Aktien in Corona-Zeiten „Das Geld muss irgendwo hin“

Prof. Dr. Oliver Entrop lehrt Finance und Banking an der Universität Passau. Foto: Material von Frank Rumpenhorst/dpa/Entrop

Prof. Dr. Oliver Entrop hat den Lehrstuhl für Finance und Banking an der Universität Passau inne. Im Gespräch mit idowa erläutert er, was in Krisenzeiten im Anlagesektor zu beachten ist und was man mit 20.000 Euro Kapital derzeit anstellen kann.

Die Realwirtschaft verzeichnet in Teilen hohe Einbrüche im laufenden Jahr, etwa in Branchen wie dem Einzelhandel, in der Gastronomie oder auch in Teilen der Industrie. Gleichzeitig ist das Niveau zahlreicher Aktienindizes relativ hoch. Sind die Aktienkurse derzeit zu optimistisch veranschlagt?

Prof. Dr. Oliver Entrop: Aktienkurse behandeln nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft. Die Märkte scheinen momentan davon auszugehen, dass die wirtschaftliche Erholung nicht allzu lange auf sich warten lässt. Ob das zu optimistisch, das weiß man dann natürlich erst hinterher. Von Haus aus bin ich allerdings auch Optimist.

Was führt Sie dazu, optimistisch zu sein?

Entrop: Wenn die medizinische Entwicklung so voranschreitet, wie geplant, dann könnte man vielleicht schon in eineinhalb Jahren mit so etwas wie Normalität rechnen. Und dann könnte wirtschaftlich bis auf einige Branchen, die nach wie vor gebeutelt sind, alles wieder annähernd so sein wie vorher.

Die Aktienwerte zeigen immer wieder deutliche Schwankungen, auch bei scheinbar stabilen Werten von weltweit agierenden Unternehmen. Anlagen gleichen stellenweise einer Achterbahnfahrt. Gibt es Gründe dafür abseits der Unsicherheit durch Corona?

Entrop: Ich weiß gar nicht, ob wir hier wirklich eine Achterbahnfahrt haben. Natürlich ist die Luftfahrt eingebrochen, natürlich ist der Tourismus eingebrochen und etliche Tech-Aktien sind eingebrochen. Wenn man sich aber die Risiko-Indizes ansieht wie etwa den VDax in Deutschland, dann sind die nur minimal erhöht. Es ist eher der subjektive Eindruck, dass da zurzeit viel Bewegung im Markt ist. Im Durchschnitt sind diese Werte aber nur leicht erhöht. Gleichzeitig gibt es momentan neben Corona noch weitere Unsicherheiten. Das betrifft etwa die politische Entwicklung in den USA, aber vor allem längerfristig gedacht auch die großen Themen, etwa die digitale und ökologische Transformation der Wirtschaft. Das sind sicherlich Risiken, denen wir ausgesetzt sind. Aber auch sie führen nicht zu einer überdurchschnittlich hohen Volatilität an den Märkten.

Sehen Sie auch die Wirtschaftsbeziehungen mit China als derzeitigen Unsicherheitsfaktor?

Entrop: Auf jeden Fall. Insbesondere die Beziehungen USA und China. Ich denke aber, dass allen derzeit an einer Normalisierung gelegen ist.

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