Agrar Zahl der Agrarbetriebe konstant: Minus bei Tierhaltern

Ein Landwirt fährt mit seinem Trecker über ein Feld. Foto: Philipp Schulze/dpa/Symbolbild

Der Druck auf die Landwirte wächst immer weiter - vor allem auf die Nutztierhalter. Die sinkenden Zahlen stimmen auch die zuständige Ministerin sorgenvoll.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern bleibt relativ konstant - die Zahl der Nutztierhalter ist in den vergangenen Jahren aber drastisch zurückgegangen. Zum Teil sind Rückgänge von acht Prozent pro Jahr zu verzeichnen. Das geht aus dem neuen Agrarbericht hervor, den Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) am Mittwoch im Agrarausschuss des Landtags vorstellte.

Demnach gab es im Jahr 2021 rund 103.000 landwirtschaftliche Betriebe mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 30,6 Hektar. Das bedeute mit einem Rückgang von 0,8 Prozent pro Jahr erfreulicherweise einen vergleichsweise geringen Strukturwandel, sagte Kaniber. Allerdings gebe es eine deutliche Verschiebung bei den Größenstrukturen: Bei den für Bayern so wichtigen mittelgroßen Betrieben im Bereich 20 bis 50 Hektar verzeichne man einen Rückgang von 2,4 Prozent pro Jahr.

Dabei handele es sich um Vollerwerbsbetriebe, die auf Einkommen aus der Tierhaltung angewiesen seien. Immer mehr Viehwirte gäben auf. Nach Kanibers Worten ging die Zahl der Milchviehhalter zuletzt um 4,4 Prozent jährlich zurück, die der Mastschweine-Halter um 8 Prozent und die der Zuchtsauen-Halter sogar im Schnitt um 8,7 Prozent pro Jahr.

Als Gründe für die überdurchschnittlich hohe Aufgabequote solcher Betriebszweige nannte Kaniber die hohe Arbeitsbelastung, eine sehr komplexe Arbeitsorganisation, immer neue Rechtsverschärfungen und eine zunehmend kritische Haltung in Teilen der Bevölkerung gegenüber Nutztierhaltern. "Das belastet unsere Tierhalter sehr, sehr schwer."

Insgesamt gehe die Nachfrage immer weiter zurück: 2010 habe man bundesweit einen Fleischverzehr von 55,8 Kilogramm pro Kopf verzeichnet, im vergangenen Jahr waren es nur noch 42,9 Kilogramm.

Die Corona-Pandemie habe die Erzeugerpreise zusätzlich einbrechen lassen, zum Teil habe es in der Krise gar keinen Absatz gegeben. Das habe zur Beschleunigung der negativen Entwicklungen beigetragen, kleine und mittlere Betriebe mit Tierhaltung stünden unter Druck, "Die Kleinen halten dann eben nicht ganz so durch", sagte Kaniber.

Der Gewinn der hauptberuflich tätigen Landwirte ging im vergangenen Jahr auf 50.600 Euro zurück. Im Vergleich zum vorhergehenden Wirtschaftsjahr 2019/2020, als der Gewinn im Schnitt bei rund 58 900 Euro lag, entspricht dies einem Rückgang von knapp 14 Prozent. Verantwortlich für den starken Gewinnrückgang waren laut Ministerium insbesondere geringere Verkaufserlöse für tierische Erzeugnisse.

Angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und dessen Folgen erneuerte Kaniber ihre Forderung, Ernährungssicherheit als strategisches Ziel zu begreifen. Die Europäische Union dürfe ihre Ernährungssouveränität nicht aufs Spiel setzen. "Putin benutzt Hunger in der Welt als Waffe. Deshalb müssen wir Ernährung als Frage der nationalen Sicherheit begreifen", sagte die CSU-Politikerin mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Nach wie vor ist die Land- und Forstwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen nach Worten Kanibers ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor: Die Umsätze von 179 Milliarden Euro machten rund 14 Prozent der Gesamtumsätze in der bayerischen Wirtschaft aus. Mehr als jeder siebte Arbeitsplatz im Freistaat hänge direkt oder indirekt mit der Land- und Forstwirtschaft zusammen, erklärte die Ministerin.

Ruth Müller (SPD) forderte unterdessen "eine Produktion, die sich an der tatsächlichen Nachfrage orientiert". "So wird immer weniger Fleisch nachgefragt - hier produzieren wir über unseren Bedarf, während Eier, Obst und Gemüse etwa zur Hälfte von außen zugekauft werden müssen." Auf veränderte Ernährungstrends gebe es im Agrarbericht kaum Antworten, hier läge aber eine Zukunftschance, kritisierte sie. Gisela Sengl (Grüne) forderte unter anderem mehr Unterstützung und "handfeste Hilfe" der Staatsregierung für Landwirte, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen wollten.

Der Bauernverband wiederum kritisierte: "Die Politik sieht zu, wie immer mehr Tierhalter aufgeben müssen, und unternimmt nichts." Die Uhr ticke: "Tierhalter, die aufgeben, sind für immer verloren."

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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