Wo bleibt die Musik?" Dieses Lied von Werner Schmidbauer aus dem Jahr 2013 hat in Zeiten der Corona-Pandemie, in der Musiker und Solo-Selbstständige in der Veranstaltungsbranche ums Überleben kämpfen, eine ungeahnte Aktualität erlangt. Das hat den Liedermacher Anfang des Jahres dazu bewogen, ein paar Textänderungen vorzunehmen und dem Stück so noch mehr Brisanz zu geben. Live zu hören sein wird es an diesem Freitag, wenn Schmidbauer nach zwei Konzert-Verschiebungen nun endlich wieder in Straubing auf der Bühne steht. Im Rahmen seiner Solo-Tour "Bei mir" singt und spielt er im Saal des Landgasthofs Reisinger in Sossau seine ganz persönlichen "Herzenslieder". Wir haben vorab mit ihm gesprochen über seine eigene Lage in der Corona-Pandemie, sein Engagement für Künstler-Kollegen und die Vorteile als Solo-Musiker auf der Bühne.

„Wo bleibt die Musik?“ haben Sie bereits vor acht Jahren veröffentlicht, Anfang dieses Jahres aber unter dem Eindruck der Corona-Krise und des zweiten Lockdowns einige Zeilen umgeschrieben. In einer aktualisierte Textpassage heißt es: „I sog da so geht’s ned weida, a jeder niest in Ellabong und sperrt sie ei. Wir wern allwei ängstlicher und leiser, die Bühnen zua und nur die Stille gibt’s no live.“ Ist der Song in der neuen Fassung Ihre persönliche Kritik an den Corona-Maßnahmen des Staates, speziell auch an der harten Gangart gegenüber der Kulturbranche?

Werner Schmidbauer: Nein, überhaupt nicht, ich beschreibe nur meine eigene Haltung und mein Empfinden, was diese Pandemie aus uns macht. Die Verschrecktheit, die jetzt jeder an den Tag legt, die Verängstigung, die ich jetzt auch bei meinen Live-Konzerten spüre. Darf man überhaupt noch klatschen? Ich bin kein realpolitischer Messias, der irgendwelche Weisheiten verbreitet. Wir haben die staatlichen Maßnahmen während des ersten Lockdowns komplett mitgetragen, es wusste ja niemand, was da passiert. Aber wenn nur noch Ellenbogen-Niesen und Einsperren Lösungen sind, ist es um unser Leben nicht gut bestellt. "So schlecht wia heid is uns no nia ganga, doch mir glaum ans RKI und Amazon", heißt es an anderer Stelle im Lied. Ich fand die Entwicklungen zwischendurch einfach bedenklich. Eben diese Hörigkeit gegenüber den täglich aktualisierten Inzidenz-Zahlen des Robert-Koch-Instituts oder dass die Menschen Amazon heißklicken statt durch die Innenstädte zu bummeln. Zum Glück gibt es jetzt Schritte zurück in die Normalität. Wir werden einfach Wege finden müssen, mit der Pandemie zu leben. Leider sind die Menschen in Sachen Kulturveranstaltungen noch zurückhaltend. Die Leute haben uns Kulturschaffende noch nicht wieder auf dem Schirm, ist mein Eindruck. Doch ich habe die Hoffnung, dass die Menschen jetzt wieder lockerer, angstfreier werden und dass die Lebensfreude mehr und mehr zurückkehrt.