Als Teamlehrkraft am VHG Bogen Valeria Filimonow: „Ein bisschen wie bei Fack ju Göhte“

Von der Uni an die Schule: Valeria Filimonow ist seit Anfang des Schuljahres Teamlehrkraft am Veit-Höser-Gymnasium in Bogen. Foto: Collage Valeria Filimonow/Caroline Seidel/dpa/idowa

Nach der Uni, mit dem Master in Wirtschaftswissenschaft in der Tasche, geht es für viele Absolventen in ein international aufgestelltes Unternehmen. Valeria Filimonow aus Straubing hat stattdessen eine Zwischenlandung als Teamlehrkraft am Bogener Gymnasium gemacht.

Der Freistaat Bayern hat hunderte Menschen als sogenannte Teamlehrkräfte angeworben. Denn die ohnehin nur hauchdünne Personaldecke in manchen Fachbereichen hat durch die Corona-Maßnahmen endgültig Löcher bekommen. Valeria Filimonow unterrichtet als Teamlehrkraft am Veit-Höser-Gymnasium in Bogen Wirtschaft und Recht. Wie die ersten Tage als Lehrerin auf Zeit für sie waren, erzählt die 27-Jährige im Gespräch mit idowa.

Frau Filimonow, was war ihr Werdegang, bevor Sie Teamlehrkraft wurden?

Valeria Filimonow: Eigentlich lief das ganz klassisch. Nach dem Abitur am Anton-Bruckner-Gymnasium in Straubing habe ich in Regensburg Internationale Volkswirtschaftslehre studiert und dann noch den Master in Wirtschaftswissenschaft gemacht. Während ich auf mein Masterzeugnis wartete, wurde ich auf dieses Angebot des Freistaats aufmerksam. Ich dachte, das wäre vielleicht eine gute Idee, um die Zeit zu überbrücken, bis die ganze Universitäts-Bürokratie ihren Lauf genommen hat.

Wie kam dann der Kontakt zur Schule zustande?

Filimonow: Sehr schnell. Ich hatte am 5. September meine Bewerbung abgeschickt und war am Dienstag darauf zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Walter Wirth, der stellvertretende Schulleiter, und ich haben uns ein paar Minuten unterhalten und es passte einfach alles. Wir haben dann gleich einen Vorvertrag gemacht. Das war schon überraschend, wie schnell das ging, vor allem, weil ich kein Lehramt studiert hatte. Das fühlte sich ein bisschen an wie in dem Film „Fack ju Göthe“. (lacht)

„Wusste zunächst nicht, wie die 45 Minuten zu füllen sind“

… wobei man als Wirtschaftswissenschaftlerin ja schon mit dem Präsentieren vor größeren Menschengruppen und mit Vorträgen vertraut ist, oder?

Filimonow: Das schon. Aber der Vortragsstil ist ganz anders. An der Uni ist man sehr fachspezifisch unterwegs und spricht meistens zu Leuten, die ebenfalls mindestens ein Grundstudium in Wirtschaft haben. Wenn man dann vor einer 9. Klasse steht, die das erste Jahr Wirtschaft und Recht hat, muss man erst mal den Fachjargon komplett ablegen. Die meisten Begriffe, die man als Wirtschaftler selbstverständlich verwendet, haben die Schüler in diesem Alter noch nie gehört. Eine Unterrichtsstunde ist auch etwas anderes als ein Vortrag, bei dem einer spricht und die anderen zuhören. Eine Schulstunde soll eine Interaktion der Schüler mit dem Lehrer sein, da muss man sich überlegen, welche Fragen man stellen will, welchen Stoff die Schüler selbst im Klassengespräch erarbeiten sollen. Ich wusste zunächst nicht, wie die 45 Minuten Schulstunde am besten zu füllen sind.

Wie sah die Vorbereitung darauf aus?

Filimonow: Glücklicherweise haben mir die erfahrenen Lehrkräfte an der Schule ihre Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Ich habe stundenlang mit meinen Betreuern Martina Murrer und Lutz Müller telefoniert und mir Tipps geben lassen. Die kompetente Einführung dürfte der Grund dafür sein, warum alles von vornherein gut geklappt hat. Die ersten Momente vor der Klasse waren natürlich schwierig. Alle schauen einen erwartungsvoll an, während man selbst noch versucht, sich in die Systematik hineinzufinden, mit der der Stoff vermittelt werden soll. Aber nach den ersten paar Stunden lief das auch. Was ich noch immer schwierig finde, ist die Benotung – welche Leistungen man wie bewerten sollte.

Wie Valeria Filimonow die Noten-Problematik für sich gelöst hat und wie sie reagiert hat, als Schüler einmal plötzlich mitten im Unterricht die Spielkarten ausgepackt haben, lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews.

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