Arbeitsmarkt Experte: Früher Ruhestand schadet der Wirtschaft

Eine Friseurmeisterin schneidet einer Kundin die Haare. Foto: Jan Woitas/dpa/Symbolbild

Der Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat zur Sicherung des Fachkräftepotenzials in Deutschland einen weitgehenden Verzicht auf Vorruhestandsregelungen vorgeschlagen. Mehrere Brücken zum Vorruhestand müssten eingerissen werden, sagte Stettes am Montag bei einer Veranstaltung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in München. Die Betriebe müssten sich frühzeitig darüber Gedanken machen, wie sie ältere Arbeitnehmer im Unternehmen halten können. Die Menschen müssten arbeitsfähig und veränderungsbereit bleiben, sagte Stettes.

vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt sagte, die Rente mit 67 müsse umgesetzt werden. Derzeit liege das Eintrittsalter in den Ruhestand bei etwa 64 Jahren bei Männern, bei Frauen noch etwas niedriger. Stettes hält es für einen Fehler, dass die Hinzuverdienstgrenzen für Rentner mit 63 Jahren weggefallen sind. Der Ausfall durch den früheren Ruhestand sei leicht durch einen 50-Prozent-Job auszugleichen. Der Wirtschaft gehe aber eine halbe Arbeitskraft verloren. Es sei zudem nötig, dass Deutschland und Bayern als Einwanderungsland attraktiver werden, sagte Stettes. "Die kommen nicht alle von alleine hierhin", sagte Stettes. Die Menschen scheiterten häufig schon im Ausland, wenn sie zu lange auf einen Termin bei deutschen Botschaften und Konsulaten zur Visumsvergabe warten müssten.

Der bayerische DGB-Vorsitzende Bernhard Stiedl wies hingegen die Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit zurück. Viele schafften es nicht, bis 65 Jahre oder länger zu arbeiten. "Im rentennahen Alter nimmt der Anteil eines Jahrgangs, der noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, beständig ab", sagte er. Im Jahr 2021 seien nur 14,3 Prozent der 65-Jährigen derart beschäftigt gewesen, noch geringer sei die Vollzeitquote. "Die Rente mit 67 ist unter diesen Gegebenheiten nichts anderes als ein Rentenkürzungsprogramm."

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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