohnmöglichkeiten für Erntearbeiter beschaffen sein? Dr. Mark Kammerbauer beschäftigt sich mit dieser Frage aus wissenschaftlicher Sicht. Foto: Manfred Antranasius Zimmer auf Pixabay

Nach den Corona-Ausbrüchen bei Tönnies und Wiesenhof und dem aktuellen Vorfall in Mamming kann und wird man nach den üblichen Verdächtigen suchen. Ein wesentlicher Komplize wird dabei außer Acht gelassen: der gebaute Raum, der mit der Billigproduktion von Nahrungsmitteln verschränkt ist. Der aus Dingolfing stammende und in München arbeitende Architekturforscher und Urbanist Dr.-Ing. Mark Kammerbauer hat in einem Aufsatz den Einfluss von Baurecht, Bauleitplanung und Architekten auf die baulichen Rahmenbedingungen thematisiert.

Ob Tönnies, Wiesenhof oder Mamming: Kammerbauer erkennt hier das Aufspannen eines räumlich-sozialen Gewebes, dessen menschliche Komponente die ausgebeuteten Wanderarbeiter aus Osteuropa umfasst, die unter prekären Verhältnissen womöglich in der Nähe zum Arbeitsplatz in Massenunterkünften untergebracht werden. Am Arbeitsplatz leisteten sie eng an eng ihren Dienst, damit die Gesellschaft billig Lebensmittel einkaufen kann. "Es wird in einem Umfeld gelebt, gewohnt und gearbeitet, das Muster räumlich ständiger Verwundbarkeit abbildet und das räumlich nicht an die Coronakrise angepasst ist", heißt es in der wissenschaftlichen Abhandlung.

 

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