"An der Schwelle zu einer tollen Generation" FC Bayern: Rosarote Gegenwart und goldene Zukunft?

Beim 3:0 von Robert Lewandowski kamen alle Düsseldorfer Klärungsversuche zu spät. Foto: imago

Trotz Corona-Krise leuchtet die Bayern-Welt sportlich rosarot. Nach einer perfekten Neun-Punkte-Woche ist der Trainer "stolz". Die Spieler sind "hungrig" auf Tore und Titel. Der langjährige Macher und der künftige Vorstandsboss sinnieren über eine goldene Zukunft.

Die Pfingst-Botschaften aus München klangen wenig ermutigend für alle Bayern-Jäger. Und das nicht nur akut, sondern über die Corona-Krise hinaus. Beim spielerisch leichten 5:0 gegen Fortuna Düsseldorf präsentierte sich zunächst das von Hansi Flick angeleitete Ensemble des FC Bayern als Meister des Geisterfußballs.

Der langjährige Macher Uli Hoeneß prophezeite von seinem Alterssitz am Tegernsee aus via Bayerischem Rundfunk "eine neue Bayern-Ära" mit dem von ihm erhofften Neuzugang Leroy Sané. Und dann meldete sich am Sonntagabend auch noch der künftige Vorstandsboss Oliver Kahn bei "Sky 90" zu Wort und kündigte für die kommenden Bundesliga-Jahre an, dass man sich beim deutschen Serienmeister "nicht zurücklehnen" werde. "Juventus Turin ist achtmal nacheinander italienischer Meister geworden. Ich glaube, unsere Jungs wollen das toppen", sagte Kahn.

Bayerns Gegenwart: Meisterliche Neun-Punkte-Woche

Coach Flick ist fokussiert auf die Gegenwart - und die leuchtet sportlich rosarot. Das Torfestival gegen überforderte Düsseldorfer Abstiegskandidaten rundete eine Neun-Punkte-Woche meisterlich ab. Flick war sehr angetan von seinem Kollektiv um Topscorer Robert Lewandowski und dem von ihm extra hervorgehobenen Vorarbeiter Leon Goretzka im Mittelfeld. "Es ist immer schwierig, nach einem Highlight wie in Dortmund wieder hundert Prozent auf den Platz zu bringen. Wir haben dem Gegner nicht den Hauch einer Chance gegeben", sagte Flick. Zur Belohnung spendierte er dem Team zwei freie Pfingsttage.

Einen Schlendrian muss er im Saisonendspurt bei seinen Musterprofis nicht befürchten. "Man sieht einfach, wie ehrgeizig und wie hungrig wir sind, dass wir am Ende ganz oben stehen", sagte Abwehrchef David Alaba. Juniorchef Joshua Kimmich will den 30. Titelgewinn nicht erst am 34. Spieltag, sondern möglichst rasch im Juni eintüten. "Wir wollen die Meisterschaft so früh wie möglich entscheiden. Wir wollen es einfach nicht spannend machen", sagte der Nationalspieler.

"Klassenunterschied" gegen die Fortuna

Gegen die Fortuna wurde es nie spannend. Das Schützenfest beim 22. Sieg im 25. Pflichtspiel unter Flick eröffnete Düsseldorfs Mathias "Zanka" Jörgensen nach einer Viertelstunde mit einem Eigentor. Nach vier weiteren Treffern von Benjamin Pavard, dem zweimal erfolgreichen Lewandowski und Alphonso Davies stand das Endergebnis nach 52 Minuten fest. Auch Fortuna-Coach Uwe Rösler sah einen "Klassenunterschied".

Diese Bayern scheinen spätestens nach dem vorentscheidenden 1:0 im Titelduell mit Borussia Dortmund durch nichts mehr aufzuhalten. Vier Siege mit 13:2 Toren verbuchten sie nach der Corona-Pause. Die pure Lust am Fußball war am Samstagabend auch ohne Fans in der riesigen Allianz Arena wieder zu spüren. Höhepunkt war Lewandowskis Tor zum 3:0 nach einem Spielzug über fünf Stationen mit zwei Hackenbällen.

29 Saisontore hat Lewandowski erzielt, auf 301 Scorerpunkte kommt der Pole nun in der Liga (231 Tore, 70 Vorlagen). 86 Treffer der Mannschaft nach 29 Spieltagen sind ein neuer Topwert. Nur die Gerd-Müller-Bayern der Saison 1971/72 übertrafen mit 101 Toren die Hunderter-Marke. "Klar, wenn's geht", sagte Flick, wolle man auch die magische 100 knacken. "Aber es gibt andere Ziele, die mir wichtiger sind." Noch wichtiger als Tore, Tore, Tore sind dem Trainer Titel, Titel, Titel. "Aktuell liegt der Fokus auf der Bundesliga, um diese auf der Position, auf der wir stehen, abzuschließen", sagte Flick. Der Vorsprung auf Verfolger Dortmund beträgt unverändert komfortable sieben Punkte.

Hoeneß: "An der Schwelle zu einer tollen Generation"

Hoeneß denkt längst über den 30. Meistertitel hinaus. "Ich glaube, wir sind an der Schwelle zu einer tollen Generation", sagte der 68-Jährige bei Bayern 1. Er setzt auf die Mittzwanziger um Kimmich, Süle, Gnabry, Coman und zählte den noch an Manchester City gebundenen Sané beim Ensemble der Zukunft schon mal mit auf. Kahn betätigte lieber die Transferbremse. Der 50-Jährige beobachtet den Transfermarkt in Corona-Zeiten mit erheblicher Skepsis und erklärte, 30 oder 40 Millionen Euro seien für ihn keine "Peanuts".

Hoeneß würde auch den Leverkusener Kai Havertz "gerne haben", aber diesen Millionen-Transfer hält er für eher unrealistisch. Aber auch so habe man "eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft". Kahn formulierte ebenfalls große Ziele: "Wir wollen alle beim FC Bayern diesen Erfolg, der national ohnegleichen ist, auch zukünftig haben. Und wir wollen auch weiterhin im europäischen Konzert ganz vorne mit dabei sein und auch die Champions League möglicherweise in einer kürzeren Frequenz gewinnen." Mia san mia - Corona hin oder her.

 

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