AKW Isar 2 Brandbrief weckt Zweifel an Habecks Energie-Plänen

, aktualisiert am 07.09.2022 - 16:22 Uhr
Wasserdampf steigt aus dem Kühltum vom Atomkraftwerk (AKW) Isar 2. Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild

Die Betreiber des Atomkraftwerks Isar 2 halten die Pläne von Wirtschaftsminister Habeck, den Meiler als Kaltreserve für den Notfall vorzuhalten, für "technisch nicht machbar." Das geht aus einem Brandbrief hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Zuerst hatte das Magazin Der Spiegel darüber berichtet. Die Betreiber halten das geplante Modell demnach für zu riskant.

Unterzeichnet ist das Dokument von Guido Knott, dem Chef von Preussen Elektra. Knott widerspricht darin explizit den Plänen, die Wirtschaftsminister Robert Habeck vorgestellt hatten. Habeck wollte den Regelbetrieb in Isar 2 wie vereinbart zum Jahresende einstellen, das Kraftwerk allerdings in eine "Einsatzreserve" versetzen. Heißt konkret: Es sollte wieder hochgefahren werden, falls der Strommarkt das erforderlich machen würde. Laut Habeck sei das innerhalb einer Woche technisch möglich. 

Die Betreiberfirma Preussen Elektra sieht das offenbar völlig anders: Der Vorschlag des Ministeriums sei "technisch nicht machbar und daher ungeeignet, um den Versorgungsbeitrag der Anlagen abzusichern", heißt es in dem Schreiben. Ein flexibles Anheben oder Drosseln der Leistung sei im Streckbetrieb nicht mehr möglich - erst recht nicht, falls die Anlage komplett heruntergefahren wird, wie es Habecks Pläne vorsehen. "Dann nämlich ist mit den eingeschränkten Möglichkeiten eines solchen Reaktorkerns ein Wiederanfahren im fortgeschrittenen Streckbetrieb nicht und schon gar nicht kurzfristig innerhalb einer Woche machbar", schreibt Knott. Er rät deswegen ausdrücklich davon ab. "Wir haben keinerlei Erfahrungswerte damit."

Gleichzeitig macht Knott klar, dass Isar 2 mit den noch vorhandenen Brennelementen durchaus zur Stromproduktion beitragen könnte. Er spricht von etwa 4 Terawattstunden und einer Leistung von bis zu 1.400 Megawatt für den Strommarkt, die möglich wären. Für diesen Streckbetrieb wären aber arbeitsintensive Vorbereitungen nötig, die bis Ende Oktober abgeschlossen sein müssen. Knott fordert deswegen Klarheit vom Ministerium, ob das Kernkraftwerk über den Jahreswechsel hinaus weiterbetrieben werden soll oder nicht. 

Habecks Pläne waren in den vergangenen Tagen Gegenstand erbitterter Debatten. Sie sehen vor, dass das Atomkraftwerk Emsland zum Jahresende vom Netz geht, Isar 2 und Neckarwestheim aber als Kaltreserve zur Verfügung stehen. Sie liefern also zunächst keinen Strom, was für die grüne Basis so ausgelegt werden kann, dass sie ja gar nicht weiterbetrieben werden. Habeck versprach aber, sie könnten innerhalb weniger Tage hochgefahren werden, wenn der Strom im Land knapp wird - womit wiederum die FDP einen Teilerfolg erzielt hätte. Genau dieser Annahme widersprechen aber eben nun die Betreiber des Kernkraftwerks Isar 2.

Habeck "verwundert" über Brief

Robert Habeck selbst zeigte sich am Mittwochnachmittag "verwundert" über den Brief. Er warf dem Konzern vor, das Konzept der Notfallreserve nicht verstanden zu haben. Denn ein Hoch- und Herunterfahren der Anlagen sei nicht geplant. Zudem verwies Habeck auf einen früheren Brief des Energiekonzerns von August, in dem dieser mitgeteilt habe, dass es auch im Fall eines längeren Streckbetriebs einen kurzfristigen Stillstand brauche. Nach Habecks Darstellung widersprechen sich diese Angaben des Konzerns.

Eine Sprecherin von Preussen Elektra bat auf Anfrage unserer Mediengruppe um Verständnis, sich nicht weiter zur Sache äußern zu wollen. Man sei "im Austausch mit der Bundesregierung, um die Möglichkeiten und Grenzen eines Weiterbetriebs zu besprechen". Diesen Gesprächen wolle man nicht vorgreifen. An der bisherigen Aussage der AKW-Betreiberfirma, wonach "Kernkraftwerke aus technischen Gründen nicht für einen Reservekraftwerksbetrieb geeignet" seien, halte man fest.

Aiwanger: "Super-Gau für die Bundesregierung"

Nach Bekanntwerden des Brandbriefs äußert sich auch der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger dazu und kritisiert dabei seine Kollegen auf Bundesebene. Als "Super-Gau für die Bundesregierung" bezeichnet er die Ablehnung des Reservebetriebs. "Deutschland steht wegen grün-ideologischer Politik vor der politischen Handlungsunfähigkeit und einem wirtschaftlichen Desaster", sagt Aiwanger und fügt hinzu: "Wenn die Bundesregierung diese Pippi-Langstrumpf-Politik nicht unverzüglich beendet, muss sie den Weg frei machen für Kräfte, die handlungsfähig sind."

Landshuts Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) nennt Habecks Pläne in einer Mitteilung "absoluten Unsinn". Ihm fehle jegliches Verständnis dafür, angesichts "dieser weltpolitischen Lage und des nahenden Herbstes und Winters" auf solch "irrsinnige Ideen" zu kommen. "Ich frage mich wirklich, ob sich Minister Habeck mit diesem Thema tatsächlich intensiv auseinander gesetzt hat oder lediglich aus Partei-ideologischen Gründen verzweifelt an einem Wunschszenario festhält", sagte Dreier.

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