Antarktis Antarktis - Zum südlichsten Ende der Welt

180 Passagiere gehen mit der MS Fran auf Expedition durch die Antarktis. Foto: Rainer Hamberger

Die Wolkendecke bricht auf. Sonnenstrahlen auf die vorbeiziehenden Eis-Giganten tauchen diese in gleißendes Licht, ermöglichen einen Blick hinunter in die Tiefe des Wassers, wo sich das Ungetüm türkisfarben um ein Vielfaches fortsetzt. Da der Lemaire-Kanal zwischen den antarktischen Inseln an der engsten Stelle nur 280 Meter breit ist, herrscht oft Windstille. Unter der schwarzen Wasserfläche blitzt es immer wieder auf.

Ein Schwarm Pinguine ist pfeilschnell unterwegs, springt kurz über die Oberfläche und taucht wieder ab. Steile Klippen säumen die Durchfahrt voller Eisberge. Dicht neben dem Schiff ragen über 1.000 Meter hohe Berggipfel in den Himmel. Wäre da nicht leises Motorengeräusch, die Stille würde beinahe schmerzen. Hin und wieder ist Donner ähnliches Grollen zu hören. Zu spät entdeckt das Auge Teile des abbrechenden Gletschers bevor sie im Meer verschwinden.

Gerade drei Tage ist es her, dass die MS Fram mit etwa 180 Passagieren an Bord den Hafen von Ushuaia auf Feuerland verlassen hat. Gespannt wird das Ablegen am späten Nachmittag von Deck aus beobachtet. Nach dem ersten Erkunden der Räumlichkeiten, welche für die nächste Zeit eine Art zu Hause sein werden, stellt sich Genuss beim ruhigen Dahingleiten des Schiffes entlang der Felsenküste Chiles Richtung Süden ein. Eine Herausforderung ist die berüchtigte Drake-Passage, die es in den nächsten zwei Tagen zu überwinden gilt. Dann die ersten Vorboten der Antarktis: Eisberge treiben im ruhiger gewordenen Wasser. Stunden später Konturen am Horizont: Land in Sicht.

Exotisches Reiseziel

Die Antarktis ist eines der exotischsten Reiseziele überhaupt. Strenge Vorschriften regulieren das Befahren und Anlanden. Niemand wohnt dort dauerhaft. Etwaige Bodenschätze bleiben unangetastet.

"Bootsgruppe 1 zum Tenderpit." Endlich die lang erwartete Ankündigung. Anlandung in der Antarktis auf einer der Aitcho-Inseln. Verpackt in mehreren Schichten warmer Kleidung und den bequemen "Muck-Boots", einer Art Gummistiefel, geraten Passagiere der MS Fram erstmals ins Schwitzen bis der Aufruf zum Einstieg ins Tenderboot kommt. Die stabilen Gummiboote sind mit starken Motoren ausgerüstet. Sie transportieren die Gäste bei ihren Ausflügen sicher vom Schiff zur Anlandung.

Pinguine hautnah

Es graupelt, es ist windig, es ist kalt. Das unangenehme Wetter schmälert jedoch kaum die Aufregung beim erstmaligen Betreten antarktischen Bodens. Die Aitcho-Inseln liegen am nördlichen Eingang der English-Strait. Mitglieder des Expeditionsteams helfen aus dem Tenderboot über glitschige Steine am Strand. Entlang der Kiesbank räkeln sich Pelzrobben in Nachbarschaft mit Hunderten von Eselspinguinen. Baumelnde Gurte an den Schwimmwesten haben das Interesse der zu den Vögeln gehörenden Tierart geweckt. Ihr spitzer Schnabel schnappt nach den Enden und dabei geraten sie in unmittelbare Nähe der Besucher. Einige Jungtiere tragen Reste ihres "Babyflaumes" auf dem Rücken. "Vorsicht, nicht rückwärts gehen!" Ralf, einer der Expeditionsleiter, tippt dem mit Fotoapparat und Handschuhen Hantierenden auf die Schulter. Ein junger Pinguin, der sich für die graue Regenhose und dessen Besitzer interessiert, steht direkt hinter ihm. "Wie sollen wir da fünf Meter vorgeschriebenen Schutzabstand einhalten?" bemerken andere, die schmunzelnd die Szene verfolgen.

Durch Neptuns Blasebalg

"In wenigen Minuten rangieren wir durch Neptuns Bellow in die Caldera der Vulkaninsel Deception Island." Ralf informiert über die nächste Anlandung. Neptuns "Blasebalg" erweist sich als sehr schmale Öffnung im Kraterrund. Fast zum Greifen nah die bedrohlich aufragenden "Cathedral-Felsen". Dahinter wartet eine geschützte fast windstille Bucht, geschätzt auch von Walfängern bis ins 20. Jahrhundert. Die noch aktive Vulkaninsel liegt in der Bransfieldstraße und es kommt immer wieder zu Beben mit unvorhersehbaren Stärken.

Fast unwirklich leuchten in der späten Nachmittagssonne die vom Rost zerfressenen Tanks auf dem schwarzen Strand von Whalers Bay. Kochöfen, Tranlager und anderes Gerät, zerfallene Holzhäuser, Kreuze auf einem verlassenen Friedhof: Überbleibsel aus der Walfangära. Zeugen dieser unrühmlichen Vergangenheit, die beinahe zur Ausrottung der gewaltigen Meeressäuger führte, ragen aus einer Ascheschicht, die sich beim letzten starken Ausbruchs des Vulkans 1970 über die Insel verteilte.

Auf der Rückreise zeigt sich die Drake-Passage gnädig. Vielleicht hat die Seetüchtigkeit bei den Passagieren auch zugenommen. Interessante Vorträge lassen die Stunden auf See schnell vergehen.

"Delfine auf der Backbord-Seite." Holly Hogan, Biologin aus Kanada hat sie während der Beobachtung von Seevögeln entdeckt. Mehrere Tiere folgen dem Schiff. Spielerisch springen sie aus dem Wasser, um gleich darauf mit elegantem Schwung wieder darin zu verschwinden. Ob sie den Giganten neben sich als Artgenossen betrachten oder einfach nur auf der Bugwelle surfen?

Felsinseln mit Sturm zerzausten Bäumen tauchen aus dem grauen Einerlei des Wassers auf. Bald zeigen sich erste Häuser. Zurück in Ushuaia werden die Passagiere das Schiff verlassen. Bleiben werden Erinnerungen an eine unwirkliche Stille in einer mystischen Stimmung zwischen Eisbergen.

Weitere Informationen:

Anreise: Über Santiago de Chile oder Buenos Aires in Argentinien; mit einem Inlandsflug geht es weiter nach Punta Arenas oder Ushuaia zur Einschiffung. Durchquerung des Südpolarmeeres und ca. sechs Aufenthaltstage in der Antarktis.

Reisezeit: Antarktisreisen finden zwischen Ende Oktober und Mitte März während des Südsommers statt. Die Pinguine schlüpfen etwa im Januar aus dem Ei.

Buchtipp: Im Knesebeck Verlag ist der außergewöhnliche Bildband "Adelie: Eismeer - Eisland, an Land und unter Wasser in der Antarktis" von Vincent Munier und Laurent Ballesta erschienen. (www.knesebeck-verlag.de)

Reiseanbieter: Ein Spezialist für Expeditionsreisen in der Antarktis ist Hurtigruten. Mehr Infos unter Tel.: 040/87409356 bzw. unter www.hurtigruten.com.

 

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