Archäologie Großes Ägyptisches Museum: Dauerbaustelle an den Pyramiden

Arbeiter reinigen den Bereich neben der riesigen Statue des ägyptischen Pharaos Ramses II. in der Halle des Großen Ägyptischen Museums. Foto: Hassan Mohamed/dpa

Ein Louvre der Archäologie soll es werden, ein monumentaler Bau für antike Schätze. Aber wann das Große Ägyptische Museum endlich öffnet, ist auch zehn Jahre nach dem Start der Bauarbeiten immer noch unklar.

Eine Art kolossaler Fächer aus hellem Beton, Stahl und Glas liegt am Wüstenhang, auf dem Plateau dahinter die Pyramiden von Giseh. Das Große Ägyptische Museum nimmt Form an, schon jetzt lässt sich ahnen, wie Schülergruppen und Touristen sich auf dem Vorplatz neben Palmen tummeln werden.

Zehn Jahre nach Start der Bauarbeiten bleibt nur die Frage: Wann wird es endlich eröffnet? Im Grunde fehlten nur noch ein paar letzte Schritte, teilte das Antikenministerium im Februar mit. Strukturarbeiten, Lichthof und die große Freitreppe seien fertig, die Innenarmaturen "zu 99,8 Prozent" und Außenbereiche "zu 98 Prozent". Das GEM, wie es abgekürzt heißt, soll mit einer Sammlung von 100.000 Artefakten und einer Grundstücksfläche, die 70 Fußballfeldern entspricht, das weltweit größte Museum werden, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist.

Bereits 1992 angekündigt

Doch schleichend hat sich der geplante Louvre für antike Schätze zu einer Dauerbaustelle verwandelt, die Erinnerungen weckt an einen gewissen Berliner Flughafen. Vor genau zehn Jahren, am 12. März 2012, wurde der wirkliche Start der Bauarbeiten am GEM gefeiert. Den Grundstein hatte der inzwischen gestorbene Präsident Husni Mubarak 2002 gelegt, 2005 liefen erste Arbeiten an. Angekündigt wurde das Projekt bereits 1992. Seitdem sind 30 Jahre vergangen.

Ein Eröffnungstermin stehe noch nicht fest, heißt es in Kairo. "Ich will Könige, Königinnen und Staatschefs bei der Eröffnungszeremonie haben", sagte Antikenminister Chalid al-Anani der Deutschen Presse-Agentur vergangenen Sommer. Eine Veranstaltung mit 600 Gästen oder mehr sei in der Corona-Pandemie aber nicht möglich. "Ich will dieses Ereignis feiern. Ich glaube, es wird die größte Eröffnung in der neueren Geschichte Ägyptens", so der Minister.

Neben der Pandemie sorgten die Revolution und politische Umbrüche ab 2011 zu Verzögerungen. Dazu kam Geldmangel in Ägyptens Wirtschaftsflaute. Die geschätzten Baukosten stiegen laut Berichten inzwischen auf umgerechnet mehr als 900 Millionen Euro und damit auf rund doppelt so viel als zunächst angesetzt. 2015 fragte die Nachrichtenseite "Al-Monitor": Wird das Museum jemals öffnen?

Staunen dürften die Besucher trotzdem, wenn sie irgendwann im monumentalen Lichthof vor der elf Meter hohen Statue von Pharao Ramses II. stehen. 5000 Jahre Geschichte sollen hier im großen Bogen lebendig werden, vom alten Ägypten bis zur griechisch-römischen Zeit. Besonderer Höhepunkt: Der Grabschatz des Pharaos Tutanchamun aus dem Tal der Könige, der erstmals vollständig zu sehen sein wird. Die Ausstellungsräume im Bau des irischen Architekturbüros Heneghan Peng gestaltete das Atelier Brückner aus Stuttgart.

Sichtachsen mit den Pyramiden

Gut möglich, dass einige Besucher sich etwas verloren fühlen. Auch ein elf Meter hoher Ramses II. könnte klein wirken in der gewaltigen Halle, und wer will bei einem Rundgang schon Tausende Artefakte sehen? Aber das GEM, über Sichtachsen mit den Pyramiden verbunden, dürfte sich auch in eine bauliche Erweiterung und moderne Interpretation der berühmten antiken Bauwerke verwandeln, schreibt das Magazin "Architectural Digest".

Kindkönig Tutanchamun könnte derweil ein Schlüssel sein beim Rätselraten um den Eröffnungstermin. Am 4. November jährt sich die Entdeckung seiner Grabkammer durch den britischen Archäologen Howard Carter zum 100. Mal. Gerade die Altertümer setzt die ägyptische Regierung gern mit viel Pathos und Symbolkraft in Szene. Eine Eröffnung des GEM an diesem Tag, sagte Ägyptologe Zahi Hawass vor einigen Monaten, wäre "ein Weltereignis".

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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