Altrandsberg Michael Späth will Eisstock-Weltmeister werden

Nicht nur der Eisstock kommt mit Schwung auf die Bahn. Michael Späth fliegt regelrecht über den Asphalt. Foto: Melanie Nusko

Michael Späth kennt man in der Eisstock-Szene. Der 21-Jährige aus Altrandsberg im Landkreis Cham ist erfolgreicher Weitschütze. Im März tritt er bei der Weltmeisterschaft in Regen an. Zur Vorbereitung hilft ihm auch die Arbeit im Holz.

Fokussiert blickt Michael die trichterförmige Bahn entlang. Er greift den Eisstock mit der rechten Hand und schwingt. Anfangs noch leicht. Dann immer stärker und höher. Bis der Stock fast einen Kreis in die Luft zeichnet. Michael steht auf einem Bein. Den rechten Arm samt Eisstock über dem Kopf. Auf Hüfthöhe lässt er den Eisstock dann los. Den Körper weit nach vorne gebeugt. Für einen kurzen Moment schwebt Michael über den Asphalt. Genau wie sein Eisstock.

Vier erste Plätze bei der Europameisterschaft

Michael Späth aus Altrandsberg im Landkreis Cham trainiert gerade das Eisstockweitschießen. Der 21-Jährige tritt im März bei der Weltmeisterschaft in Regen an. Erfahrung hat er dafür schon genug gesammelt. Michael ist zehnfacher Bayerischer, vierfacher Deutscher, vierfacher Europameister, Vize-Weltmeister und noch so einiges mehr. Sein Highlight bisher: die Europameisterschaft 2015 in Österreich. Michael belegt damals vier erste Plätze. Bei der U16 und U19 im Einzel sowie in beiden Altersklassen mit der Mannschaft - das gab es vorher noch nie.

Rund sechs Jahre zuvor hatte Michael das erste Mal einen Eisstock in der Hand. Damals, mit elf Jahren, stand er, wenn es das Wetter zuließ, mit seinem Papa Rudi auf dem Eis. Ansonsten schossen die beiden auf der dorfeigenen Asphaltbahn. Talent hatte Michael von Anfang an. "Das wurde mir quasi von meinem Papa in die Wiege gelegt", sagt der heute 21-Jährige. Papa Rudi Späth war einer der Ersten, der in Altrandsberg mit dem Eisstockschießen anfing. Mit der Mannschaft wurde er 1998 in Graz sogar Weltmeister.

Zurück auf der Stockbahn. Der rund fünf Kilo schwere Eisstock schlittert über den Asphalt. Nach etwa 90 Metern kommt er zum Stehen. Michael schaut kritisch. Ganz zufrieden ist er nicht. Nächster Versuch.

Neben dem normalen Probeschießen machen viele Eisstockschützen Krafttraining. Michael hat da eine andere Methode: "Ich gehe lieber in den Wald zum Holzarbeiten und schmeiße Bäume durch die Gegend." Zwar gibt es für den Sport keine körperlichen Voraussetzungen, seine Größe von 1,97 Metern kommt Michael aber zugute.

Michaels Rekord liegt bei 200 Metern

Der 21-Jährige weiß außerdem noch einen weiteren Vorteil: "Ich habe vielleicht nicht so viel Kraft wie manch anderer, aber ich habe eine ausgefeilte Technik." Und die ist, wie bei vielen anderen Sportarten, sehr wichtig. Michael bezeichnet sich selbst eher als trainingsfaul. Jetzt, so kurz vor der Weltmeisterschaft, steht er aber öfter auf dem Platz - meist zweimal die Woche. Dann feilt er an der Ausführung. Und filmt sich manchmal selbst, um zu sehen, was er besser machen könnte. Erst bei Wettkämpfen kommt es schließlich auf die Weite an.

Michaels Rekord liegt bei etwa 200 Metern. Das war bei einem Turnier auf dem heimischen Weiher - einer von rund 15 Wettkämpfen, bei denen er in der Saison von September bis Juni antritt. Tausende Kilometer legt Michael dafür teilweise zurück. Die bevorstehende Weltmeisterschaft ist für den 21-Jährigen ein Heimspiel. Sie startet für ihn am 4. März. Michael tritt bei der U23 sowie bei den Herren an. Sein Ziel? Natürlich Weltmeister werden. Genau wie sein Papa. "Das will ich schon schaffen, seitdem ich klein bin", sagt er.

30 Nationen werden in Regen dabei sein. Unter anderem Sportler aus Argentinien, Indien, Namibia und China. Von letzteren weiß Michael, dass sie für über eine Million Euro Ausrüstung für das Eisstockschießen in Deutschland und Österreich eingekauft haben. Der Sport wird also immer beliebter. Die Chancen, dass das Eisstockschießen bei den Winterspielen 2026 olympisch wird, stehen gut. Und da will Michael natürlich auch mit dabei sein.

Weißes Pulver auf den Händen verbessert den Grip am Stock

Michael greift in eine Stofftasche und verteilt weißes Pulver auf seinen Händen - Magnesium. Es verbessert den Grip. Stock in die Hand. Schwung nach vorne. Schwung nach hinten. Loslassen. Michael schaut dem Stock hinterher. Passt. Er packt seine Ausrüstung wieder in den Koffer. Seine Handflächen sind mittlerweile aufgerissen. Der Griff des Stocks wird mit der Zeit rau. Es reicht für heute. Vor der WM kann der 21-Jährige keine Verletzung gebrauchen.

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