Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit sinkt im März - Sorge vor Ukraine-Folgen

Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa

Der deutsche Arbeitsmarkt steht wie ein Fels in der Brandung: Nach der Corona-Krise trotzt er auch den Folgen des Ukraine-Krieges - bisher.

Eigentlich wäre die März-Statistik der Bundesagentur für Arbeit ein Grund zum Jubeln: Die Frühjahrsbelebung setzt auch in Zeiten der Corona-Krise ein. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt deutlich. Die Zahl offener Stellen steigt.

Gemessen an den Sorgen früherer Jahre wirkt der Umgang mit dem Mangel an Fachkräften fast wie ein Luxusproblem. "In praktisch jeder Branche gibt es ein Plus bei der Beschäftigung", sagt BA-Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach. Doch statt Jubel kommen aus Nürnberg vor allem Warnungen: Der Krieg in der Ukraine könnte auch den deutschen Arbeitsmarkt erfassen, sollte er weiter eskalieren, sagt Terzenbach.

"Krieg und Flucht schlagen sich derzeit nicht in der Arbeitslosigkeit nieder", betonte er. Man erwarte auch in Zukunft nicht unbedingt eine große Zahl von Entlassungen oder Insolvenzen. Die Kurzarbeit dürfte aber deutlich in die Höhe gehen. Schon wegen der Probleme mit den unterbrochenen Lieferketten könnten Betriebe auch in Deutschland vorübergehend ins Schlingern geraten. Die vermutlich anhaltend hohen Energiekosten und die allgemeine Unsicherheit tun ihr Übriges.

Prognose zur Kurzarbeit

Die BA geht nun davon aus, dass im Jahresdurchschnitt 2022 rund 590.000 Menschen in Kurzarbeit sein werden. Im Januar waren es nach bisher vorliegenden Zahlen 654.000. Im Dezember waren die Statistiker von 300.000 Kurzarbeitern im Jahresmittel ausgegangen. Das damals berechnete Defizit von 1,3 Milliarden Euro werde nach derzeitigem Stand nicht ausreichen, sagt Terzenbach nun. Er gehe von bis zu 4 Milliarden aus.

Kurzarbeit ist ein Rechtsanspruch. Sollten die Mittel der Bundesagentur, die sich im vor allem aus Beitragseinnahmen der Arbeitslosenversicherung speisen, nicht ausreichen, muss der Bund einspringen. Strittig ist, ob dies über ein Darlehen oder über einen Zuschuss erfolgt.

Die BA plädiert für einen Zuschuss, damit es der Behörde später leichter fällt, wieder eine Rücklage aufzubauen. Diese war vor der Corona-Krise auf fast 26 Milliarden Euro gewachsen, während der Pandemie aber mehr als aufgebraucht worden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil äußert sich dazu nicht konkret, sendete aber ein Signal: "Die Bundesregierung steht in diesen unsicheren Zeiten weiter an der Seite der Beschäftigten und der Unternehmen", betont er.

Im März ging die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Februar um 66.000 auf 2,362 Millionen zurück. Die ist ein Rückgang um 465.000 im Vergleich zum März 2021. Im März 2020 - als Auswirkungen der Pandemie für die Statistik noch keine Rolle spielten - waren 2,335 Millionen Menschen ohne Job. Die Arbeitslosenquote sank im März 2022 um 0,2 Punkte auf 5,1 Prozent.

Dass die Zahl der Arbeitslosen nur noch um 27.000 höher liegt als vor der Pandemie, ist für Heil ermutigend. "Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in Maßnahmen mitzählt, liegt sogar um 138.000 niedriger als vor zwei Jahren. Dieser Erfolg ist dem Engagement der Unternehmen in Deutschland, aber auch dem entschlossenen Krisenmanagement der Bundesregierung zu verdanken."

Zahl der offenen Stellen gestiegen

Mit 838.533 bei den Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Stellen ist das Angebot an Arbeit so hoch wie seit langem nicht mehr. Die Zahl der Stellen liegt um fast 230.000 höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Flüchtlinge aus der Ukraine könnten das Problem des Fachkräftebedarfs lindern, aber nicht lösen, sagt Terzenbach. "Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass eine Arbeitsmarktintegration ein längerer Weg wird."

Zunächst gehe es darum, für die häufig traumatisierten Menschen eine Unterkunft zu finden. Danach müsse die Kinderbetreuung und die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Schulen geregelt werden. Erst dann könne es um Arbeitsmarktaspekte gehen. Bei den bisher um die 300.000 in Deutschland registrierten Ukraine-Flüchtlingen handele es sich vor allem um Frauen, Kinder und Senioren. Besonders die Frauen seien überwiegend gut gebildet, viele hätten eine Hochschulausbildung.

Terzenbach mahnt zur Vorsicht, wenn es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen geht, da viele Flüchtlinge keine Zeugnisse mitführen. Etwa in der Pflege dürften Standards nicht verwaschen werden. Bestimmte formale Bedingungen müssten erfüllt werden.

Deutschland habe aber aus dem Umgang mit Flüchtlingen aus dem Nahen Osten in den Jahren um 2015 viel gelernt. Eine Einstellung sei für viele Betriebe kein Neuland mehr. Terzenbach plädiert dafür, auch die Ukraine-Flüchtlinge rasch in die Grundsicherung Hartz IV aufzunehmen. "Wenn es eine Entscheidung gäbe, dass die Menschen in die Grundsicherung kommen und da erfasst würden, würde das, wie beim letzten Mal, schnell gehen, und wir könnten auch mehr Transparenz darüber erzeugen."

Die Bundesregierung hat entschieden, die Ankömmlinge über das Asylbewerberleistungsgesetz zu versorgen. Die Geldleistungen sind über diesen Weg geringer als bei Hartz IV.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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