Afrika Wilde Tiere und weite Wüste im Norden Namibias

Blick über das Dünenmeer der Namib-Wüste. Foto: Tobias Wolf
Blick über das Dünenmeer der Namib-Wüste. Foto: Tobias Wolf

Da ist was im Busch. Rodney drückt aufs Gas, der Safari-Guide ist in Eile. Einige Löwen sollen direkt neben der Schotterpiste im hohen Gras liegen. "Wir werden sie sehen", verspricht er. Gekonnt weicht Rodney Wasserpfützen aus, die Mitfahrenden des Safari-Jeeps werden kräftig durchgeschüttelt. "Afrikanische Massage nennen wir das", witzelt der gesprächige Mann.

Und tatsächlich: Der Namibier hat den Mund nicht zu voll genommen. "Schaut, da drüben!", ruft er seinen Gästen zu. Nur wenige Meter vom Geländewagen entfernt räkeln sich drei Löwen, zwei Weibchen und ein junges Männchen, zwischen Sträuchern und Gräsern. Der morgendliche Besuch scheint sie nicht zu stören. Erst als weitere Jeeps ankommen, immer mehr Fotokameras klicken, wird es den anmutigen Raubkatzen zu viel und sie verschwinden in die Weiten der Busch-Savanne.

Der Etosha-Nationalpark: Ein Rückzugsort für viele bedrohte Arten

Hier im Etosha-Nationalpark im Norden Namibias sind Wildtiere fast zum Greifen nah. "Die Begegnung mit ihnen ist jedes Mal aufs Neue ein unvergleichliches Erlebnis", erzählt Rodney. Der 38-Jährige liebt seinen Job. "Ich fahre zwar fast täglich und oft mehrmals in den Park, aber es ist nie dasselbe. Man weiß nie, was man heute sehen wird."

Mit einer Fläche von gut 22.000 Quadratkilometern ist der Etosha Nationalpark in etwa so groß wie Hessen und damit das drittgrößte Naturschutzgebiet Afrikas. 250 Löwen, 300 Nashörner, 2.000 Elefanten, 2.500 Giraffen, 4.000 Gnus, 6.000 Zebras, 8.000 Oryx-Antilopen und fast 20.000 Springböcke bevölkern den Nationalpark. Auch Leoparden, Hyänen, Warzenschweine, zahlreiche Vogelarten und etliche kleinere Säugetiere sind anzutreffen.

Bereits 1907 erklärte der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Friedrich von Lindequist, Etosha zum Wildschutzgebiet. Anfang der 1970er-Jahre erhielt der Nationalpark seine heutigen Grenzen. Etosha ist heute ein Rückzugsort für viele bedrohte Tierarten.

Die Populationen im Nationalpark sind stabil, manche sogar am Wachsen. Doch auch Namibia hat nach wie vor mit Wilderei zu kämpfen. Das wird bei der nächsten tierischen Begegnung deutlich.

Ein grauer Koloss bahnt sich gemächlich seinen Weg zwischen Sträuchern und Bäumen. "Das ist ein Spitzmaulnashorn, die werden bis zu 1,4 Tonnen schwer", weiß Rodney. Doch das Horn ist gestutzt. "Das müssen wir leider tun, wegen der Wilderei", erklärt der Ranger. Trotz größter Bemühungen, strenger Kontrollen und vieler Erfolge in den letzten Jahren schaffen es Wilderer noch immer, die vom Aussterben bedrohten grauen Riesen nur wegen ihrer Hörner zu töten. "In China werden nach wie vor horrende Preise für das Horn gezahlt. In der traditionellen chinesischen Medizin soll es angeblich gegen Kopfschmerzen helfen. Dabei besteht es ähnlich wie Haare oder Fingernägel aus einfachem Keratin. Das stimmt mich traurig", erklärt Guide Rodney. Das Nashorn verschwindet wieder in die Weiten des Etoshas.

Genug der Wilderei, Rodney drückt aufs Gas. Er führt seine Gäste zu einem Wasserloch, an dem Springböcke, Impala- und Oryx-Antilopen gerade ihren Durst stillen. Auf dem Weg dorthin kreuzen Giraffen und Strauße die Straße, Zebras grasen direkt am Wegesrand. Das blühende Leben.

Die Namib-Wüste ist einer der unwirtlichsten Orte der Welt

Ganz anders zeigt sich Namibia rund 600 Kilometer weiter südlich. Hier befindet sich der Reisende an einem der unwirtlichsten Orte der Welt: der Namib-Wüste. Mit einem Alter von rund 80 Millionen Jahren ist die Namib die älteste Wüste der Welt und hat dem Land Namibia seinen Namen gegeben.

