Alteglofsheim Ehemalige Lehrer wurden zu Rockern

Ein Grundbezug zum Musizieren ist bei allen Bandmitgliedern vorhanden. Den Ton gibt aber allzu gerne Albert an, der seinen guten Gesang auf den Schulchor zurückführt. Auch Akkordeon, Cello und Gitarre hat er noch zu Schulzeiten gelernt. Mit 17 Jahren gründete er seine erste eigene Band und mit 60 fing er wieder an, sich intensiv der Musik zu widmen. Beruflich kommen die fünf aus ganz verschiedenen Bereichen: Franz war Verwaltungsangestellter, Fritz Maschinenbautechniker, Wolfgang Gymnasiallehrer, Albert Direktor des Arbeitsgerichts in Regensburg und Georg Lehrer an einer Berufsoberschule. Dass diese Mischung wunderbar harmonieren kann, sieht und hört man bei jedem Lied.

Geld bekommen die Gruppen für ihre Auftritte bei den Festivals in Alteglofsheim nicht, "das ist reines Freizeitvergnügen", sagt Schweinar. Die zehn Euro Gebühren für den Eintritt werden zum Großteil in die Förderung der Musiktalente investiert. Dazu gehören etwa Gesangscoaching-Programme mit Musikexperten, Tipps für den richtigen Sound auf der Bühne und eine Schulung im Umgang mit digitaler Mischpulttechnik.

Ganzjährig musikalisch unterwegs

Auch außerhalb der Festivals treten die Bands im Programm von anderen Veranstaltungen auf. Dafür sorgt nicht zuletzt Bernd Schweinar selbst, der immerzu versucht, die Musiker auswärts einzusetzen und dem größeren Publikum bekannt zu machen. Aber auch die Bandmitglieder wollen, dass sich ihre wöchentlichen Proben auszahlen und suchen nach Möglichkeiten, ihre Musik anderen zugänglich zu machen. So sind die Bones Trader bereits im Lokschuppen in Regensburg oder bei der Rothenburger Oldie-Rock-Nacht dabei gewesen. Außerdem sind sie beim Bürgerfest in Obertraubling regelmäßig als Musik-Act eingeplant.

Das Publikum ist überraschend jung

"Ich hasse das Wort covern", sagt Albert. "Wir interpretieren." Eine Eigenkomposition von Wolfgang hat die Band auch in ihr Repertoire aufgenommen. Warum sie keine Hits von AC/DC oder Metallica spielen? "Weil das nicht die Musik ist, mit der wir groß geworden sind", sagt Franz. "Die Musik, die wir spielen, kennen wir und die mögen wir", sagt Fritz. "Das haben wir einfach im Blut", meint Georg. Vorurteile gegenüber heutigen Rocksongs hätten sie aber nicht.

Die diesjährige Besetzung auf dem Rentner.Rock.Festival ist um die 70 Jahre alt oder auch darüber. Zu den Jüngsten zählen Mitglieder, die auf die 60 zugehen. Diesen Altersquerschnitt unterbietet das Publikum bei den Festivals aber teilweise deutlich, denn in der Regel sei die Zuhörerschaft gemischt: "Es ist überraschend so, dass im Publikum nicht nur ältere Menschen sind, sondern auch 20- bis 30-Jährige", sagt Schweinar. Es gibt nur Sitzplätze, davon 270, die fast immer vollständig belegt sind. Die Musikauswahl ist stets eine andere und breit gestreut, von Hits aus den 1950ern bis hin zum Anfang der 80er-Jahre ist alles vertreten.

Die schmachtige Soul-Ballade "When A Man Loves A Woman" von Percy Sledge findet neben Elvis und den Beatles auch noch ihren Weg in die Bandprobe, bevor nach knapp zwei Stunden für heute Schluss ist mit "Rock Around The Clock". "Endlich seh ich euch beim Konzert wieder nur von hinten", schiebt Fritz hinterher. Geschafft sehen die rüstigen Senioren nicht aus, höchstens etwas verausgabt. Mehrere Reservestücke haben sie schließlich auch noch auf Lager: "Wir haben notfalls 35 bis 40 Stücke drauf, falls ein Act ausfällt", sagt Albert.

Ziel: Mit 80 Jahren auf der Bühne stehen

Ältere Mitglieder in Aktivitäten einzubinden, sei für Schweinar eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit. "Eine Überalterung der Gesellschaft ist nicht von der Hand zu weisen. Insofern ist jeder gefordert, ein breiteres Angebot für Leute im höheren Alter anzubieten." Auch Konzertveranstalter denken mittlerweile darüber nach, für älteres Publikum andere Möglichkeiten der Musikpräsentation anzubieten. Auf manchen Festivals gebe es kleine Hütten, in denen ältere Besucher übernachten könnten, sagt Schweinar. Diesen Bedürfnissen müssen die Veranstalter gerecht werden, weil sie sich nicht mehr nur auf die Jugendlichen verlassen können.

Ob das Potenzial der rüstigen Senioren unterschätzt werde? "Man müsste den Rentnern durchaus mehr zutrauen", meint Schweinar. Die Leistung auf der Bühne sollte jeder Teilnehmer als Herausforderung sehen, um im Alter geistig und physisch fit zu bleiben. "Leute, die bis ins hohe Alter Instrumente spielen, werden erst Jahre später Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen müssen", weiß Schweinar. Deshalb sei jegliche Art von musikalischer Betätigung im Alter nur zu empfehlen.

An dieses Motto halten sich Fritz, Franz, Wolfgang, Albert und Georg auch weiterhin. "Bewegung hält jung", sagt Fritz. Eine wohltuende Erfrischung an der schlosseigenen Kellerbar lassen sich die begnadeten Alt-Rocker anschließend nicht nehmen. "Chuck Berry ist noch mit 80 Jahren aufgetreten - das ist mein Ziel", hält Albert fest.

 

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