Er will ein Recht auf Homeoffice einführen, den Mindestlohn auf zwölf Euro erhöhen und Aufträge des Bundes nur noch an Firmen erteilen, die nach Tarif bezahlen: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) steht regelmäßig im Konflikt mit dem Koalitionspartner CDU/CSU. Im Interview mit unserer Redaktion wirft er der Union vor, "zu sehr in der alten Arbeitswelt" zu leben - und hofft auf einen SPD-Bundeskanzler.

Herr Heil, die Corona-Pandemie ist noch nicht beendet. Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie für den Herbst, wenn die Zahlen wohl wieder steigen?

Hubertus Heil: Corona ist nicht nur die größte Gesundheitskrise unserer Generation, sondern auch die größte Wirtschaftskrise. Ich bin froh, dass es gelungen ist, die Katastrophe am Arbeitsmarkt abzuwenden. Das wichtigste Instrument dafür ist nach wie vor die Kurzarbeit. Das ist unsere stabilste Brücke über ein tiefes wirtschaftliches Tal. Wir hatten in der ersten Welle bis zu sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit, das war im April letzten Jahres. Inzwischen sind die Zahlen kräftig zurückgegangen. Bislang haben wir für Kurzarbeit 38 Milliarden Euro aufgewendet. Das ist teuer, aber die Rückkehr von Massenarbeitslosigkeit zuzulassen, wäre teurer gewesen. Deswegen ist es auch richtig, dass ich diese Brücke jetzt noch ein Stück verlängere. Die Verordnung ist bereits auf dem Weg. Damit sorgen wir vor. Ich gehe aber nicht davon aus, dass es im Herbst noch einmal solche massiven Einbrüche geben wird.

Sie befürchten also keine neue Welle der Kurzarbeit?