Im Namib-Naukluft-Park können Touristen das sagenhafte Nichts dieser Mars-ähnlichen Landschaft erleben. Auf dem Weg nach Sossusvlei, eine von Sanddünen umgebene Salzpfanne, erhebt sich ein imposantes Dünen-Meer. Der Kontrast zwischen dem azurblauen Himmel und den roten Dünen beeindruckt.

Trotz der lebensfeindlichen Bedingungen sprießen vereinzelt Sträucher und Akazien-Bäume aus dem trockenen, sandigen Boden. "Die Wurzeln der Akazie reichen bis zu 50 Meter tief und zapfen das Grundwasser an", weiß Herold. Der sympathische 37-jährige Namibier ist Reise-Guide und zeigt Touristen sein Land.

Und noch etwas überlebt in der trockenen Hitze der Namib: die Oryx-Antilope, das Wappentier Namibias.

Im Meer der Dünen ragt eine hervor. "Das ist Big Daddy", erklärt Herold. Mit 350 Metern soll sie die höchste Sanddüne der Welt sein. Der mühsame Aufstieg, der gut einstündige Kampf gegen den Sand lohnt sich. Oben angekommen eröffnet sich ein Panoramablick über das rote Dünenmeer.

Wie Ameisen wirken die Touristen, die sich gerade eben auf den Weg zum Gipfel machen. Nach dem rutschigen Abstieg wartet unten die "Deadvlei", die "Todespfanne". Hier bilden abgestorbene Akazien-Bäume vor dem rot-blauen Hintergrund der Dünen und des Himmels eine surreale Landschaft. Manche dieser Akazien sind über 500 Jahre alt.

Noch heute sind Spuren der blutigen Kolonialzeit zu finden Neben wilden Tieren und weiten Wüsten hat Namibia noch was ganz anderes zu bieten: deutsche Geschichte. 1884 wurde das heutige Namibia unter dem Namen "Deutsch-Südwestafrika" die erste deutsche Kolonie in Afrika.

Bis 1915 führte das Deutsche Reich dort ein Schreckensregime, unter das der blutige Völkermord an den Herero und Nama, zwei der insgesamt 13 namibischen Stämme, fällt. Aktuell kocht die Debatte um Reparationszahlungen gerade erst wieder hoch.

Neben alten Wunden sind aus der Kolonialzeit auch die deutsche Sprache und deutsche Produkte geblieben. Auf Zeitreise begeben kann man sich am besten in Swakopmund. Die Stadt an der Atlantikküste war einst wichtigster Hafen für Einwanderer aus Deutschland.

Heute noch fühlt man sich beim Schlendern durch die Straßen wie aus der Zeit gefallen. Schilder zeigen den Weg zum "Café Anton", zur "Stadtmitte" oder zum "Hotel Kaiser", Straßen und Geschäfte tragen deutsche Namen.

Nicht wenige der heute 44.000 Einwohner haben deutsche Wurzeln. Und nicht zuletzt die Fachwerkhäuser im Zentrum Swakopmunds dokumentieren die deutsche Vergangenheit.

Wer jedoch das wahre Leben der Namibier kennenlernen will, der sollte einen Abstecher in die Armenviertel Mondesa und Matutura machen. In Zeiten des Apartheid-Regimes entstanden, leben hier noch heute fast ausschließlich Schwarze. "Hier können Sie das Leben der einfachen Namibier und ihre Kultur kennenlernen", erzählt Heinrich "Heini" Hafeni, der selbst im Township Mondesa aufgewachsen ist und Touristen nun seine Heimat zeigt.

Obwohl die Menschen hier kaum das Nötigste haben und in Holz- und Wellblechhütten leben, ist es sauber auf den Straßen. Kein Gestank, kaum Müll, kaum Plastik. "Heini" führt seine Gäste zum lokalen Markt, besucht mit ihnen einen Kindergarten, die "Wassertankstelle" und lädt in seinem Restaurant zu einem traditionellen Essen mit gerösteten Raupen, Kuhmagen, Hähnchen, wildem Spinat und Maisbrei.

Auch das ist Namibia - ein Land voller Kontraste eben.

Reise-Tipps:

Anreise: Air Namibia fliegt täglich nonstop per Nachtflug von Frankfurt nach Windhoek (ab 610 €).

Währung: 1 Euro sind ca. 15 Namibische Dollar

Reiseapotheke: Eine Impfvorschrift für Namibia gibt es nicht, alle Standardreiseimpfungen sowie eine übliche Reiseapotheke inkl. Sonnencreme und Mückenschutz sind aber sinnvoll.

Unterkünfte: Empfehlenswert sind die komfortablen und ökologischen Lodges der Gondwana Collection.

Weitere Informationen: Namibia Tourism Board 60313 Frankfurt a.M., Tel. +49(0)69/133736-0, E-Mail: info@namibia-tourism.com, www.namibia-tourism.com, oder bei Reiseveranstaltern, zum Bespiel FTI.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading